Risikomanagement

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EVH GmbH

7. Risikomanagement

Ver- und Entsorgung EVH GmbH Seite 113 von 497 Die Verringerung des Cashflows aus der laufenden Geschäftstätigkeit um 14,4 Mio. € ist maßgeblich auf den Aufbau von Forderungen in Höhe von 19,2 Mio. € (Vorjahr: Abnahme von 12,3 Mio. €) sowie auf den Abbau von Verbindlichkeiten in Höhe von 5,3 Mio. € (Vorjahr: Abnahme 21,7 Mio. €) und die Abnahme von Rückstellungen in Höhe von 3,7 Mio. € zurückzuführen.

Der Cash-Outflow aus der Investitionstätigkeit betrug 13,9 Mio. €. Die Finanzierung der langfristigen Investitionen erfolgte im Berichtsjahr 2012 über einen KfW-Fördermittelkredit in Höhe von 17,0 Mio. € und ein Investitionsdarlehen in Höhe von 3,0 Mio. €.

Im Geschäftsjahr 2012 erfolgte die Auszahlung des Vorjahresergebnisses in Höhe von 23,0 Mio. € an die Gesellschafterin.

Der Finanzmittelbestand der EVH GmbH belief sich am 31. Dezember 2012 auf insgesamt 35,8 Mio. € und bestand überwiegend aus einem Guthaben im Rahmen des Cash-Pools mit der Stadtwerke Halle GmbH. Ziel dieser Vereinbarung des Finanzmanagements ist es, finanzielle Risiken im Konzern zu minimieren.

Im stichtagsbezogenen kurzfristigen Liquiditätsstatus (kurzfristige Aktiva ./. kurzfristige Schulden) ergab sich eine Überdeckung von 2,4 Mio. € (Vorjahr: Unterdeckung 7,9 Mio. €).

Der aus dem Bestand an kurzfristigen Verbindlichkeiten und Rückstellungen resultierende Finanzierungsbedarf wird durch den zum Bilanzstichtag bestehenden Finanzmittelbestand gedeckt. Der Überschuss darüber hinaus betrifft einen Teil langfristiger Darlehen, die für die Finanzierung von Investitionen in 2012 vorgesehen waren, die sich aber in das neue Geschäftsjahr verschoben haben.

Die Liquidität war während des Jahres 2012 gegeben und wird auch im Geschäftsjahr 2013 gemäß aktueller Finanzplanung gegeben sein.

Ver- und Entsorgung EVH GmbH Seite 114 von 497 Im Rahmen des Risikomanagements für Energiebeschaffung und Vermarktung erfolgten für die Jahre 2013 und 2014 Geschäfte, um die geplanten Deckungsbeiträge der Stromproduktion des Heizkraftwerkes Dieselstraße abzusichern. Für das Jahr 2013 beträgt der Absicherungsgrad 81 Prozent. Für 2014 wurden bisher 29 Prozent gesichert.

Dem Risiko mangelnder Bonität von Geschäftspartnern im Stromhandel wirkt das Unternehmen mit direkten und indirekten Maßnahmen entgegen. Es legt jährlich neue Limits fest, in deren Grenzen Geschäfte mit Geschäftspartnern getätigt werden können. Die Definition der Maximalwerte erfolgt mit Hilfe von Bonitätsbewertungen für die einzelnen Vertragspartner. Diese Limits werden jährlich im Rahmen des Wirtschaftsplanes festgelegt.

Die EVH GmbH behielt die Beschaffungsstrategie für den Kommunalgasbezug bei. Es erfolgte eine Streuung der Preis- und Mengenrisiken durch die Aufteilung der Gesamtbeschaffung auf mehrere Lieferanten. Risiken bestehen hier auch in den Mindestabnahmeverpflichtungen für Kommunal- und Kraftwerksgas z. B. bei milder Witterung.

Ab 2013 besteht das Risiko verminderter Deckungsbeiträge aus der Vermarktung der Stromerzeugung des Heizkraftwerkes Dieselstraße aufgrund der gegenwärtigen Marktpreissituation. Die gegenwärtige Marktsituation lässt eine wirtschaftliche Stromproduktion im Heizkraftwerk Dieselstraße nur bedingt zu. Die in künftigen Geschäftsjahren zu erwartenden Verluste aus schwebenden Absatz- und Bezugsverpflichtungen wurden im Jahresabschluss durch eine Rückstellung berücksichtigt.

Seitens der Geschäftsführung werden Verhandlungen mit dem Gaslieferanten geführt, um die Gasbezugskonditionen und somit die Wirtschaftlichkeit im Geschäftsfeld Stromerzeugung zu verbessern. Darüber hinaus arbeitet die EVH an verschiedenen Projekten zur Optimierung der Beschaffungs- und Vermarktungsstrategie im Erzeugungsportfolio.

Die Marktpreise für den Strom wirken neben der Erzeugung auch auf das Endkundengeschäft. Die Bezugskostenentwicklung wird auch hier grundsätzlich an die Endkunden weitergegeben. Bei steigenden Preisen kann es auf Grund der jeweiligen Marktsituation und des zeitlichen Versatzes für die EVH ebenso zu Margen- und Kundenverlusten kommen.

Die Diskussion der Politik und der Bundesnetzagentur über die Neureglung der Preisgestaltung für die Entgelte aus vermiedener Netznutzung bleibt bestehen. Ab dem Jahr 2014 besteht für die EVH GmbH für die GuD-Anlage Dieselstraße ein jährliches Risiko aus der Entgeltverminderung von rund 1,9 Mio. € (sogenanntes Poolingverbot), was einer Halbierung der geplanten Entgelte für vermiedene Netznutzung gleichkommt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in mehreren Fällen die Rechtsprechung zu Preisanpassungsklauseln in Fernwärmelieferverträgen präzisiert, bei denen die Preise an die Entwicklung für Heizöl gekoppelt sind. Die Rechtsprechung in diesem Bereich entwickelt sich weiter und wurde als Position in die Chancen- und Risikoinventur aufgenommen.

Von halleschen Wohnungsunternehmen wurden in diesem Zusammenhang Rückforderungsansprüche aufgrund einer behaupteten Unwirksamkeit der Preisanpassungsformel aus den Fernwärmelieferverträgen rückwirkend für den Zeitraum ab 2008 angezeigt. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die Fernwärmelieferverträge rechtssicher sind. Für künftige Lieferungen besteht jedoch ein Risiko aus sich vermindernden Umsatzerlösen aus Fernwärme.

8. Prognosebericht

Die Bundesregierung erwartet für das Geschäftsjahr 2013 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum in Deutschland von rund 0,5 Prozent. Es wird davon ausgegangen, dass sich die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Start im ersten Halbjahr schneller erholen wird. Die Norddeutsche Landesbank rechnet mit 1 Prozent Wirtschaftswachstum 2013 in Sachsen-Anhalt.

Die demographischen Rahmenbedingungen (weiterer prognostizierter Bevölkerungsrückgang) in Verbindung mit einem noch sparsameren Verbrauchsverhalten und weiter zunehmendem Wettbewerb führen zu rückläufigen Absatzmengen für Strom, Erdgas und Fernwärme im Netzgebiet der EVH GmbH.

In 2012 sollte eine Novellierung der derzeit gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2009 erfolgen. Dies wird vorrausichtlich erst 2013 erfolgen. Es ist mit einer weiteren Verschärfung des maximalen Primärenergieverbrauchs für Neubauten um ca. 30 Prozent zu rechnen. Die Europäische Union hat unlängst eine neue Gebäuderichtlinie beschlossen, die in nationales Recht umzusetzen ist. Danach sind ab 2021 alle Neubauten als so genannte Niedrigstenergiegebäude zu bauen. Der dabei verbleibende geringe Energiebedarf soll zum wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Gefordert ist außerdem eine Pflicht für den Einsatz erneuerbarer Energien bei Änderungen von Bestandsgebäuden, ohne dass jedoch in der Richtlinie ein genauer Mindestsatz festgelegt wurde.

Ver- und Entsorgung EVH GmbH Seite 115 von 497 Im Jahr 2013 beginnt für den europäischen Emissionshandel die dritte Handelsperiode, die bis zum Jahr 2020 andauern wird. Demzufolge wird es für die Stromproduktion keine kostenfreien Emissionsberechtigungen mehr geben. Für die Wärmeerzeugung wird es weiterhin kostenfreie Zuteilungen geben.

Für 2013 erwarten Analysten einen leichten Anstieg des Rohölpreises. 2012 lag dieser bei 110 Dollar je Barrel. Grund dafür ist zum einen das Krisenthema um den Atomkonflikt im Iran. Zum anderen wird mit einer sich im Jahresverlauf positiv entwickelnden Weltkonjunktur gerechnet.

Im Rahmen des von der Bundesregierung beschlossenen Energie- und Klimaschutzprogramms plant das Unternehmen mittelfristig den Ausbau seiner regenerativen Erzeugungskapazitäten, um seiner klimapolitischen Verantwortung nachzukommen. Des Weiteren wird durch Investitionen in den Bau von Photovoltaikanlagen der Ausbau der erneuerbaren Energien gefördert.

Weitere Investitionen wird es in den Folgejahren bei den Netzen geben, um die Versorgungssicherheit jederzeit zu gewährleisten. Schwerpunkte bilden Ersatz- und Erweiterungsmaßnahmen im Strom-, Gas- und Wärmenetz.

Die EVH GmbH will ihre Akquisitionen innerhalb und außerhalb von Halle verstärken. Auf Grund dessen sind erhöhte Investitionen in den Bau von Gaskesselanlagen sowie die Errichtung von Hausanschlussstationen geplant.

In der Aufsichtsratssitzung vom 28. November 2012 wurde die Beendigung des Pachtverhältnisses über die GuD-Anlage Dieselstraße zum 1. Januar 2013 beschlossen. Alle damit im Zusammenhang abgeschlossenen Rechtsgeschäfte, insbesondere der Pachtvertrag, der Vertrag zur Erbringung technischer und kaufmännischer Dienstleistungen, der Vertrag über die Lieferung von Gas für das Kraftwerk Dieselstraße sowie die Strom- und Wärmelieferungsverträge wurden einvernehmlich mittels eines Aufhebungsvertrages gelöst.

Die EVH GmbH plant für das Jahr 2013 ein Ergebnis vor Steuern und Ergebnisabführung von 14,4 Mio. €. Mittelfristig wird von einem durchschnittlichen Planergebnis in Höhe von 10,0 Mio. € ausgegangen. Hauptgrund dafür sind verminderte Deckungsbeiträge aus der Vermarktung der Stromerzeugung des Heizkraftwerkes Dieselstraße aufgrund der gegenwärtigen Marktpreissituation sowie geringere Deckungsbeiträge in den Sparten Gas und Wärme.

Herr Berthold Müller-Urlaub beendete am 28. Februar 2013 nach 18 Jahren seine kaufmännische Geschäftsführertätigkeit in der Gesellschaft. Neuer Geschäftsführer ist seit 11. März 2013 Herr Olaf Schneider.

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