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Archiv "Arzthelferinnen: Maßvolle Tarifpolitik" (17.11.1988)

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DEUTSCHES ÄRZTEBLATT

B

undesgesundheitsministe- rin Professor Dr. Rita Süssmuth denkt über die Drogenpolitik nach. Dem be- kannten Hamburger Nachrich- tenmagazin hat sie dieser Tage in einem Interview ihre Überle- gungen auseinandergelegt. Sie ist „nach heutigem Erkenntnis- stand" gegen eine Legalisierung der Drogen. „Bevor wir über ei- ne Legalisierung nachdenken", präzisiert sie, „müssen wir nach anderen Wegen suchen."

Frau Süssmuths Vorstellun- gen über die anderen Wege lau- fen darauf hinaus, die Liberali- sierung fortzuführen — vor al- lem, was die sogenannten wei- chen Drogen angeht. Sie gibt zu überlegen, „ob das Betäubungs- mittelgesetz nicht der häufig praktizierten Duldung angepaßt werden muß". Auf die Frage des Interviewers, ob sie somit Haschisch-Konsumenten straf- frei stellen wolle, erklärte die Ministerin, das müsse „geprüft werden" , wenn auch der ge-

Drogenpolitik

Weiche Welle

werbliche Handel „selbstver- ständlich" verboten bleiben müsse. Gegen Dealer nämlich könne gar nicht hart genug vor- gegangen werden.

Ähnlich liberal denkt die Gesundheitsministerin über die Vergabe von Methadon. Es müsse darüber nachgedacht werden, „ob Methadon nicht unter anderen Voraussetzungen als bisher verschrieben werden kann". Konkret schlägt sie vor, den Ärzten „die Methadonver- gabe dann zu erlauben, wenn keine andere lebensstützende Hilfe möglich ist, das heißt, wenn, aus welchen Gründen auch immer, eine Therapie zur Zeit nicht in Frage kommt"

Der oberste Grundsatz von Frau Süssmuth, Drogenabhän-

gigen wertfrei entgegenzukom- men und ihnen in jedem Fall zu helfen, ist ehrenwert. Die Ge- sundheitsministerin wird sich aber gewiß auch darüber im kla- ren sein, welche Gratwanderung sie einschlägt. Milde gegenüber dem Abhängigen, hart gegen- über dem Dealer, das klingt gut;

aber in der Praxis, wo Abhängi- ge und Dealer oft dieselbe Per- son sind, ist das Prinzip kaum umzusetzen. Hilfe zu einem menschenwürdigen Leben, auch um den Preis der Abhängigkeit von einer Ersatzdroge — sicher, auch darüber muß man nach- denken, in Einzelfällen viel- leicht gar entsprechend verfah- ren, aber den Ausnahmefall zur Politik zu erheben, bedeutet, gegenüber der Drogenszene zu kapitulieren. Am Ende des We- ges steht die völlige Legalisie- rung, die die Ministerin, siehe oben, schon heute nicht aus- schließen möchte, wenn die

„anderen Wege" eben zu nichts führen. NJ

N

ach langwierigen und zä- hen Verhandlungen ist die diesjährige Gehalts- tarifrunde am 4. November 1988 zu einem Abschluß gekommen Die Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingun- gen der Arzthelferinnen hat sich mit den Arbeitnehmerverbän- den (Berufsverband der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferin- nen, Deutsche Angestellten-Ge- werkschaft, Verband der weib- lichen Angestellten) darauf ver- ständigt, die Gehälter für voll- beschäftigte Arzthelferinnen ab dem 1. Juli 1988 bis zum 30. Juli 1989 um effektiv 3 Prozent anzu- heben. Folgende Regelungen, die mit dem 1. November Wirk- samkeit erlangten, wurden im einzelnen getroffen:

• Für die Zeit vom 1. Juli 1988 bis 31. Oktober 1988 gelten die alten Gehälter weiter; für diese Zeit wird ein einmaliger Betrag in Höhe von 195 DM für das 1. bis 6. Berufsjahr und von 250 DM für das 7. bis 26. Be- rufsjahr nachträglich, d. h. spä-

Arzthelferinnen

Maßvolle Tarifpolitik

testens bis zum 1. Dezember des Jahres vergütet.

• Ab dem 1. November er- folgt für die Restlaufzeit eine Anhebung der Gehälter um mo- natlich 3,25 Prozent. Die effekti- ve Erhöhung der Gehälter wäh- rend der Gesamtlaufzeit von 12 Monaten bewegt sich bei Wer- ten zwischen 2,9 Prozent und 3,1 Prozent, über alle Berufs- jahre hinweg um durchschnitt- lich 3,03 Prozent. (Die Forde- rungen der Gewerkschaften zu Beginn der ersten Verhand- lungsrunde hatten bei einer sechsprozentigen Erhöhung ge- legen.)

• Die Ausbildungsvergü- tungen werden lediglich in der

Gruppe der Auszubildenden im dritten Ausbildungsjahr erhöht, und zwar ab November von 770 DM auf 800 DM. Die Zuschläge für Überstunden und Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit blei- ben — entgegen den Forderun- gen des Berufsverbands der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzt- helferinnen — weiterhin unver- ändert.

Die Erhöhung der Gehälter um 3 Prozent beziehungsweise 3,25 Prozent liegt voll im Rah- men der Entwicklung der Tarif- gehälter im Bundesgebiet. Wo Vereinbarungen unter 3 Prozent getroffen wurden (zum Beispiel im Öffentlichen Dienst), sind meist Laufzeitverlängerungen und gleichzeitig Arbeitszeitver- kürzungen auf 39 beziehungs- weise 38,5 Stunden vereinbart worden. Alles in allem wird nach Auffassung der AAA mit dem diesjährigen Abschluß die maßvolle Tarifpolitik fortge- setzt, die die veränderte Kosten- situation der Arztpraxen be- rücksichtigt. AAA

Dt. Ärztebl. 85, Heft 46, 17. November 1988 (1) A-3205

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