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Rassismus - Eine Auswahl an Definitionen

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Rassismus - Eine Auswahl an Definitionen

Es macht Schwierigkeiten, eine Definition des Rassismus zu finden, die allgemein akzeptiert wäre. Das ist zumindest erstaunlich bei einem Ge- genstand, der so häufig und auf so unterschiedliche Weise aufgegriffen worden ist. Die Gründe für diese Schwierigkeiten werden verständlicher, wenn man sich vor Augen hält, daß das Fundament des Rassismus, d.h.

der auf den Menschen angewendete Begriff der reinen Rasse, unzurei- chend definiert ist und daß es praktisch unmöglich ist, ihm einen exakt abgegrenzten Gegenstandsbereich zuzuordnen. Andererseits ist der Rassismus keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein Komplex von obendrein zumeist widersprüchlichen Meinungen, die sich keineswegs aus objektiven Feststellungen ableiten und dem, der sie von sich gibt äußerlich sind, zur Rechtfertigung von Handlungen, die ihrerseits der Angst vor dem anderen entspringen sowie dem Wunsch, diesen anderen anzugreifen, um die Angst zu bannen und sich selbst zum Schaden des anderen zu behaupten. Und schließlich erscheint der Rassismus als der Sonderfall eines allgemeineren Verhaltens: Die Verwendung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede, die aber auch psychologischer oder kultureller Art sein können. Der Rassismus erfüllt demnach eine be- stimmte Funktion.

(aus: Albert Memmi: „Rassismus“, Hamburg 1992, S. 151)

Rassismus ist, wenn Menschen ungerecht oder intolerant behandelt wer- den, gedemütigt, beleidigt, bedroht oder an Leib und Leben gefährdet werden aufgrund einer der folgenden Merkmale:

- bestimmte körperliche Merkmale (wie Hautfarbe, Aussehen, Behinde- rung etc.)

- ethnische Herkunft oder Staatsangehörigkeit

- bestimmte kulturelle Merkmale (wie Sprache oder Name) - religiöse Zugehörigkeit

(aus: Broschüre Zusammen leben.Autorinnen: Monique Eckmann, Miryam Eser Davolio, Mary-Claude Wenker. Zürich, 2002)

Rassismus beruht auf der Annahme, dass es unterschiedliche Menschen- rassen bzw. „Völker“ gibt, die sich voneinander wesentlich unterscheiden.

Er spielt sich im Wesentlichen auf vier Ebenen ab.

1. Auf der Ebene der Ideologie oder Weltanschauung, also einem Erklä- rungssystem dafür, warum die Welt/ die Gesellschaft/ „die Menschheit“

so ist wie sie ist.

2. Auf der Ebene der gesellschaftlichen Strukturen, die daraus resultieren.

3. Auf der Ebene der persönlichen Einstellungen und Vorurteile.

4. Auf der individuellen Handlungsebene, die durch die ersten drei Ebe- nen bedingt ist.

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Alle vier Ebenen spielen ineinander und werden voneinander wechselsei- tig beeinflusst.

Rassismus ist also eine spezielle Form der Diskriminierung, in der eine Hierarchisierung von Menschengruppen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft vorgenommen wird. Heute weiß man/ frau zwar, dass es aus biologischer Sicht keine voneinander unterscheidbaren Menschenrassen gibt, die Auswirkungen rassistischer Diskriminierung sind aber weiterhin vorhanden. Durch Rassismus werden/wurden bestimmten Menschen ihre Rechte abgesprochen, wie etwa durch die Rassentrennung in den USA bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts oder das Apartheid-Regime in Südafrika.

(Aus: Leitfaden zum Umgang mit rassistischen, sexistischen Äußerungen, 2006)

Rasse ist ein biologischer Begriff, der darauf verweist, dass es von einer Spezies oder Gattung (z. B. dem Menschen) mehrere verschiedene Arten oder Rassen gibt, die sich durch vererbliche äußerliche Merkmale unter- scheiden lassen.

Der (politische, soziale) Rassismus nimmt diese äußerlichen Merkmale auf, überhöht sie in Bezug auf die eigene Rasse und wertet sie in Bezug auf andere Rassen ab; er fördert damit das Überlegenheitsgefühl und erzeugt Vorurteile, Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber anderen Rassen. Alle Formen des Rassismus übersehen (bzw. leugnen), dass 1. die Spezies Mensch zwar über bestimmte erblich erworbene Anlagen verfügt, die aber immer in der (politischen, sozialen, ökonomischen) Um- welt geformt werden und

2. die Unterschiede innerhalb einer Rasse größer sind, als die Unterschie- de zwischen den Rassen.

(Aus: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/18092/rasse-rassismus)

Rassistisch ist jede Ideologie, die folgende drei Annahmen aufweist:

- Menschen werden aufgrund bestimmter körperlicher oder kultureller Ei- genarten oder auch aufgrund ihrer ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit in naturgegebene, wie durch Blutsverwandtschaft verbun- dene Gruppen – sogenannte ‘Rassen’ – eingeteilt

- Mitglieder solcher pseudo-verwandtschaftlicher Gruppen werden durch bestimmte gemeinsame, weitgehend unveränderbare psychische Eigen- schaften ausgezeichnet

- Gruppen werden hierarchisiert oder diskriminiert anhand einer ‘Werte- skala’, die auf den zugeschriebenen psychischen Merkmalen basiert.

(aus: Stichworte zu Rassismus. Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, 1998)

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