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Archiv "Kuba: Analyse fehlt" (15.10.2004)

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Kuba

Stellvertretend für eine Reihe weite- rer gleichartiger Briefe zu dem Bei- trag „Menschenrechte in Kuba:

Schattenseiten der Sonneninsel“ von Heike Korzilius in Heft 38/2004:

Verzerrter Blickwinkel

Jose Carro berichtet über die miserablen Zustände im Ge- sundheitssystem von Kuba, die er teilweise mit sehr vagen Behauptungen belegt. Hier sollen nun einige Fakten auf- geführt werden (Quelle: Welt- bevölkerungsbericht 2004):

Kuba hat eine Säuglingssterb- lichkeit von 7 pro 1 000 Ge- burten, die der USA liegt bei 6,7, die von Deutschland bei 4,1. Bezüglich der durch- schnittlichen Lebens- erwartung der Gesamtbevöl- kerung liegt Kuba ebenfalls

auf dem Niveau dieser beiden Länder. Zur besseren Einord- nung dieser Zahlen ein Ver- gleich mit einem „demokrati- schen“, ebenfalls gern besuch- ten Reiseziel in der Karibik:

In der Dominikanischen Re- publik beträgt die Säuglings- sterblichkeit 17/1 000, die durchschnittliche Lebenser- wartung liegt etwa zehn Jahre unter der in o. g. Ländern.

Man kann die Vergleiche mit anderen mittelamerikani- schen Staaten beliebig fort- führen – Kuba nimmt im Hin- blick auf die medizinische Versorgung seiner Bevölke- rung eine Vorreiterstellung al- ler Entwicklungsländer dieser Erde ein, und das trotz des seit 1959 bestehenden massi- ven Handelsembargos, das natürlich eine desolate Wirt- schaftslage verursacht. Mit diesen Ausführungen sollen

keinesfalls die Menschen- rechtsprobleme des totalitä- ren Regimes um Fidel Castro beschönigt werden, aber es scheint durchaus wahrschein- lich, dass sich nach einem Machtwechsel in Kuba auch die Zustände des Gesund- heitssystems an die anderer karibischer Länder angleichen werden.

Steffen Bonitz,

Zöllnerstraße 19, 99423 Weimar

Analyse fehlt

. . . Leider begeht Herr Carro bei der Beurteilung und Ver- urteilung des Zustandes des kubanischen Gesundheitssy- stems wie auch der Menschen- rechtssituation den gleichen Fehler wie die internationalen Medien: Er vergleicht Kuba mit europäischen Ländern oder den USA, anstatt es als

Entwicklungsland beispiels- weise mit den Nachbarstaaten El Salvador, Nicaragua oder Honduras zu vergleichen. Se- riösere Indikatoren der Qua- lität eines Gesundheitssy- stems als die Verfügbarkeit jedweglicher Medikamente wären beispielsweise die Kin- dersterblichkeit oder die durchschnittlich erzielte Le- benserwartung.

Keinerlei Analyse wird be- trieben, warum sich die Situa- tion in Kuba tatsächlich kata- strophal verschlechtert: Man stelle sich vor, Deutschland würde die nächsten 30 Jahre von seinem wichtigsten Handelspartner ökonomisch boykottiert, und der verblie- bene, wirtschaftlich potente Bruderstaat löst sich im Lauf der Zeit plötzlich auch noch auf.

Das derzeit weltweit größte Betätigungsfeld für die Inter- Leserzuschriften werden von der Redaktion sehr beachtet. Sie

geben in erster Linie die Meinung des Briefschreibers wieder und nicht die der Redaktion. Die Veröffentlichungsmöglichkeiten sind leider beschränkt; der Redaktion bleibt oft keine andere Wahl, als unter der Vielzahl der Zuschriften eine Auswahl zu treffen. Die Chance, ins Heft zu kommen, ist umso größer, je kürzer der Brief ist. Die Redaktion muss sich zudem eine – selbst- verständlich sinnwahrende – Kürzung vorbehalten.

LESERZUSCHRIFTEN

E-Mail

Briefe, die die Redaktion per E-Mail erreichen, werden aufmerksam gelesen. Sie können jedoch nur veröffentlicht werden, wenn sie ausdrücklich als „Leserbrief“ bezeichnet sind. Voraussetzung ist ferner die vollständige Anschrift des Verfassers (nicht die bloße E-Mail-Adresse). Die Re- daktion behält sich ohne weitere Mitteilung vor, E-Mail- Nachrichten, die als Leserbrief erscheinen sollen, zu

kürzen.

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nationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) oder ähnliche Organisationen ge- gen „Hunger, Vernachlässi- gung und verweigerter medizi- nischer Hilfe“ liegt nichtsde- stotrotz tatsächlich auf Kuba:

Guantánamo.

Dr. med. Markus Rupprecht, Palmerstraße 9, 71088 Holzgerlingen

Über den Tellerrand hinausblicken

Liest man die Ausführungen zum Gesundheitssystem in Kuba, so ist man doch sehr er- staunt: Das international hoch eingeschätzte kubanische Ge- sundheitswesen ist auf einmal ein „Mangelbetrieb“ und ein

„Apartheid-System“. Viel- leicht fehlt mir als häufigem Gast in Kuba (mit Besuchen in Krankenhäusern und Famili- enarztpraxen) der richtige, vollständige Durchblick, es stellt sich aber auch die Frage, inwieweit die exilpolitisch ge- prägten Ausführungen des seit dem zwölften Lebensjahr in Miami lebenden Herrn Jose Carro authentische und kom- petente Einschätzungen der Lage im kubanischen Gesund- heitswesen sein können.

Eine perfekte Welt gibt es nicht, und das gilt selbstver- ständlich auch, wenn es sich um Verhältnisse in einem Land handelt, das nicht zur wohlhabenden „Ersten Welt“

zählt. Trotzdem, Fakt ist und bleibt trotz aller Polemik:

• Ein Arzt kommt in Kuba auf 167 Einwohner (bei uns 1/286, in den USA 1/358).

• Die Gesundheitsversorgung ist für alle Kubaner erreichbar und kostenlos; das gilt im Ge- gensatz zu den Behauptungen von Herrn Carro auch für in- haftierte Personen.

• Die Kindersterblichkeit be- trägt 6,2/1 000 Lebendgebore- nen (niedriger als in den hoch entwickelten Staaten USA und Kanada).

• Die durchschnittliche Lebens- erwartung liegt bei 76 Jahren.

• Die Aids-Rate ist mit 0,05 Prozent die niedrigste in Lateinamerika.

• Erkrankungen wie Malaria und Poliomyelitis (im tro-

pisch/halbtropischen Bereich sonst häufig anzutreffen) sind ausgerottet.

• Die Kinder sind landesweit gegen die üblichen Kinder- krankheiten geimpft.

• 13 Prozent des kubanischen Staatshaushalts fließen in den Gesundheitssektor – welches Drama wird bei uns bei weit- aus niedrigeren Zahlen ent- facht.

• Und nicht zuletzt: Kuba gibt vielen Studentinnen und Stu- denten aus Lateinamerika und der „Dritten Welt“ eine ko- stenlose Ärzteausbildung.

Die Versorgung mit Medika- menten und hochwertigen me- dizinischen Geräten ist aller- dings – da ist Herrn Carro Recht zu geben – nicht immer auf dem Stand, der zu wün- schen ist. Aber da fehlt es in Kuba, wie in sehr vielen Län- dern der Welt, eben an Geld für teure Importe; ganz zu schweigen von dem – aus Mia- mi massiv unterstützten – Boykott der USA gegen Kuba.

Gerade auch aus diesem Grund werden von vielen In- itiativen, Organisationen und Privatpersonen in der ganzen Welt (auch bei uns in Deutsch- land) Medikamente und medi- zinische Hilfsgüter für Kuba gesammelt und gespendet – und das ist oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Mehr Respekt für die Be- mühungen in der „Dritten Welt“, eine angemessene Ver- sorgung der Menschen zu er- reichen – und sei es auch durch Erwerb von Devisen aus der Behandlung europäi- scher Patienten unter An- wendung dort in Einzelberei- chen schon erreichter Spit- zenmedizin und ganzheitli- cher Ansätze in Behandlung und Pflege – und mehr Un- terstützung durch Hilfe und Spenden, durch die, die es sich bei uns leisten können.

Das ist das, was ich uns Ärz- tinnen und Ärzten in Deutschland wünsche. Daher möchte ich auch das DÄ er- mutigen, weiterhin über un- seren deutschen und europäi- schen Tellerrand hinauszu- blicken.

Dr. med. Ingrid Hunold,

Schumannstraße 19, 51375 Leverkusen

Tierversuche

Zu dem Beitrag „Die Relevanz für den Menschen ist umstritten“ von Amina Elsner in Heft 38/2004:

Utopische Forderung

Die Darstellung der Rele- vanz von Tierversuchen war überraschend objektiv – klei- nerer Polemiken ungeachtet.

Spezifisch meine ich damit die Grafik, in der eine aktuel- le Statistik der für Tierversu- che verwendeten Mäuse, Rat- ten, Amphibien, Schweine, etc. als „Haustiere“ wieder- gegeben ist. Nicht nur des- halb, sondern auch weil der Begriff Haustier emotional

belastet ist, sollte er sich auf Hund, Katze u. a. beschrän- ken. Diese Forderung ist be- rechtigt, weil Tierversuchs- gegner unterstellen, dass die- se dem Menschen nahe ste- henden „Angehörigen“

(Hunde, Katzen etc.) von der Forschung sinnlos gequält würden. Unbeschadet der Kritik, dass Tierversuche im- mer noch Mängel haben – welches Menschenwerk hat das nicht – muss konstatiert werden, dass die Qualität von Tierversuchen dank der strengeren gesetzlichen Re- geln, aber auch des wissen- schaftlichen Fortschritts enorm verbessert worden ist.

Gleichwohl muss widerspro- chen werden, einen Tierver- such für die Medizin nur dann akzeptieren zu können, wenn sich dessen Fragestellung/Er-

gebnis uneingeschränkt auf die Klinik übertragen lässt.

Tierversuche sind nach wie vor eine wichtige Methode, neue Verfahren auszuprobie- ren sowie wissenschaftliche Hypothesen, auch der biome- dizinischen Grundlagenfor- schung, zu prüfen. Ebenso klar ist, dass nicht jeder Versuch die zugrunde liegende Hypo- these bestätigen kann oder Er- gebnisse liefert, die von der Klinik sofort umgesetzt wer- den können. Aus diesem Grund ist es wichtig, alle Tier- versuchsergebnisse zu veröf- fentlichen, auch jene, die Hy- pothesen falsifizieren – auch um prüfen zu können, ob die eingesetzten Methoden/Proto- kolle zeitgemäßen Ansprü- chen genügen. Diese Forde- rung ist u. a. wegen des Beta- Fehlers berechtigt, i. e. dass ein Phänomen (Mechanismus, Medikamentenwirkung) über- sehen wird, weil das Versuchs- design einschließlich Analytik nicht empfindlich genug gewesen ist oder – gravieren- der – weil das Experiment nicht adäquat durchgeführt worden ist.

Dieser Problematik ungeach- tet sollte jedoch nicht gefor- dert werden, höhere als schon vorhandene Barrieren für Tierversuche zu errichten – Deutschland hat das strengste Tierschutzgesetz. Zudem er- scheint die Forderung der Au- torin utopisch, dass bereits bei der Planung beziehungsweise Durchführung von Tierversu- chen Meta-Analysen berück- sichtigt werden müssen – wie soll dabei wissenschaftliches Neuland betreten werden können?

Ein viel wichtigeres Argument wurde hingegen übergangen, dass für viele Fragestellungen, z. B. zum Schlaganfall – oder zur Krebsforschung, junge, ge- sunde Versuchstiere eingesetzt werden, um Erkrankungen al- ter, prämorbider Patienten zu untersuchen. Andererseits übergeht der Artikel erfreuli- cherweise nicht die Erkennt- nis, dass trotz o. g. Schwierig- keiten die überwiegende Mehrheit der aus Tierversu- chen hervorgegangenen Er- gebnisse von medizinischer A

A2806 Deutsches ÄrzteblattJg. 101Heft 4215. Oktober 2004

Foto: Caro

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Bedeutung sind – ein Resü- mee, das gar nicht genug be- tont werden kann – auch als Rechtfertigung, dass medizini- sche Grundlagen- wie ange- wandte Forschung auch in Zu- kunft auf Tierversuche ange- wiesen sein wird.

Prof. Dr. A. Baethmann, Klinikum der Universität München, Institut für Chirurgische Forschung, Großhadern,Marchioninistraße 15, 81377 München

Weiter so!

Die Tiere bedanken sich für den kritischen Artikel, der schon lange fällig war. Die Au- torin hat das schwierige The- ma in ausgezeichneter Weise dargestellt – schade, zu kurz – vieles konnte nicht ausgespro- chen werden.

Aids-Politik in den USA

Zu dem Beitrag „Der Zorn Gottes“

von Harald Neuber in Heft 38/2004:

Historische Fehlsicht

In dem Beitrag wird der Ein- druck vermittelt, die Reagan- Administration habe aus poli- tischem Kalkül und absichts- voller, religiös motivierter Zielsetzung Ausgrenzung be- trieben und damit gegen die eigene Verfassung verstoßen.

Unkritisch wird dabei auf ste- reotype Meinungsäußerungen hinlänglich bekannter Selbst- hilfe-Aktivisten zurückgegrif- fen, für die es offenbar nur ei- ne einzige Krankheitsbedro- hung zu geben scheint, der sich die Politik gefälligst aus-

gerechnet derjenige Präsident, der durch ungeschützten Ge- schlechtsverkehr der verblüff- ten Weltöffentlichkeit demon- striert hat, wie Infektions- prävention praktisch zu hand- haben ist, dafür verantwortlich sein soll, dass die Sterberate rückläufig wurde, ist mehr als eine historische Fehlsicht. Tat- sache ist, dass die wissen- schaftliche Erforschung des HI-Virus eben bereits unter Reagan begann und die Mor- talitätswende letztlich erst er- möglicht hat. Leider kann sich Ronald Reagan heute dazu nicht mehr äußern. Hören wir also, was er seinerzeit selbst sagte: „ . . . We are moving in every way we can and as fast as we can to find answers to the terrible scourge that brought such sorrow to you and so many others . . .“ (aus

Reagan tagelang vergeblich versucht hatte, sie telefonisch zu erreichen, um mit ihr per- sönlich zu sprechen).

Dr. Holger Voigt,

Flughafenstraße 52 A, 22335 Hamburg

Verständliche Politik

Der Autor vertritt mit seiner Abhandlung über die Immun- schwächekrankheit Aids nicht nur linkes Gedankengut, sondern auch eine dem Zeit- geist angemessene US-regie- rungskritische, vorwurfsvolle Haltung. So geht der trotz sei- ner angeblich mit Negativre- korden bei der Aids-Politik belastete „ehemalige Schau- spieler“ Ronald Reagan be- reits heute als herausragender US-Präsident in die Geschich- te ein. Aids ist im Gegensatz

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verantwortungsbewusstes Ver- halten vermeiden lässt. Des- halb sollte der Solidargemein- schaft für die in diesem Zusam- menhang erbrachten finanziel- len Leistungen Respekt und Dank gezollt und sie nicht mit noch weitergehenden Forde- rungen konfrontiert werden.

Wären seuchenhygienische Maßnahmen ergriffen worden, wäre die Epidemie einge- dämmt und die Zahl der To- desfälle reduziert worden.

Wenn die USA heute HIV- positiv getesteten Ausländern keine Aufenthaltsgenehmi- gung erteilen, dann ist dies im Hinblick auf die entstehenden Belastungen verständlich.

Helmut Tritsch,

Hochstraße 33, 53474 Bad Neuenahr

Anlass zur Freude

Die von Harald Neuber in sei- nem Bericht über die Aids- Politik in den USA hergestell- ten Zusammenhänge setzen in Erstaunen. Wenn George W.

Busch 100 Millionen Dollar ausgegeben hat, um Program- me zur sexuellen Abstinenz von Jugendlichen zu erstellen, so kann das doch wohl kaum zu einer der Ursachen beim Versagen im Kampf gegen die Aids-Epidemie umgemünzt werden. Und auch dem toten Ronald Reagan glaubt der Au- tor einen absurden Schwarzen Peter dieser Art zuschieben zu können: angeblich sei er bei seinem Amtsantritt 1981, die mit dem Aufflammen der töd- lichen Krankheit bei jungen homosexuell lebenden Män- ner zusammengefallen sei, so zurückhaltend gewesen, weil ihn die Furcht beherrscht ha- be, durch diese Nachricht könnte ein Anreiz zur Aus- breitung der Homosexualität in den USA entstehen. Das ist gewiss absurd! Schon damals argumentierte der Spiegel lo- gischer, indem er das weltwei- te Herunterspielen der Epide- mie als Furcht deutete, dass Homosexualität dadurch in Misskredit geraten könnte.

Aber wie dem auch sei. Selbst im Deutschen Ärzteblatt müss- te es doch Freude über Akti- vitäten geben, die daran mit-

wirken, dass sich wieder mehr junge Mädchen durch Abkehr vom Jugendsex in hinreichen- der Zahl gebärfähig erhalten – oder?

Christa Meves,

Albertstraße 14, 29525 Uelzen

Sexuelle Abstinenz schadet niemandem

. . . Die Informationskampa- gnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und anderer Institutionen sind mit Recht darauf ausgerichtet, sexuell aktive Menschen vor der Aids-Gefahr zu warnen und ihnen Schutzstrategien nahe zu legen. Bei all dem schwingt aber unterschwellig die Botschaft mit, dass freie Liebe, Sex unter Jugendlichen ohne feste Bindung, Ehebruch und Homosexualität selbstver- ständliche und normale Ver- haltensweisen sind. Sie sind aber nicht so selbstverständ- lich. Diese sexuelle Freiheit ist in Deutschland eine Errungen- schaft der letzten Jahrzehnte.

Für dieses Vergnügen bezah- len wir einen hohen Preis:

massenhaft zerbrochene Be- ziehungen mit entsprechenden seelischen Verletzungen und nachfolgenden Beziehungs- schwierigkeiten; Schwanger- schaften von Jugendlichen;

Abtreibungen; 1-Eltern-Fami- lien mit den entsprechenden negativen Folgen für die Kin- der; Vormarsch der Pornogra- phie und damit auch der Kin- derpornographie und eben die Ausbreitung von Aids. (Wäre es nicht Aufgabe von uns Ärzten, Jugendliche auf diese Zusammenhänge hin- zuweisen?)

Man kann bei vernünftiger Betrachtung nicht daran zwei- feln, dass die Beschränkung der Sexualität auf die Ehe der sicherste Schutz gegen Aids wäre und die oben genannten negativen Erscheinungen ein- dämmen helfen würde. Eben- so sicher ist, dass sexuelle Ab- stinenz noch niemandem ge- schadet hat. Ich habe früher geglaubt, es müsse alles er- laubt sein, was gefällt, und auch so gelebt. Aber im Lauf meines Lebens bin ich zu der A

A2808 Deutsches ÄrzteblattJg. 101Heft 4215. Oktober 2004

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Überzeugung gekommen, dass die Zehn Gebote Gottes keine dumme Einrichtung sind, son- dern dass ihre Beachtung viel Leid vermeiden hilft; ich wünschte, sie und ihr Verfasser hätten in Deutschland in der öffentlichen Meinung mehr Gewicht.

Dr. med. Winfried Gieselmann, Finkenwiesenstraße 1, 75417 Mühlacker

DRG-Daten

Zu dem Beitrag „,Wasserdichte‘ Ak- ten“ von Jens Flintrop in Heft 38/2004:

Auswirkungen

Ich bin als Assistenzarzt in ei- ner deutschen Universitätskli- nik beschäftigt. Zu Ihrem Beitrag möchte ich Ihnen fol-

Stationsarbeitstag (Überstun- den werden nicht angeordnet, die Patienten wollen aber ver- sorgt sein), kurz bevor ich nach Hause gehe, setze ich mich immer noch schnell an die 20 bis 25 Akten meiner Patienten und mache die täg- lichen Eintragungen. Schnell in jede eine Notiz. Nehme ich mir für jede Akte drei Minu- ten Zeit, dann komme ich deswegen rund eine Stunde später hier heraus. Den Ärz- ten der anderen Stationen geht es nicht anders. In Zu- kunft werden wir uns dafür wohl mehr Zeit nehmen müs- sen: Denn zum einen wird ei- ne Krankenschwester meine Einträge redigieren: Sie soll für die selben 20 bis 30 Akten einen ganzen Tag Zeit haben.

Sie wird Dinge finden, die sie mich fragen will. Sie wird

eine weniger glückliche Hand haben sollte als in der be- schriebenen Klinik, dann wird sie mir diese Fehler genüss- lich und vorwurfsvoll unter die Nase reiben. Vieles wird sie einfach nicht verstehen.

Sie hat das Stellen von Diagnosen nie gelernt und jenseits des eigenen Fachbe- reichs kaum medizinische Kenntnisse.

Wenn sie will, kommt sie mit jedem fachfremden Konsilbe- fund an und fragt, ob da nicht irgendeine Diagnose drin ver- steckt steht.

Wie schrieb schon Scott Adams in „Das Dilbert-Prin- zip“? „Wenn Sie schon nicht Chef sein können, dann ist die nächstbeste Möglichkeit, sich vor wirklicher Arbeit zu drücken, als ,Berater‘ für Leute tätig zu sein, die wirkli-

Fachwissen aneignen, um Be- rater zu werden, aber übertrei- ben Sie es nicht. Sie brauchen nur ein Prozent mehr zu wissen als die Leute, die sie beraten.“

Zum anderen wird der Klinik eine der ohnehin raren Arzt- stellen fehlen. Das darf ich dann mit kompensieren. Fazit:

In Kliniken, in denen Arztstel- len nicht besetzt werden kön- nen, kann es sinnvoll sein, Tei- le der ärztlichen Tätigkeit auf andere Mitarbeiter zu übertra- gen. Aber wer, statt einem Arzt die zeitlichen Freiräume einzurichten, die er braucht, um gut zu dokumentieren, lie- ber einen Arzt entlässt, um dafür eine Krankenschwester fachfremd einzustellen, der wird Unzufriedenheit in der eigenen Mitarbeiterschaft ernten.

Referenzen

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