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Archiv "Krankenhäuser: Wunschdenken" (25.08.1997)

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A-2160 (4) Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 34–35, 25. August 1997

S P E K T R U M AKUT/LESERBRIEFE

Krankenhäuser

Zu dem Beitrag „Voreiliger Bettenab- bau“ von Dr. Harald Clade in Heft 30/1997:

Vor dem „Aus“?

Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, Dr. Axel Horstmann, hat beschlossen, 7 300 Krankenhausbetten in NRW abzubauen. Im Rah- men dieser Überlegungen soll das Krankenhaus der Anto- niuszentrum GmbH Tönis- vorst aus dem Bedarfsplan ausscheiden. Dies kann auf- grund der überaus positiven Datenlage und der eindeuti- gen Stellungnahmen der Fachleute nicht nachvollzo- gen werden. Das Ministerium hat bestätigt, daß an der Lei- stungsfähigkeit und der Wirt- schaftlichkeit des Kranken- hauses keine Zweifel beste- hen. Alle Ärzte der Region Tönisvorst/Krefeld-Forstwald betonen in einem Schreiben an das MAGS, daß das Kran- kenhaus für eine ausreichen- de Grund- und Notfallversor- gung unverzichtbar ist, und sehen nicht zu vertretende Engpässe in der Versorgung bei Schließung ihres Hauses.

Die eindeutig positiven Stel-

lungnahmen der Ärztekam- mer Nordrhein, des Städte- und Gemeindebundes NRW und der Gewerkschaft ÖTV belegen: Das Krankenhaus ist leistungsfähig, wirtschaftlich, bedarfsgerecht und unver- zichtbar. Trotz dieser eindeu- tigen Argumentation hat der Minister sich immer noch nicht für einen Erhalt des Krankenhauses ausgespro- chen . . .

Gesundheitspolitik darf nicht darin bestehen, daß man „ohne nachvollziehbare Kriterien“ (Dr. Helmut Lins- sen, Oppositionsführer im Landtag NRW) gegen das einstimmige und eindeutige Urteil der Fachleute einer stark wachsenden Stadt das einzige, für eine ausreichende Grund- und Notfallversor- gung unverzichtbare Kran- kenhaus nimmt und damit das angeschlossene Notarzt- system aufhebt . . .

Dr. med. Erich Tizek, Anto- niuszentrum GmbH, Hospi- talstraße 2, 47918 Tönisvorst

Wunschdenken

In dem Artikel wird über eine Studie berichtet, die vom Institut für Kranken- hausentwicklung in Krefeld orscher der Universität Genf haben ein neues

Virus entdeckt, das der Auslöser des Typ-I-Diabe- tes sein könnte. Das mit dem Laborkürzel

„IDMMK1.222“ getaufte Virus fand eine Gruppe um den Genetiker Bernard Conrad im Blut von zehn neu diagno- stizierten jungen Diabetikern. Bei zehn gesunden Alters- genossen fanden sie keine Infektion (Cell 1997; 90:

303–313). Bei dem neuen Erreger handelt es sich um ein endogenes Retrovirus. Dieses Virus hat irgendwann in der Evolution sein Erbgut so in das eines Menschen ein- gefügt, daß es seitdem von Generation zu Generation weitervererbt wird. Von einem ganz ähnlich vererbten Mäusevirus wissen die Forscher, daß die Virusgene manchmal aktiv werden können und dann neue infek- tiöse Viruspartikel herstellen. In dem Modell, das die Schweizer Forscher schildern, stellt das „Erwachen“ des Virus allerdings nur den ersten Schritt zum Diabetes dar.

ines der Proteine, die zur Produktion neuer Virus- hüllen entstehen, ist nach den Analysen ein „Su- perantigen“. Solche Proteine haben die tückische Eigenschaft, unspezifisch T-Zellen zu aktivieren. Das Vi- rus-Protein bindet sowohl an „MHC-II“-Proteine anti- genpräsentierender Zellen als auch an eine ganze Familie von T-Zellrezeptor-Molekülen. Damit vernetzt es gerade die beiden Oberflächenmoleküle, deren Kontakt zur Ak- tivierung der T-Zellen führt. Während solche Kontakte normalerweise nur wenige, ganz spezifische T-Zellen ak- tivieren, kann das Superantigen mehrere Millionen T- Zellen gleichsam kurzschließen. Die Forschergruppe ver- mutet, daß unter diesen fast wahllos aktivierten T-Zellen auch solche sind, die zufällig gegen Moleküle der insulin- produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gerichtet sind. Weitere Studien zeigen, daß solche potentiell ge- fährlichen T-Zellen tatsächlich in jedem Gesunden vor- kommen.

ber solange die T-Zellen nicht aktiviert werden, sind sie nicht fähig, in die Bauchspeicheldrüse einzuwandern. Diese Zurückhaltung könnte das Virus durch die massenhafte Aktivierung aufheben – und so die zum Diabetes führende Autoimmunattacke in Gang setzen. Noch ist dieses schon früher diskutierte Er- klärungsmodell nicht bewiesen. Die Autoren der Studie räumen ein, daß sie bislang nicht ausschließen können, daß das Virus erst nach Einsetzen der Zuckerkrankheit aktiv wird. Allerdings bieten die Eigenschaften des Virus und seines „Superantigens“ plausible Erklärungen für ei- ne ganze Reihe von Phänomenen, die mit dem Typ-I- Diabetes zusammenhängen. Und das Modell der Schwei- zer Forscher schließt die Möglichkeit ein, daß die Zucker- krankheit ansteckend sein könnte. Klaus Koch

F

E

A

Ursache des Typ-I-Diabetes

Ein neuer Kandidat:

„Erbliches“ Virus

Krebs

Zu dem Beitrag „Spontanremissionen bei Kresberkrankung: Das Phänomen der unerwarteten Genesung“ von Dr.

Ingrid Glomp in Heft 25/1997:

Nicht richtig

Es ist nicht richtig, daß in Deutschland die Zahl der ver- öffentlichten Spontanremis- sionen 0,04 Prozent aller Krebserkrankungen aus- macht. Richtig ist, daß in der Literatur in einem Zeitraum von sieben Jahren drei Be- richte über Spontanremissio- nen aus Deutschland gefun- den wurden. Der Artikel weist im nächsten Abschnitt ausdrücklich darauf hin, daß bisher keine zuverlässigen Zahlen, also auch keine Ra- ten über Spontanheilungen

vorliegen. Wie wir in unserem Vortrag ausgeführt haben und wie auch von der Autorin Ihres Artikels betont wird, kann nur „eine sorgfältige und genaue Dokumentation aller Einzelfälle und ein Zu- sammenbringen der Informa- tion aus verschiedenen Klini- ken, am besten in einer inter- national koordinierten Da- tensammlung“ derzeitige Un- klarheiten bei der Beurtei- lung der Bedeutung der Spontanheilung beheben.

Die angegebenen Prozent- zahlen lassen den Schluß zu, daß solche Zahlen existieren, dies ist aber gerade nicht der Fall.

Privatdozentin Dr. Maria Blettner, Deutsches Krebs- forschungszentrum, Im Neu- enheimer Feld 280, 69120 Heidelberg

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A-2162 (6) Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 34–35, 25. August 1997 erstellt wurde. Dieses Institut

ist ein Beratungsunterneh- men, das Krankenhäusern seine Dienstleistung verkau- fen will. Die zitierte Studie ist erkennbar „krankenhaus- freundlich“; wenn sie näher an der Realität angesiedelt wäre, sähen ihre Ergebnisse sicher anders aus. So läßt die Studie bei der Berechnung des künftigen Bettenbedarfs alle Aspekte unberücksich- tigt, die dieses Ergebnis ne- gativ beeinflussen könnten.

Sie geht davon aus, daß die Verweildauer der Patienten sich in den nächsten zehn Jahren nicht mehr verkürzen wird – eine angesichts auslän- discher Erfahrungen und der tatsächlichen Entwicklung geradezu abstruse Annahme.

Außerdem wird unterstellt, daß sich weder der medizini- sche Fortschritt noch eine Verbesserung ambulanter Behandlungsmöglichkeiten bedarfsmindernd auswirken werden.

Aufgrund dieser Fehlein- schätzungen können die Stu- dienergebnisse nur in die Ru- brik „Wunschdenken“ einge- ordnet werden. Solche Er- gebnisse heranzuziehen, um dem Gesundheitsministerium einen „undifferenzierten und überhöhten Bettenabbau“

vorzuwerfen, ist schon eini- germaßen verwegen.

Dr. med. Julius Siebertz, Mi- nisterium für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfa- len, Fürstenwall 25, 40219 Düsseldorf

Allgemeinmedizin

Zu unserer Berichterstattung vom 100. Deutschen Ärztetag zur Weiter- bildung in Allgemeinmedizin „,Haus- arzt-Debatte‘ fürs erste beendet“ von Heike Korzilius in Heft 24/1997:

Eigennutz zum Imperativ erhoben

Wieder einmal haben es einige von Ihnen geschafft, sich Pfründe zu sichern und den Keil innerhalb der Ärzte- schaft tiefer zu treiben. Die Weiterbildung mit nahezu un-

möglichen Vorgaben zu er- schweren treibt uns jüngere Ärzte erneut in unbezahlte Gastarztstellen oder unterbe- zahlte Knebelverträge oder, noch schlimmer, in die Ar- beitslosigkeit.

Glauben Sie wirklich allen Ernstes, daß die Kassen ärzt- liche Weiterbildungen sub- ventionieren? Haben Sie ein- mal versucht, eine halbjährig befristete Pädiatriestelle zu bekommen? Dieses Kaleido- skop aus Scheinheiligkeit und Lobbyismus ist eine Hi(yp)pokratesse ersten Ranges.

Solange der Eigennutz auf den Deutschen Ärztetagen zum kategorischen Imperativ erhoben wird, bleibt die Ärz- teschaft ein unmündiger Spielball der Politik und der Kassen.

Noch eine Bemerkung zum Thema Qualität der Ausbildung/Weiterbildung:

A priori möchte ich nun für den 101. Ärztetag vorschla- gen, allen Kollegen über 60 Jahre die Kassenzulassung zu entziehen – es sei denn, sie le- gen ein medizinisches Staats- examen neueren Datums ab.

Steffen Grüner, Lange Straße 53, 49080 Osnabrück

Weiterbildungzeit von bis zu zehn Jahren verdient

Die fünfjährige Weiterbil- dung zum Allgemeinarzt ist nun also in Sicht. Sie sei zur qualitativ hochwertigen Ver- sorgung der Bevölkerung un- verzichtbar (Dr. med. G.

Nick, LÄK Rheinland-Pfalz), außerdem stellte man die Fra- ge, ob Allgemeinärzte Ärzte zweiter Klasse werden soll- ten, wo doch für alle kleinen Fächer eine fünfjährige Wei- terbildung Pflicht sei (PD Dr.

sc. med. V. Braun, ÄK Ber- lin). Solche „Argumente“

wurden in dieser Debatte an- geführt, um uns zu suggerie- ren, es stände schlecht um die Qualität und das Ansehen der Hausärzte in Deutsch- land. Ich kenne dazu keine Studien oder öffentlichen Umfragen, aber ich kenne

nicht wenige hervorragende – auch junge – praktische Ärzte und Allgemeinmediziner und deren zufriedene Patienten.

Allgemeinmedizin als großes Fach hätte sicher eine Weiter- bildungszeit von sieben bis zehn Jahren verdient. Warum nicht – hängen wir doch die anderen Fachrichtungen end- lich ab! Nicht kleinlich sein, es trifft nicht uns, sondern die überzähligen Studienabgän- ger des Faches.

Ich selbst mußte auch durch das Nadelöhr Innere und Chirurgie bei zirka 1 800 DM monatlich mit Familie.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß sich Perioden der Arbeitslosigkeit bestens mit den Trockenkursen von aktuell 240 Stunden (zirka 2 700 DM) und bald „nur noch“ 80 Stunden bei fünf- jähriger Weiterbildung über- brücken lassen.

Bevor man sich zu diesem Fach entschließt, sollte man noch einen Blick auf die In- halte werfen; zum Beispiel:

. . . Zur Allgemeinmedizin gehören . . . eingehende Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten . . . in der Koor- dinierung der ärztlichen Be- handlung . . . auch durch Zu- sammenführen, Bewerten und Aufbewahren der Befun- de, . . . der Versorgung Un- fallverletzter und Erstversor- gung chirurgischer Notfälle, . . . der Methodik und Durch- führung des speziellen Labors des Gebietes . . . Vage An- deutungen, sonst nichts.

Punkt eins ist nicht verkehrt, aber die Druckerschwärze nicht wert, Punkt zwei – akute Notfälle versorgen ja, aber warum explizit Unfallverletz- te? Punkt drei – was gehört zum speziellen Labor des Ge- bietes, wo kann man einge- hend Erfahrungen in der Durchführung (wie gefor- dert) des ominösen Labors sammeln?

Das Rätselraten ließe sich fortsetzen.

Leider habe ich bei der Vielzahl der Interessenver- bände vergessen, wie sich der Deutsche Ärztetag zusam- mensetzt (welche Fachgrup- pen) und wie sich die Ent-

scheidungsträger legitimie- ren. Helfen Sie mir auf die Sprünge. Danke.

Wolfgang Pietrek (AiW), Am Wasserbogen 90, 82166 Locham

Trübe Aussichten für ärztlichen Nachwuchs

Einige der Kollegen, die lautstark die Forderung nach fünfjähriger Weiterbildung unterstützten, haben ihren Facharzt zum Glück ohne Weiterbildung und ohne Fachgespräch erhalten! Hof- fentlich sind diese Befürwor- ter dann auch bereit, den Nachwuchs in ihrer Praxis gegen leistungsgerechte Be- zahlung auszubilden. Seltsa- merweise scheinen ja beson- ders Chefärzte mit Weiterbil- dungsberechtigung Qualitäts- mängel bei Allgemeinärzten festzustellen, die sie ehemals selbst ausgebildet haben. Ist die Ursache vorgeworfener Mängel dann nicht viel mehr bei den Weiterbildern zu su- chen?

Qualität ist eben durch Quantität nicht zu ersetzen.

Mit Verlaub, Herr Prof. Dr.

Hoppe, aber vielleicht wur- den Sie am grünen Tisch noch nicht ausführlich genug darüber unterrichtet, Weiter- bildungsstellen sind sehr rar.

Wo, bitte schön, kann der junge Arzt Pädiatrie absol- vieren? „Die jungen Kolle- ginnen und Kollegen sind gegen die schamlose Aus- nutzung ihrer Arbeitskraft durch Krankenhausträger, leitende Ärzte oder auch Praxisinhaber relativ hilflos“

(Prof. Dr. Kolkmann im Ärz- teblatt Baden-Württemberg 5/1997).

Vielleicht stände es der Ärztekammer besser an, die- se Dinge endlich zu regeln, anstatt ständig neue Hürden aufzubauen. Nach Abschluß der fünfjährigen Weiterbil- dung dann Niederlassungs- sperre, Honorarverteilungs- kämpfe, arztgruppenbezoge- ne Praxisbudgets und qualifi- kationsabhängige Zusatzbud- gets. Trübe Aussichten für unseren ärztlichen Nach-

S P E K T R U M LESERBRIEFE

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A-2164 (8) Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 34–35, 25. August 1997

S P E K T R U M LESERBRIEFE

wuchs. Ja, lieber Herr Prof.

Dr. Hoppe, die Kollegen ha- ben wirklich „ihre Hausauf- gaben gemacht“.

Dr. med. Matthias Frank, Panoramastraße 9, 75217 Birkenfeld

Adipositas

Zu dem Akut-Beitrag „Adipositas und Peptidhormon Leptin: Die Forschung läuft auf Hochtouren“ von Dr. Renate Leinmüller in Heft 28–29/1997:

Pseudo-Euphorien

Wenn amerikanische For- scher jeden noch so flauen wissenschaftlichen Ansatz spekulativ als Quasi-Durch- bruch hochjazzen, so ist das deshalb verständlich, weil sie innerhalb eines Systems ar- beiten (Risikokapitalgeber, enge Kooperation von Indu- strie und Forschung), wo dringendst Ergebnisse erwar- tet werden. Außerdem bewe- gen diese permanent aus Amerika kommenden Pseu- do-Euphorien kräftig die Ak- tienkurse nach oben. So what.

Wir in Deutschland soll- ten da einen kritisch-distan- zierteren Standpunkt einneh- men. So wenig wie ein Instru- ment das Orchester aus- macht und erst Dirigent und gesamter Klangkörper die Symphonie mit Leben füllen,

so orchestriert eine Vielzahl von Genen, wobei das ob- Gen auf dem Chromosom Nummer sechs im zentralen Mittelpunkt steht, den ge- samten Metabolismus. Das Leptin spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Das Symptom Hunger mit einem Hormonantagonisten blok- kieren zu wollen ist ja wohl der krasseste „Fehlschuß“, respektive Falschansatz seit langem! . . .

Dr. med. Dieter Markert, Praxis Schmerzklinik am Holzhausenpark, Cronstet- tenstraße 74, 60322 Frank- furt/Main

Urologie

Zum Medizinreport „Benigne Prosta- tahyperplasie: Fallstricke der Arznei- mitteltherapie“ von Dr. Renate Lein- müller in Heft 19/1997:

Einschränkung

Richtig ist, daß die Fina- steridtherapie den PSA-Wert senkt; der PSA-Wert ist aber damit verfälscht und nur noch eingeschränkt als Prostata- Karzinom-Indikator verwert- bar. Bei hohem PSA-Aus- gangswert muß auf jeden Fall die volle Karzinom-Diagno- stik anlaufen.

Dr. med. W. Herbolzheimer, Bandgasse 54, 63739 Aschaf- fenburg

Passivrauchen

Zu dem Beitrag „Passivrauchen: Halb so schlimm?“ von Dr. Sabine Glöser in Heft 28–29/1997:

Unseriöse Aussagen

. . . Spätestens seit der Veröffentlichung der Daten der Cancer Prevention Study- II mit 1,1 Millionen Teilneh- mern, von denen mehr als 135 000 mit einem rauchen- den Partner zusammenleben- de Nichtraucher waren (Cir- culation 1997; 95: 2374–2379), kann nicht mehr bestritten werden, daß Passivrauchen das Risiko für das Bronchial- karzinom und noch mehr für

kardiovaskuläre Erkrankun- gen erhöht. In den USA ver- ursacht Passivrauchen nach Angaben der American Heart Association zirka 40 000 Todesfälle durch kar- diovaskuläre Erkrankungen und zirka 4 000 Todesfälle durch Bronchialkarzinome pro Jahr.

Mit systematischen Des- informationskampagnen ver- sucht die Tabaklobby diese Ergebnisse in Zweifel zu zie- hen. Mit welchen Tricks sie dabei vorgeht, zeigt ein kürz- lich durchgesickertes „inter- nes Memo“ von Philip Morris aus dem Jahre 1988 (British Medical Journal 1997; 314:

1569), das in vollem Umfang

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GKV

Zu dem Kommentar „Kunsttherapie als Kassenschlager“ von Dr. med. Lo- thar Krimmel, Kassenärztliche Bun- desvereinigung, in Heft 28–29/

1997:

Therapiefreiheit sicherstellen

Die wahren Kostentreiber im Gesundheitswesen sind endlich entlarvt, und Herr Dr. Krimmel hat es herausge-

funden: Homöopathen, An- throposophen und Naturheil- kundler machen die Medizin teuer, sie behandeln eigent- lich gesunde Besserverdiener mit „guten Risiken“, die scharf sind auf Wünschelru- ten und Voodoozauber. Und die IKK Hamburg will dabei mitverdienen!

Der Alltag unserer Praxis mit naturheilkundlichem und anthroposophischem Schwer- punkt sieht anders aus: Trotz hohen Anteils chronisch Kranker aller Einkommens-

stufen, unter anderem mit Tumorleiden, rheumatischen Erkrankungen und schweren psychischen Störungen, lie- gen unser Medikamentenver- brauch sehr deutlich und un- ser Honorar (leider!) knapp unter dem Durchschnitt. Die- se Zahlen werden bestätigt durch die Studie von Prof.

Zück, der die Fallkosten konventioneller mit denen homöopathisch/anthroposo- phischer Praxen verglich.

Was bei uns nicht üblich ist: Diagnostische Automatis- men, Leistungsketten, Labor- wertkontrollen im Quartals- rhythmus etc. Wodurch ent- stehen denn die „begrenzten Ressourcen“ zum Beispiel bei einem Patienten mit Herzangst? Durch das x-te EKG, das Streßecho, den Linksherzkatheter – oder durch die Kunsttherapie, über die er vielleicht den Weg

zu seinem eigentlichen Pro- blem findet?

Wenn Krankenkassen be- reit sind, Patienten und Ärzte auf dem schwierigen Weg außerhalb medizinischer Trampelpfade zu unterstüt- zen und sich das auch noch rechnet – was spricht dage- gen? Überhaupt: ist es Herrn Krimmel absolut unvorstell- bar, daß auch andere Beweg- gründe als monetäres Interes- se Anstoß für Neuerungen sein können? Die KBV sollte Pluralismus und Therapie- freiheit der Kassenärzte si- cherstellen, statt sich in den Chor derjenigen einzureihen, die das in letzter Zeit immer lauter werdende Lied gegen die Komplementärmedizin singen!

Dr. K. Wetenkamp, Dr. Rein- hardt Kindt, Ruth Kindt- Hoffmann, Kollenrodtstraße 20, 30163 Hannover

A-2165 Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 34–35, 25. August 1997 (9)

S P E K T R U M LESERBRIEFE

im Internet unter der Adres- se: „http://www.gate.net/~

jcannon/documents/880217b 1.txt“ nachgelesen werden kann. Gezieltes „Sponsoring“

der Tabaklobby wohlgeson- nener Forscher und gebets- mühlenartiges Wiederholen von „Zweifeln“ werden eben-

so empfohlen wie die indirek- te Finanzierung von tabak- freundlichen „Stiftungen“.

Wodurch wird Professor Überla zu seinen unseriösen Aussagen motiviert? . . .

Dr. med. Johannes Scholl, Pöppelstraße 8, 81541 Mün- chen

Referenzen

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