Artenschutzrechtliche Potenzialabschätzung

Volltext

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Artenschutzrechtliche Potenzialabschätzung

zum Bebauungsplan „Unter’m Ort II“, Wahlheim (Lkr. Alzey-Worms)

Auftraggeber:

Büro Butsch + Faber Landschafts- und Ortsplanung Wilhelm-Leuschner-Straße 22

55237 Flonheim Mainz, Oktober 2020

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vorgelegt von der

GÖFA GmbH

Ökologische Forschung und Landschaftsökologie

Goldregenstr. 14 55116 Mainz Tel. :0049 6131 – 477 673 E-Mail: goefa@t-online.de

Leitung und Projektierung:

Dipl.-Biol. Horst Krummenauer

Bearbeitung:

Dipl.-Biol. Horst Krummenauer

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Anlass und Beschreibung ... 4

2. Methode... 6

3. Ergebnisse und Bewertung ... 7

4. Artenschutzrechtliche Betrachtung ... 9

5. Richtlinien, Gesetze und Verordnungen ...10

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Um die hohe Nachfrage an Baugrundstücken zu decken, beabsichtigt die Ortsgemeinde Wahlheim die Aufstellung des Bebauungsplanes „Unter’m Ort II“.

Der Geltungsbereich des Bebauungsplanes, welcher als Allgemeines Wohngebiet (WA) ausgewiesen wird, umfasst eine Fläche von ca. 1,3 ha.

Das Gebiet befindet sich im Osten der Ortsgemeinde und grenzt im Westen an die bestehende Wohnbebauung der Ortsgemeinde an. Südlich des Plangebietes verläuft der Weidasserbach.

Im Norden verläuft die Landesstraße L 445 und im Osten des Plangebietes befinden sich Flächen für die Landwirtschaft. 1

Das Plangebiet selbst ist durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Während sich im Südwesten eine eingezäunte Pferdekoppel befindet, werden die restlichen Flächen durch Ackerbau genutzt.

Bis auf einen schmalen und unregelmäßig ausgebildeten Gras- und Staudensaum entlang der Koppelgrenze existieren im Plangebiet keine vertikalen Strukturen.

Bei Eingriffen in Natur und Landschaft ist es heutzutage erforderlich, neben dem sparsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen, dem Schutz von Arten und Biotopen, dem Erhalt der biologischen Vielfalt sowie der entsprechenden Kompensation, auch artenschutzrechtliche Fragestellungen zu bearbeiten.

Aufgrund der Gesetzgebung im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), und hier insbesondere des § 44 BNatSchG, spielen hierbei bestimmte faunistische Artengruppen eine besondere Rolle. Hierzu zählen u. a. die Tiergruppen der Vögel und Reptilien, von denen zahlreiche Arten als streng geschützte Arten einem besonderen Schutzstatus unterliegen.

Gleiches gilt für die Gruppe der Säugetiere, wo ebenfalls Artengruppen wie Fledermäuse oder weitere Einzelarten, wie bspw. der Feldhamster (Cricetus cricetus), einer besonderen Vorsorge unterworfen sind.

1 nachrichtlich aus: Entwurf Begründung Offenlage vom 25.06.2020, erstellt durch die WVE GmbH Kaiserslautern

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Abbildung 1: Lage des Plangebietes (roter Kreis) östlich der Ortsgemeinde Wahlheim zwischen der Landesstraße L 445 im Norden und dem Weidasserbach mit Gehölzsaum im Süden.

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Eine flächendeckende Begehung des Plangebietes erfolgte am Vormittag des 8. Oktobers 2020. Dabei wurde das gesamte Gebiet, sowie zusätzliche Strukturen entlang des gewässerbegleitenden Gehölzsaums im Süden fußläufig abgegangen.

Vermerkt wurden hierbei alle Tiervorkommen sowie relevante Lebensräume, Habitate und Strukturen.

Eine Fotodokumentation vervollständigte die Erfassung.

Abbildung 2: Schmaler und unregelmäßig ausgebildeter Altgras- und Staudensaum an der Nordgrenze der Pferdekoppel zur Ackerfläche hin.

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Im Plangebiet wurde lediglich die Rabenkrähe (Corvus corone) als Nahrungsgast nachgewiesen. Andere Vogelarten oder weitere Vertreter aus anderen Tiergruppen, wie bspw.

Insekten, konnten nicht festgestellt werden.

Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist das Plangebiet sehr monoton strukturiert und besteht aus Ackerflächen und einer Pferdeweide. Bis auf einen schmalen Rain entlang der Grenze der Pferdekoppel existieren keine weiteren faunistisch relevanten Strukturen. Weder gibt es Bäume, Einzelgebüsche oder gar Hecken.

Dementsprechend ist auch davon auszugehen, dass das Plangebiet nur für sehr wenige Tierarten überhaupt als Lebensraum geeignet ist. Dies werden verbreitete und ungefährdete Ubiquisten sein, bspw. aus den Gruppen der Insekten, Mollusken oder auch Spinnentieren.

Unter den Wirbeltieren ist mit dem Vorkommen von Amphibien und Reptilien im Plangebiet nicht zu rechnen. Auch als Bruthabitat für Vögel, speziell für Offenlandsarten, wie Feldlerche, Rebhuhn oder Wiesenschafstelze, sind die Ackerbiotope aufgrund der Lage und Flächengröße nicht geeignet. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Vogelarten der umgebenden Lebensräume die Flächen des Plangebietes lediglich als temporäre Nahrungshabitate nutzen.

Gleichzeitig stellen die Flächen keine essenziellen Nahrungsressourcen für irgendwelche Vogelarten dar, da in der unmittelbaren Umgebung weitere zahlreiche Nahrungshabitate existieren.

Abbildung 3: Blick von Südosten auf das Plangebiet mit der Pferdekoppel im Hintergrund. Ein Grünstreifen mit Gehölzpflanzungen begrenzt das Plangebiet im Süden.

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Strukturen für Sommer- oder Winterquartiere. Wenn überhaupt, so kommen die Lebensräume des Plangebietes als potenzielle Nahrungshabitate in unbedeutendem Umfang in Betracht.

In der Gruppe der Säugetiere ist für landwirtschaftlich genutzte Flächen, insbesondere Getreideäcker, der Feldhamster (Cricetus cricetus) als streng geschützter und vom Aussterben bedrohter Nager von besonderer Bedeutung. Da die Hamsterart Ackerflächen als Ganzjahreslebensraum nutzt und daher von Eingriffen in das Bodensubstrat immer betroffen wäre, ist eine Überprüfung von Vorkommen in potenziell geeigneten Gebieten notwendig.

In der Potenzialkarte des LFU RHEINLAND-PFALZ von HELLWIG (2010) wir dem Plangebiet ein geringes Potenzial zugewiesen. Erst südöstlich von Wahlheim und Kettenheim sieht HELLWIG

ein mittleres bis hohes Potenzial für den Feldhamster. Die Fortführung der Karte (LFU 2018) weist für das aktualisierte Potenzial (2017) die nächsten Nachweise auf dem Hochplateau nördlich von Flomborn aus, also in deutlicher Entfernung zum Plangebiet.

Aufgrund dieser Verbreitungskenntnisse und unter Berücksichtigung der geringen Flächengröße der betroffenen Ackerflächen sowie der speziellen Lage zwischen der Landesstraße und dem Bachtal bzw. Ortsbebauung ist ein Vorkommen des Feldhamster im Plangebiet unwahrscheinlich. Für einen sicheren Ausschluss der streng geschützten Art wäre allerdings eine Begehung im Frühsommer notwendig.

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Maßgeblich für den Umgang mit Tier- und Pflanzenarten im Rahmen der Bauleitplanung ist der § 44 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG):

Nach § 44 Abs. 5 BNatSchG sind innerhalb der Bauleitplanung bei der Durchführung eines zugelassenen Eingriffs oder eines nach den Vorschriften des BauGB zulässigen Vorhabens (B-Pläne nach § 30, während Planaufstellung nach § 33, im Innenbereich nach § 34) nur folgende Arten hinsichtlich der Zugriffsverbote von Bedeutung:

(1) die Arten nach Anhang IV FFH-RL, (2) die europäischen Vogelarten

und (3) die Arten, welche in der - noch nicht existenten - Rechtsverordnung nach § 54 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG aufgeführt sind.

Für alle weiteren besonders geschützten Arten2 (besonderen Schutz nach der EG-VO Nr.

338/97 oder der BArtschV) liegt kein Verstoß gegen das Zugriffsverbot vor.

Wie schon oben erläutert, ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten im Plangebiet weder mit einer Besiedlung durch europäische Vogelarten, Fledermäusen, Amphibien oder Reptilien zu rechnen. Lediglich in geringem Umfang stellen die Lebensräume des Plangebietes potenzielle Nahrungshabitate dar. Auch ein Vorkommen des streng geschützten Feldhamster ist aufgrund der örtlichen Gegebenheit unwahrscheinlich, aber nicht komplett auszuschließen.

Da keine weiteren, artenschutzrechtlich relevanten Tierarten im Plangebiet nachgewiesen wurden und auch mit einem Vorkommen nicht zu rechnen ist, ist von einer Betroffenheit für weitere Arten und Artengruppen des Anhang IV der FFH-Richtlinie nicht auszugehen.

Fazit: Vogelarten und Arten des Anhang IV der FFH-Richtlinie wurden im Plangebiet nicht nachgewiesen. Sie sind aufgrund der Biotopausstattung lediglich als Nahrungsgäste zu erwarten (Vogelarten, Fledermäuse)[Ggf. Ausnahme Feldhamster].

Von einer Betroffenheit des § 44 BNatSchG ist daher sehr wahrscheinlich nicht auszugehen.

Mainz, den 15. 10. 2020

(Diplom-Biologe)

2 z. B. alle Wildbienenarten, Blindschleiche, Bachneunauge, Hirschkäfer, Helmazurjungfer

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Baugesetzbuch (BauGB): Baugesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 3.

November 2017 (BGBl. I S. 3634), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 8. August 2020 (BGBl. I S. 1728) geändert worden ist.

Bundesnaturschutzgesetz (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege) Artikel 1 des Gesetzes vom 29.07.2009 (BGBl. I S. 2542), in Kraft getreten am 01.03.2010, zuletzt geändert durch Gesetz vom 04.03.2020 (BGBl. I S. 440) m.W.v. 13.03.2020.

Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV): vom 16. Februar 2005 (BGBl. I S. 258, 896), die zuletzt durch Artikel 10 des Gesetzes vom 21. Januar 2013 (BGBl. I S. 95) geändert worden ist. Stand: Zuletzt geändert durch Art. 10 G v. 21.1.2013 I 95.

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie): Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21.

Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (ABl. L 206 vom 22.7.1992, S. 7), die zuletzt durch die Richtlinie 2013/17/EU (ABl. L 158 vom 10.6.2013, S. 193) geändert worden ist

Vogelschutzrichtlinie (VSchRL): Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (ABl. L 20 vom 26.1.2010, S. 7), die zuletzt durch die Richtlinie 2013/17/EU (ABl. L 158 vom 10.6.2013, S. 193) geändert worden ist.

Abbildung

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Referenzen

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