• Keine Ergebnisse gefunden

Offener Brief Offener Brief von Mitgliedern der

N/A
N/A
Protected

Academic year: 2022

Aktie "Offener Brief Offener Brief von Mitgliedern der"

Copied!
1
0
0

Wird geladen.... (Jetzt Volltext ansehen)

Volltext

(1)

Offener Brief

Offener Brief von Mitgliedern der Sächsischen Impfkommission an die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucher- schutz, Frau Christine Clauß

Sehr geehrte Frau Staatsministerin, die Mitglieder der Sächsischen Impf- kommission (SIKO) informieren Sie hiermit über gravierende Mängel und zu erwartende negative Folgen durch die „Änderung der Verord- nungsweise von Impfstoffen“ ab 1.10.2011, beschlossen von den Lan-

desverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen in Sachsen und der Kassenärztlichen Vereini- gung Sachsens (KVS).

Wir ersuchen Sie hiermit dringend um Unterstützung bei der notwendi- gen Änderung oder Zurücknahme, wie es bereits in zahlreichen Initiati- ven von ärztlichen Berufsverbänden und engagierten Ärzten schriftlich gegenüber der KVS zum Ausdruck gebracht worden ist. Die SIKO ist gern bereit, sich hierbei einzubrin- gen.

Wir begründen dies wie folgt:

1. Die neue Verordnungsweise von Impfstoffen (die bisherige von 2008 hat sich sehr bewährt) wurde in kei- ner Weise begründet, erhöht aber die Bürokratie bei niedergelassenen Ärzten beträchtlich. Unter den Impf- ärzten sind besonders die Pädiater und Allgemeinmediziner betroffen.

Es ist gesundheitspolitisch unver- antwortlich, einerseits mit einem Netzwerk „Ärzte für Sachsen“ für ärztliche Tätigkeit in unterversorgten ländlichen Regionen Sachsens zu werben oder in Medien über Ärz- temangel und lange Wartezeiten zu klagen (zum Beispiel „Freie Presse“

vom 18.10.2011, Leitartikel auf Sei - te 1 „Andrang in Notaufnahmen“ – viele Patienten gehen primär dorthin, weil sie in den Sprechstunden zu lange warten müssen), und anderer- seits wird Impfärzten in den Praxen jetzt eine unnötige zeitintensive Bürokratie aufoktroyiert.

2. Die patientenkonkrete Verordnung von Impfstoffen soll nur noch in Ein-

zeldosen erfolgen. Dies steigert die Kosten erheblich gegenüber der

„anonymen“ bisherigen Beschaffung von Großpackungen (zum Beispiel:

„Meningitec“: 1 Dosis = 43,82 Euro, 10 Dosen 346,02 Euro, Rote Liste 24.10.2011).

3. Die patientenkonkrete Verord- nung in der jetzt vorgesehenen Ver- ordnungsweise gefährdet die Arznei- mittelsicherheit und ist damit juris- tisch unverantwortbar. Wie soll der Arzt den lückenlosen Kühltransport des Impfstoffes durch den Patienten/

die Eltern kontrollieren? Als Folge müssen mehr Impfversager befürch- tet werden, was wiederum juristi- sche und negativ impfmotivierende Konsequenzen hat.

4. Es gibt viele inhaltliche Unklarhei- ten bzw. Beanstandungen:

4.1. Wieso sind im Verletzungsfall aktive Tetanusimpfungen „keine Impfungen im Sinne der Impfverein- barungen?“ Eine aktive – nicht pas- sive – Impfung gegen Tetanus im Verletzungsfall ist, immunologisch betrachtet, eine Nachholimpfung bei einem säumigen Bürger, der verletzt ist. Sie wird bundesweit als Kombi- nationsimpfung mit Tetanus-, Diph- therie- und Pertussisimpfstoff (Tdap oder DTaP) empfohlen und durchge- führt. Die Festlegung, dass diese Impfstoffe nun in dieser Situation personenbezogen auf Einzelrezept verordnet werden müssen, ist unlo- gisch und unbegründet. Sie verhin- dert in großem Umfang die Verwen- dung von Kombinationsimpfungen postexpositionell und fördert so Impflücken insbesondere in Bezug auf Pertussis.

4.2. Hepatitis A- und B-Impfungen bei Kindern:

Wie soll bei der Kombinations-Imp- fung gegen Hepatitis A und B mit

„Twinrix“ bei einem Kind im 2.

Lebensjahr verfahren werden? Die Hepatitis-B-Impfung ist in der Schutzimpfungs-Richtlinie/SI-RL vom 21. Oktober 2010 enthalten, also Verwendung eines anonymen Sam- melrezepts, die Impfung gegen Hepatitis A ist aber Satzungsleistung.

Wie soll der Impfstoff rezeptiert werden? Die Kombinations-Impfung 3 x mit „Twinrix Kinder“ zu je 53,40 Euro kostet insgesamt 160,20 Euro

(= 100 %) und spart zwei Injektio- nen. Bei Einzelimpfungen zum Bei- spiel 2 x gegen Hepatitis A mit „Hav- rix 720“ zu je 41,51 Euro und 3 x gegen Hepatitis B mit „Engerix B Kinder“ zu je 47,90 Euro entstehen Gesamtkosten von 226,72 Euro je Kind (= 142 %) – (Preise nach „Rote Liste“ am 24.10.2011).

4.3. Wie soll Impfstoff für die Influ- enzaimpfung rezeptiert werden?

Sollen wirklich für die Impfung zum Beispiel allein der 50- bis 60-Jährigen im 4. Quartal 2011 mehr als 100.000 Einzelrezepte und Einzeldosen (!) namentlich verordnet werden?

(EBM-Nr. 89111S: 2009: 100.068, 2010: 89.698 mal abgerechnet). Alle Influenzaimpfungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis 50 Jahre kommen in Sachsen noch hinzu, falls keine „SI-RL-Indikation“

zuerkannt wird. Auch das ist nicht durchdacht und unzumutbar.

4.4. Die Anweisung „Impfstoffe ohne konkrete Produktnennung ver- ordnen (zum Beispiel Influenza-Spalt- impfstoff Saison 2011/2012)“ ist rechtswidrig, entmündigt jeden Impfarzt und ist medizinisch nicht akzeptierbar. Es gibt neben Spalt- impfstoffen auch Subunitimpfstoffe, virosomale Impfstoffe, Impfstoffe mit Adjuvans, intradermal zu applizie- rende Impfstoffe und Zellkulturimpf- stoffe. Was im Einzelfall appliziert wird, muss der impfende Arzt ent- scheiden und kann nicht Entschei- dung der Krankenkasse und/oder der KVS sein.

5. Falls die Änderung der Verord- nungsweise nicht aufgehoben wird, ist ein dramatischer weiterer Abfall der Durchimmunisierungsraten in Sachsen zu befürchten, was die SIKO für gesundheitspolitisch unver- antwortlich hält, zumal Sachsen seit der Wiedervereinigung als Motor für die Verbesserung der Impfpro- phylaxe in ganz Deutschland aner- kannt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Mitglieder der Sächsischen Impfkommission Korrespondenzanschrift:

Dr. med. Dietmar Beier Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission Zschopauer Straße 87 09111 Chemnitz E-Mail:dietmar.beier@lua.sms.sachsen.de

Berufspolitik

Ärzteblatt Sachsen 12 / 2011 631

Referenzen

ÄHNLICHE DOKUMENTE

In einer gemeinsamen Erklärung vom 9.11.2009 haben sich die Unter- zeichner nach reiflicher Prüfung für eine Impfung

Gegenwärtig stellen wir jedoch eine zuneh- mende Verschlechterung der ambulanten Rah- menbedingungen fest, die zwangsläufig zur Gefährdung der medizinischen Betreuung

Sollte es sich dennoch im nächsten Jahr erweisen, dass die Bei- tragseinnahmen für einen ausgegliche- nen Haushalt der LÄK Sachsen zu ge- ring ausgefallen sind, kann dies

Seebrücke Gießen Seebrücke Göttingen Seebrücke Hamburg Seebrücke Hannover Seebrücke Kassel Seebrücke Krefeld Seebrücke Mannheim Seebrücke München Seebrücke

Der Heimleiter droht uns und sagt dass er die Ausländerbehörde anrufen wird und uns somit große Probleme bereiten wird, wenn er unsere Briefe nicht lesen darf.. Wir werden von

• Wir können keine Termine machen , da der Heimleiter das nicht zulässt.. • Der Heimleiter verschickt

Der BUND Naturschutz und ich persönlich sind seit Jahrzehnten in einem inten- siven Dialog mit Bäuerinnen und Bauern egal ob sie in Ökologischen Anbau- verbänden, in

Herr Karl und seine Spezln wissen Bescheid: Die Bösen sind die Ärzte, die keine Qualität liefern, und die Ärztekammern, die nicht richtig für die Fortbildung sorgen.. Ganz böse sind