KRISE UND TRANSFORMATION AM ARBEITSMARKT: WAS PASSIERT MIT DEN JOBS?

Volltext

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KRISE UND TRANSFORMATION AM ARBEITSMARKT:

WAS PASSIERT MIT DEN JOBS?

Veranstaltungsreihe „Fishing for Careers“

Careers Center, Universität Hamburg 12. November 2020

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GLIEDERUNG

• DER ARBEITSMARKT VOR CORONA

• DER „CORONA-SCHOCK“

• DIE ARBEITSWELT NACH CORONA

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GLIEDERUNG

• DER ARBEITSMARKT VOR CORONA

• DER „CORONA-SCHOCK“

• DIE ARBEITSWELT NACH CORONA

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ANHALTENDER BESCHÄFTIGUNGSBOOM VON 2005 BIS 2019

Quelle: Statistisches Bundesamt; Bundesagentur für Arbeit; Berechnungen des IAB

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2000 – 2019 jeweils in Mio.

25,0 27,5 30,0 32,5 35,0 37,5 40,0 42,5 45,0 47,5 50,0

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Erwerbstätige gesamt davon sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

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ARBEITSLOSIGKEIT VON 2005 BIS 2019 MEHR ALS HALBIERT

Arbeitslose in Tsd. und in Prozent der zivilen Erwerbspersonen, 2000 bis 2019

3.890 3.853 4.061

4.377 4.381

4.861

4.487

3.760

3.258 3.415

3.239

2.976 2.897 2.950 2.898 2.795 2.691

2533 2.340 2.267

9,6 9,4 9,8

10,5 10,5

11,7

10,8 9,0

7,8 8,2

7,7

7,1 6,8 6,9 6,7

6,4 6,1

5,7

5,2 5,0

0 2 4 6 8 10 12 14

2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Zahl der Arbeitslosen in Tsd. (jeweils

Jahresdurchschnitt)

Arbeitslosenquote in % aller zivilen Erwerbspersonen

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QUALIFIKATIONSSPEZIFISCHE ARBEITSLOSENQUOTEN

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IN DEUTSCHLAND, 1975 BIS 2018, IN PROZENT

1) Anteil der Arbeitslosen an allen zivilen Erwerbspersonen gleicher Qualifikation (Arbeitslose plus Erwerbstätige, ohne Auszubildende) in Prozent; Erwerbstätige „ohne Angaben“ zum Berufsabschluss werden nach dem Mikrozensus je Altersklasse und Geschlecht proportional auf alle Qualifikationsgruppen verteilt; Die Erwerbstätigenzahl bezieht sich bis 2004 jeweils auf den Bestand im April, ab 2005 sind es Jahresdurchschnitte.

2) Fachhochschulen ohne Verwaltungsfachhochschulen

3) einschließlich Verwaltungsfachhochschulen

Anmerkung: Die hier angegebenen Quoten sind auf Grund einer abweichenden Datenbasis nicht amtlich.

Quelle: IAB-Berechnungen auf Basis Mikrozensus und Strukturerhebungen der BA. © IAB

Insgesamt 5,3 Lehre/

Fachschule (2) 3,4

Hochschule /Fachhochschule (3)

2,0 ohne Berufsabschluss

17,4

0 5 10 15 20 25 30

Werte für 2018

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Beschleunigter Strukturwandel

Globalisierung, Digitalisierung und Defossilisierung gehen mit Tätigkeitsänderungen und Personalreallokation einher

Wachsende Arbeits- und Fachkräfteengpässe

Stellenbesetzung dauerte länger und wurde immer schwieriger

Ungleichheiten in der Beschäftigung in Verbindung mit geringer AufwärtsmobilitätBeträchtliche Disparitäten bei Stabilität und Lohneinkommen

„Einsperreffekte“ bei Jobs mit geringen Anforderungen und niedrigen Löhnen

Verfestigung von Erwerbslosigkeit

Mit der verbesserten Arbeitsmarktlage wurde der „harte Kern“ der Arbeitslosen sichtbarer

ARBEITSMARKTPOLITISCHE HERAUSFORDERUNGEN VOR

DER „CORONA-KRISE“

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GLIEDERUNG

• DER ARBEITSMARKT VOR CORONA

• DER „CORONA-SCHOCK“

• DIE ARBEITSWELT NACH CORONA

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Finanzkrise „Corona-Krise“

Verlauf „V“ mit relativ schneller Erholung Ebenfalls starker Einbruch, jedoch mit wohl längerem Erholungsprozess

Wirtschaftlicher Kontext Vorher Boomphase Vorher leicht rezessive Tendenz, auch wegen anhaltender Handelskonflikte

Sektorale Betroffenheit Hauptsächlich Industrie Industrie/Handel/Gastronomie/Hotels/

Tourismus/Kultur/Messen

Strukturelle Begleitfaktoren Eher von untergeordneter Bedeutung Defossilisierung, Digitalisierung

FINANZ- UND CORONA-KRISE IM VERGLEICH

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ERWERBSTÄTIGKEIT UND ARBEITSLOSIGKEIT IM KRISENMODUS

Quelle: Destatis 2020; Saisonbereinigte Zeitreihen der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Tabelle 3.10 Arbeitslosenquote - Saisonbereinigte Werte

Erwerbstätige in Mio. (Inländerkonzept) und monatliche Arbeitslosenquote in Prozent, saisonbereinigt, April 2019 bis Juni 2020

4,0 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5

44 44,2 44,4 44,6 44,8 45 45,2 45,4

Erwerbstätige (Inländer) Monatliche Arbeitslosenquote

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Rekordniveau an Kurzarbeit: in der Spitze knapp sechs Millionen Beschäftigte bei rund 50 % Arbeitsausfall (5/2020) - seitdem rückläufige Tendenz.

Entlassungen vermutlich weiter gering, in erster Linie von Kleinbetrieben in verschiedenen Dienstleistungsbereichen (z. B. Gastgewerbe, Tourismus und Veranstaltungen).

Betriebe werden im Zuge der Erholung über längere Zeit weniger einstellen, weil zunächst freie Kapazitäten (Arbeitszeit, Arbeitsproduktivität) wieder ausgelastet werden müssen.

Erwerbstätigkeit könnte in 2020 im Jahresdurchschnitt um knapp 400 Tsd. sinken und dürfte 2021 nur schwach zulegen.

Arbeitslosigkeit könnte in 2020 um über 400 Tsd. im Jahresdurchschnitt steigen und 2021 um rund 100 Tsd. abnehmen.

ABSEHBARE ARBEITSMARKTEFFEKTE DER CORONA-KRISE

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Studienfortschritt kann sich durch den Ausfall von Präsenzveranstaltungen und die mehrheitlich virtuelle Lehre verzögern.

Es gibt Hinweise, wonach ein Teil der Studierenden ihre Nebenbeschäftigung verloren hat und dadurch in eine finanzielle Schieflage geraten sein könnte:

Die von Studierenden häufig gewählten Minijobs sind von der Krise deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen worden als die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung;

Analyse auf Basis von Angaben der Studierenden der Universität Regensburg deuten auf eine Betroffenheit von etwa 20 % mit Beschäftigungsverlust hin (Yükselen 2020).

Die geringere Einstellungsbereitschaft der Betriebe geht zu Lasten von Berufs- und Wiedereinsteiger(innen), begrenzt Aufwärtsmobilität und trägt zum Rückzug vom Arbeitsmarkt bei

Für junge Leute besteht das Problem der sog. „Narbenbildung“ (scarring).

CORONA-KRISE AM ARBEITSMARKT: FOLGEN FÜR STUDIERENDE

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GLIEDERUNG

• DER ARBEITSMARKT VOR CORONA

• DER „CORONA-SCHOCK“

• DIE ARBEITSWELT NACH CORONA

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Digitale Technologien

Robotik, Künstliche Intelligenz, Cyberphysische Systeme, Plattformökonomie

Globalisierung

Off- und Reshoring, Internationale Arbeitsteilung, Übergang zur Dienstleistungs-/

Wissensgesellschaft

Umweltschutz

Greening, Klimaschutz, Energiewende, Ressourcenschonung, Sharing Economy

Demografie

Alterung und Schrumpfung des inländischen Erwerbspersonenpotenzials, Migration

Wertewandel

Gleichstellung, Alterserwerbsarbeit, Diversität, Bildungsverhalten, Distancing

TREIBER DER ZUKÜNFTIGEN ARBEITSWELT

Quelle: IAB-Prognose 2019/2020 (IAB-Kurzbericht 18|2019)

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CORONA BESCHLEUNIGT DIE DIGITALISIERUNG

„Distancing“ stärkt digitale Geschäftsmodelle und virtuelle Transaktionen

Digitalisierungsbedingte Reallokationseffekte beschleunigen sich

Qualifikations- und Tätigkeitsanforderungen verändern sich schneller

Digitale und nicht-digitalisierbare Kompetenzen sind stärker gefragt

Nutzung von Home-Office und virtueller Kommunikation verbreitet sich

Crowdworking könnte weiter an Bedeutung gewinnen

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BESCHÄFTIGUNGSEFFEKTE EINES DIGITALISIERUNGSSZENARIOS IM VERGLEICH ZU EINER BASISPROJEKTION BIS 2035

(Nettoeffekte sowie Gewinne/Verluste)

Quelle: IAB-Forschungsbericht 13|2016

-60

-1460

1400

-2000 -1500 -1000 -500 0 500 1000 1500 2000

Saldo negativ positiv

Erwerbstätige im Durchschnitt pro Jahr in 1000, 63 Wirtschaftszweigen, 50 Berufsfeldern, 4 Anforderungsniveaus

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DIGITALISIERUNG UND VERÄNDERUNG DER

ANFORDERUNGEN AN ERWERBSTÄTIGE BIS 2035

Effekte eines Digitalisierungsszenarios im Vergleich zu einer Basisprojektion

-800 -600 -400 -200 0 200 400 600 800

Helfertätigkeiten

fachliche Tätigkeiten

komplexe Spezialistentätigkeiten

hoch komplexe Tätigkeiten

Abweichungen in 1000 Personen

2020 2025 2035

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DIGITALISIERUNG UND BETRIEBLICHE PERSONALPOLITIK

Betriebe, die digitale Technologien stärker nutzen als andere,

verzeichnen keine nennenswerten Beschäftigungsverluste,

berichten über tendenziell höhere Anforderungen an neu eingestellte Arbeitskräfte,

fragen häufiger Kenntnisse und Fertigkeiten nach, die in Lehrgängen erworben werden,

stellen stärker auf soziale Kompetenz sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit ab,

verlangen von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein höheres Maß an zeitlicher und/oder inhaltlicher Flexibilität.

Erkenntnisse aus Analyse von Neueinstellungen (Warning/Weber 2017)

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Niveau und Qualität des Arbeitsangebotes sind wichtige Determinanten der künftigen wirtschaftlichen Dynamik.

Zahl der älteren Menschen, die in den nächsten Jahren aus Altersgründen aus dem

Arbeitsmarkt ausscheiden, ist höher als die der Jungen, die in den Arbeitsmarkt eintreten.

Nachwuchs wird knapper und begrenzt den Zufluss an „frischem“ Humankapital.

Ältere werden (quantitativ) immer wichtiger für Arbeitskräfteangebot, was Fragen zu ihrer Beschäftigungs- und Erwerbsfähigkeit aufwirft.

Migration ist und bleibt der stärkste Hebel zur Stabilisierung des Arbeitskräfteangebots

DEMOGRAFISCHER WANDEL BLEIBT HERAUSFORDERUNG

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PROJEKTION DES ERWERBSPERSONENPOTENZIALS BIS 2060

Quelle: IAB-Kurzbericht 6|2017

Verschiedene Szenarien, jeweils Jahresdurchschnitte, in 1000 Personen, (Basisjahr 2015)

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FAZIT:

„TRANSFORMATIVE REZESSION“ UND WAS NUN?

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Beschleunigter Strukturwandel

Die Zeiten stehen mehr denn je auf Transformation.

Es ist offen, inwieweit die Veränderungen inner- oder überbetrieblich vollzogen werden.

Wachsende Arbeits- und Fachkräfteengpässe

Die Demografie könnte zu einem immer stärkeren „Bremsklotz“ für die Wirtschaft werden.

Es ist offen, ob die notwendige Fachkräfteeinwanderung realisiert werden kann.

Ungleichheiten in der Beschäftigung in Verbindung mit geringer AufwärtsmobilitätDie „Corona-Krise“ wird Diskrepanzen in der Jobqualität eher vergrößern.

Aufstiege sind gefährdet und es könnte zu „Narben“ bei Arbeitsmarkteinsteiger/innen kommen.

Verfestigung von Erwerbslosigkeit

Schnelle technologische Änderungen/neue Anforderungen könnten an „Outsidern“ vorbeigehen.

Je länger die höhere Arbeitslosigkeit anhält, desto größer der strukturelle Sockel.

ARBEITSMARKTPOLITISCHE HERAUSFORDERUNGEN

VOR UND NACH DER „CORONA-KRISE“

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Ausgangspunkt: Aktuell überlagern sich schwere Konjunktur- und erhebliche strukturelle Herausforderungen (Stichwort: „Transformative Rezession“)

Handlungsoption 1: Konjunkturorientierte Arbeitsmarktpolitik

Handlungsoption 2: Investive Arbeitsmarktpolitik

AKTUELLE HANDLUNGSFELDER UND -OPTIONEN

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Politik hat bereits „massiv“ gegengesteuert, um Beschäftigung zu halten

Erleichterungen bei Inanspruchnahme von Kurzarbeit und verbesserte Zugänge zur Grundsicherung für Selbständige

Zusätzlich stehen bewährte Puffer auf betrieblicher Ebene zur Verfügung

Lohn- und Arbeitszeitflexibilität in Verbindung mit Beschäftigungsgarantien

In Frage kommen zudem Einstellungszuschüsse im Zuge der Lockerungen

Finanzielle Förderung/Anreize für Neueinstellungen und Ausbildung

Da Mitnahmeeffekte auf betrieblicher Seite zu erwarten sind, sollten sich die Hilfen auf die von der Krise besonders betroffenen Betriebe konzentrieren

ARBEITSMARKTPOLITIK IN ZEITEN VON KRISE UND WANDEL (1)

Konjunkturorientierte Arbeitsmarktpolitik

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Es sind vielfältige Wandelprozesse zu adressieren: Demografie, Globalisierung, Digitalisierung und Defossilisierung. Sie gehen einher mit

Reallokation von Arbeit auf sektoraler Ebene,

Verschiebungen zwischen Berufen und Tätigkeitsfeldern und

veränderten Kompetenzanforderungen in allen Berufen und Tätigkeiten.

Ansatzpunkte liefern (Weiter-)Bildung, Beratung und Vermittlung:

Anreize und Förderung beruflicher sowie betrieblicher Weiterbildung,

Vermeidung von Bildungsarmut und fehlender beruflicher Qualifikation,

Erweiterte und gezielte Beratungs- und Vermittlungsangebote.

ARBEITSMARKTPOLITIK IN ZEITEN VON KRISE UND WANDEL (2)

Investive Arbeitsmarktpolitik

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KONTAKT

Prof. Dr. Ulrich Walwei www.iab.de

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Referenzen

  1. www.iab.de
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