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Archiv "Erwartungswert versus Mittelwert" (18.02.2011)

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Deutsches Ärzteblatt

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Jg. 108

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Heft 7

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18. Februar 2011 115

M E D I Z I N

ten. Berechnungen zeigen, dass bei Gabe der Dosis nur alle 24 Stunden therapeutische Lücken entstehen könn- ten (2). Wir sehen angesichts aktueller Daten keinen Widerspruch darin, von der Anwendung eines Arznei- mittels aus klinischer Sicht trotz formaler Zulassung abzuraten. In der auch von Reinhard Klingel zitierten prospektiven Registerstudie von Collet (2005) schien es sogar so, dass bei GFR < 60 und < 30 mL/min die Mortalität unter unfraktioniertem Heparin geringer war als unter Enoxaparin wenn zusätzlich Glykoprotein- IIb/-IIIa Inhibitoren gegeben wurden. Außerdem zeigen zwei Studien bei Niereninsuffizienz signifikant mehr Blutungen unter Enoxaparin als unter unfraktioniertem Heparin beziehungsweise Fondaparinux.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0114b

LITERATUR

1. Chan JC, Scott R, Arjona Ferreira JC, et al.: Safety and efficacy of si- tagliptin in patients with type 2 diabetes and chronic renal insufficiency. Diabetes Obes Metab 2008; 10: 545–5.

2. Green B, Greenwood M, Saltissi D, et al.: Dosing strategy for enoxa- parin in patients with renal impairment presenting with acute coronary syndromes. Br J Clin Pharmacol 2005; 59(3): 281–90.

3. Schmid P, Fischer AG, Wuillemin WA: Low-molecular-weight heparin in patients with renal insufficiency. Swiss Med Wkly 2009; 139:

438–52.

4. Hartmann B, Czock D, Keller F: Drug therapy in patients with chronic renal failure. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 647–56.

Dr. med. Bertram Hartmann Dr. med. David Czock Prof. Dr. med. Frieder Keller

Sektion Nephrologie, Klinik für Innere Medizin I Zentrum für Innere Medizin

Universitätsklinikum Ulm Albert-Einstein-Allee 23 89081 Ulm Interessenkonflikt

Dr. Hartmann erhielt finanzielle Forschungsunterstützung der Firma Wyeth und Novartis sowie Reisekostenunterstützung für Kongressteilnahmen.

Prof. Keller wurde von den Firmen Novartis, Roche, Ratiopharm,TEVA und Ab- bott finanziell gefördert

Dr. Czock erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des In- ternational Committee of Medical Journal Editors besteht.

Die Praxis Calcium- und Phosphatwerte einzeln zu be- werten sollte nicht verlassen werden. Es macht aber Sinn zunächst mit den bewährten und inzwischen kos- tengünstigeren Präparaten zu beginnen bevor neuere stark umworbene Präparate ohne Not zur Anwendung kommen.

Zur Dosisanpassung halten wir Begriffe wie „kom- pensierte Niereninsuffizienz“ oder einen Bezug auf Kreatininwerte für wenig hilfreich. Statt dem von Günther Egidi angegebenen Kreatinin > 1,5 mg/dL wä- re zu raten, ab einer festgelegten GFR-Grenze Metfor- min nicht mehr einzusetzen. Dabei empfiehlt sich ein

„Sicherheitsbereich“ für den Fall einer Nierenfunkti- onsverschlechterung, da die Laktatazidose unter Met- formin eine hohe Letalität hat. In einer Studie bei nieren- insuffizienten Diabetikern (einschließlich solchen mit GFR < 30 mL/min) wurde Sitagliptin als ausreichend sicher befunden (1).

Enoxaparin hat nicht nur ein einziges Verteilungsvo- lumen, wie die Kollegen Paar, Kienitz und Rosin basie- rend auf den Zulassungsdaten schreiben, sondern ent- sprechend einer Zweikompartiment Kinetik auch ein peripheres Kompartiment (2). Das zentrale Verteilungs- volumen wird mit 6,78 und das periphere mit 6,19 Li- tern geschätzt. Die nicht-renale Clearance beträgt 0,229 L/h und die renale Clearance 0,744 L/h bei normaler Nierenfunktion. Das terminale Verteilungsvolumen kann man danach mit etwa 23 Litern berechnen.

Aus diesen Werten lässt sich für Nierengesunde die Halbwertszeit für die schnelle Eliminationsphase mit 3 Stunden (T1/2α) und für die langsame Eliminationsphase mit 16 Stunden schätzen (T1/2β). Bei wiederholter Do- sierung ist der Akkumulationsfaktor jedoch im zweiten Kompartiment (Rβ) viel höher als im ersten Komparti- ment (Rα) – ein Effekt, der sich bei Niereninsuffizienz noch verstärkt.

Damit übereinstimmend weist Enoxaparin im Ver- gleich zu Dalteparin, Nadroparin und Tinzaparin den höchsten Akkumulationsfaktor auf (3). Wie eine Dosis- anpassung von Enoxaparin erfolgen sollte, ist umstrit-

STATISTIK-QUIZ

Erwartungswert versus Mittelwert

In einem Fernverkehrszug werden zehn Personen gebeten, ihren Intelligenzquotienten messen zu lassen. Der IQ-Test ist so konzipiert, dass ein Wert von 100 bei der Bevölkerung erwartet werden kann. Für die Zugreisenden ergaben sich folgende Werte:

98, 110, 93, 105, 100, 107, 102, 95, 112, 103.

Folgende Berechnungen könnten zutreffen 1) Der Mittelwert beträgt 100

2) Der Erwartungswert beträgt 102,5 3) Der Erwartungswert beträgt 100 4) Der Mittelwert beträgt 102,5

Welche Kombination der Berechnungen ist zutreffend?

a) 1 + 2 b) 1 + 3 c) 2 + 4 d) 3 + 4

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Die Lösungen sind online abrufbar:

www.aerzteblatt.de/11m0115 Die Quiz-Fragen wurden vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI), Mainz, entwickelt.

Referenzen

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