Die Mörder sitzen in der Oper

Volltext

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Die Mörder sitzen in der Oper

von Walter Hasenclever

Notizen / Anmerkungen 1 Der Zug entgleist. Zwanzig Kinder

krepieren.

2 Die Fliegerbomben töten Mensch und Tier.

3 Darüber ist kein Wort zu verlieren.

4 Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.

5 Soldaten verachtet durch die Straßen ziehen.

6 Generäle prangen im Ordensstern.

7 Deserteure, die vor dem Angriff fliehen, 8 Erschießt man im Namen des obersten

Herrn.

9 Auf, Dirigent, von deinem Orchesterstuhle!

10 Du hast Menschen getötet. Wie war dir zu Mut?

11 Waren es viel? Die Mörder machen Schule.

12 Was dachtest du beim ersten spritzenden Blut?

13 Der Mensch ist billig, und das Brot wird teuer.

14 Die Offiziere schreiten auf und ab.

15 Zwei große Städte sind verkohlt im Feuer.

16 Ich werde langsam wach im Massengrab.

17 Ein gelber Leutnant brüllt an meiner Seite:

18 "Sei still, du Schwein!" Ich gehe stramm vorbei:

19 Im Schein der ungeheuren Todesweite 20 Vor Kälte grau in alter Leichen Brei.

21 Das Feld der Ehre hat mich ausgespieen;

22 Ich trete in die Königsloge ein.

23 Schreiende Schwärme schwarzer Vögel ziehen

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24 Durch goldene Tore ins Foyer hinein.

25 Sie halten blutige Därme in den Krallen, 26 Entrissen einem armen Grenadier.

27 Zweitausend sind in dieser Nacht gefallen!

28 Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.

29 Verlauste Krüppel sehen aus den Fenstern.

30 Der Mob schreit: "Sieg!" Die Betten sind verwaist.

31 Stabsärzte halten Musterung bei Gespenstern;

32 Der dicke König ist zur Front gereist.

33 "Hier, Majestät, fand statt das große Ringen!"

34 Es naht der Feldmarschall mit Eichenlaub.

35 Die Tafel klirrt. Champagnergläser klingen.

36 Ein silbernes Tablett ist Kirchenraub.

37 Noch strafen Kriegsgerichte das Verbrechen

38 Und hängen den Gerechten in der Welt.

39 Geh hin, mein Freund, du kannst dich an mir rächen!

40 Ich bin der Feind. Wer mich verrät, kriegt Geld.

41 Der Unteroffizier mir Herrscherfratze 42 Steigt aus geschundenem Fleisch ins

Morgenrot.

43 Noch immer ruft Karl Liebknecht auf dem Platze:

44 "Nieder der Krieg!" Sie hungern ihn zu Tod.

45 Wir alle hungern hinter Zuchthaussteinen, 46 Indes die Opfer tönt im Kriegsgewinn.

47 Misshandelte Gefangene stehn und weinen 48 Am Gittertor der ewigen Knechtschaft hin.

49 Die Länder sind verteilt. Die Knochen bleichen.

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50 Der Geist spinnt Hanf und leistet Zwangsarbeit.

51 Ein Denkmal steht im Meilenfeld der Leichen

52 Und macht Reklame für die Ewigkeit.

53 Man rührt die Trommel. Sie zerspringt im Klange.

54 Brot wird Ersatz und Blut wird Bier.

55 Mein Vaterland, mir ist nicht bange!

56 Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.

Das Gedicht „Die Mörder sitzen in der Oper“ von Walter Hasenclever ist auf abi-pur.de veröffentlicht.

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Autor Walter Hasenclever Titel „Die Mörder sitzen in der Oper“

Verse 56 Wörter 356

Strophen 14

Checkliste zur Analyse / Interpretation eines Gedichtes

Einleitung der Gedichtanalyse

Titel des Gedichtes, Name des Autors und Entstehungs- oder Erscheinungsjahr

Gedichtart (Sonett, Ode, Haiku, Ballade, Hymne usw.)

Thema des Gedichtes (Liebesgedicht, Naturgedicht, Krieg usw.)

zeitliche Einordnung / Literaturepoche benennen

kurze Beschreibung des Gedichtes

Absicht des Gedichtes

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Hauptteil der Gedichtanalyse

Inhalt

Thema des Gedichts

Was beschreibt das Gedicht (Erlebnis, Jahreszeit oder eine bestimmte Zeit)?

Zusammenhang zwischen Titel und Gedicht

Lyrisches Ich - Wer spricht im Gedicht? Woran erkennt man das?

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Hauptteil der Gedichtanalyse

Aufbau

Verse und Strophen

Reimschema (Kreuzreim, Paarreim, umarmender Reim, Haufenreim, verschränkter Reim, Schweifreim etc.)

Gibt es ein Versmaß? Versmaß (Metrum) bestimmen.

Kadenz: Wie sind die Endsilben im Gedicht?

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Hauptteil der Gedichtanalyse

Sprache

Auffälligkeiten der Sprache (Werden beispielsweise viele Adjektive, nur Substantive, Vokale etc. verwendet?)

Wie spricht das lyrische Ich (traurig oder fröhlich)?

Benenne die Stilmittel und Reimformen, die zum Einsatz kommen.

Satzbau: Parataktischer & hypotaktischer Satzbau

Welche Zeitform wird genutzt (Präsens, Präteritum, Futur)?

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Hauptteil der Gedichtanalyse

Gedichtinterpretation

Was bewirken die Ergebnisse der vorangegangenen Analyse?

Welche Stimmung ruft die Sprache in uns hervor?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Inhalt und Funktion?

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Schlussteil

Gedichtinterpretation

Intention des Gedichtes: Was will das Gedicht?

Wurde unsere Vermutung (Deutungshypothese Einleitung) darüber bestätigt?

Gibt es Fragen, die im Gedicht unbeantwortet bleiben?

Wertung: Ist das Gedicht typisch für die Epoche? Ist es charakteristisch für den Autor?

Ist das Gedicht (Form, Sprache, Inhalt, Aussage) aus heutiger Sicht noch bedeutungsvoll?

Persönliche Stellungnahme (sofern ausdrücklich verlangt)

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