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Hallesches Jahrb. Geowiss. R.A Bd. 21 Halle (Saale) 1999 s. 1 -18

125 Jahre geograph ische Forschung und Leh re an de r Universi tät Halle-Wi ttenberg

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125 years research and teaching in Geography at the University of Halle-Wittenberg

Von

HANS RICHTER

Zusammenfassung: Seit 1873 ist die Geographie an der Halleschen Universität durchgehend vertre- ten, bis in die Mitte dieses Jahrhunderts jeweils nur durch einen Lehrstuhl. ALFRED KIRCHHOFF (1873 - 1904) und OTTO SCHLÜTER (1911 - 1951 ), die die Entwicklung der Geographie generell beeinflußt ha-

ben, sind die Dominanten des ersten längeren Teils dieses Zeitraums. Durch scharfe Zäsuren werden

der Zweite Weltkrieg sowie die Hochschulpolitik der SMA und der DDR in dieser Entwicklung sichtbar.

So wird 1969 - 1991 die Geographie in Halle zur Sektion erweitert, durch die sich personelle Ausstat- tung, Ausbildungs- und Forschungsleistung erheblich erweitern. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wird die Geographie reorganisiert und bildet zusammen mit dem Institut für Geologische Wissenschaften und Geiseltalmuseum den Fachbereich Geowissenschaften.

Summary: Since 1873 Geography is permanently represented at the university of Halle-Wittenberg.

The langer part of this period is represented by ALFRED KIRCHHOFF (1873 - 1904) and OTTO SCHLÜTER (1911 - 1951 ), both dominating the history of Geography in Germany and worldwide. Deep influxes resulted by World War II, the high school policies by the military administration of Soviet Union and

GOR. Between 1969 - 1991 Geography at university of Halle was heavily transformed, so that perso-

nell statt and technical equipment, volume of education and researches increased. After reunification of Germany the Geographical Institute was restored as a part of geosciences.

125 Jahre ununterbrochene und selbständige Vertretung der Geographie an der Universität Halle- Wittenberg werden durch eine große Zahl von Persönlichkeiten repräsentiert. Im ersten, beinahe 80 Jahre messenden Zeitraum dominieren, durch die Dauer ihrer Tätigkeit hervorgehoben, zwei Per- sönlichkeiten - ALFRED KIRCHHOFF und OTTO SCHLÜTER. Während dieser Jahrzehnte stand dem Ordi- narius zwar schon ein Geographisches Seminar zur Verfügung. Aber er fand Hilfe für die Durchführung der Ausbildung neben ein, zwei Assistenten bestenfalls durch einen, nur zeitweise mehrere Privatdo- zenten.

Im zweiten, von ERNST NEEF und RUDOLF KÄUBLER eingeleiteten Abschnitt nach 1951 wird das Semi- nar durch die Bemühungen KÄUBLERs zum Geographischen Institut umbenannt. Seither nimmt die Zahl der Hochschullehrer sowie Assistenten und damit die wissenschaftliche Arbeitsteilung nun ziem- lich kontinuierlich bis zur Gegenwart zu. Nur im Status der Sektion Geographie zwischen 1969 und 1991 gibt es eine durch Sonderbedingungen verursachte außerordentliche Diskontinuität.

Vergleicht man mit der Abfolge der staatlichen Systeme in der Spanne von 1873 bis heute, dann er- scheinen akademische Einrichtungen erheblich stabiler zu sein oder einem anderen Rhythmus unter- worfen. Aber diese Annahme trifft bekanntlich nicht zu. Vielmehr bewirkten einige der einander ablö-

Schriftliche Fassung des Vortrages, den der Autor am 23. Oktober 1998 auf der Festveranstaltung

"125 Jahre Geographie in Halle" des Instituts für Geographie der Martin-Luther-Universität Halle- Wittenberg gehalten hat.

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senden politischen Systeme und vor allem manche Übergänge sehr scharfe Brüche, die wesentliche Veränderungen der institutionellen Strukturen und Wertewechsel der wissenschaftlichen Inhalte und Leistungsspektren verursachten. Derartige Vorgänge sind auch in der Entwicklung unserer relativ klei- nen wissenschaftlichen Einrichtung gut zu verfolgen.

In diesem Zeitraum wurde der inhaltliche Ausbau der Geographie neben politischen, sozialen und öko- nomischen Veränderungen (SANDNER 1995) und dem engen Kontakt zur allgemeinen Wissenschafts- entwicklung vor allem durch die Nutzung technischer Neuerungen beeinflußt. Sie verbesserten die Überwindung von Entfernungen, die Beschleunigung der Kommunikation, der Datengewinnung und -verarbeitung. Modeme Labor- und die Satellitentechnik haben der geographischen Forschung grund- sätzlich neue Arbeitsansätze geboten. Die Möglichkeiten, geographische Strukturen und Prozesse zu modellieren oder mit dem Internet selbst globale Prozesse jeder Art synchron verfolgen und bewerten zu können, bahnen sich in jüngster Zeit gerade an.

1 Die Phase der Klassiker von ALFRED KIRCHHOFF bis OTTO SCHLÜTER

1873 wurde ALFRED KIRCHHOFF auf Vorschlag der Philosophischen Fakultät der Universität Halle zum Ordinarius für Geographie berufen. Wahrscheinlich gab die Berufung von OSCAR PESCHEL, die 1871 im benachbarten Leipzig erfolgte, der Berufungsangelegenheit einen gewissen Schub. Aber es ging an beiden Universitäten vor allem um die möglichst rasche Ausbildung von Erdkundelehrern.

Bezeichnend war, daß KIRCHHOFF und PESCHEL zwar geographische Lehrveranstaltungen gehört hat- ten, aber eher als Polyhistoren denn als Geographen anzusehen waren. PESCHEL erwarb die Voraus- setzungen zur Berufung als sehr erfolgreicher Redakteur und Autor (RICHTER 1998). KIRCHHOFF war nach einem ebenfalls sehr breit angelegten Studium in Jena und Bonn als Lehrer tätig. In Berlin wurde er 1871 zum Dozenten für allgemeine Geographie an die Königliche Kriegsakademie in Berlin berufen. Diesem Lehrstuhl in extremer bildungspolitischer Lage hatte CARL RITTER seit 1820 sehr großes Anse- hen verliehen. Dieses übertrug sich auf den ersten Ordinarius für Geographie an der Universität in Halle.

KIRCHHOFF begann seine Tätigkeit in Halle in der Phase, in der sich die Geographie aus ihrer Position als Hilfswissenschaft der Geschichte löste (BROGIATO 1995). Er wurde zu einem bedeutenden Spre- cher der Schulgeographie, erstmals deutlich demonstriert beim 1. Deutschen Geographentag in Berlin 1881 (KIRCHHOFF 1882a). Er nutzte jede Gelegenheit, die Selbständigkeit der Geographie in der Schule wie an der Universität wortgewaltig zu vertreten, jede Bevormundung - vor allem durch die Ge- schichte - abzubauen. Sein Ruf als Hochschullehrer war so bedeutend, daß bereits der 2. Deutsche Geographentag unter seiner Leitung 1882 in Halle veranstaltet wurde {KIRCHHOFF 1882b).

Dennoch fällt die Wertung seiner Lehrtätigkeit unterschiedlich aus. Während ULE (1907) und STEFFEN (1919) seinen Vortrag in abgestufter Form loben und bemerken, daß KIRCHHOFF seine Hörer in Begei- sterung versetzen könne, fand ALFRED HETTNER, der 1877 sein Studium in Halle begann, KIRCHHOFFS Vorlesung " .. monoton .. , .. eine wenig geistreiche Kompilation .. , .. in immer gleichem Schema .. "

(WARDENGA 1995, S. 34). HETTNER ging deshalb im nächsten Jahr nach Bonn.

Obwohl ALFRED KIRCHHOFF nur wenige Reisen über Deutschland hinaus unternahm, war die Länder- kunde dominanter Gegenstand seiner Vorlesungen, die allgemeine Geographie kam erheblich kürzer weg. Diese Relationen spiegeln sich u.a. in seiner berühmten "Erdkunde für Schulen" (KIRCHHOFF 1892/93) wider. Das Buch war als Werk für die Schüler gedacht, wurde wegen seines Umfangs aber viel mehr von den Lehrkräften selbst benützt. Es erfuhr 1921 in ständiger, behutsamer Weiterführung durch FELIX LAMPE noch die 19. Auflage und wurde somit in mehr als 100.000 Exemplaren gedruckt.

KIRCHHOFF förderte sehr bald systematisch neben der Länderkunde die wissenschaftliche Landeskun- de von Deutschland. So nahm er die auf dem Geographentag in Halle gebotenen Anregungen von RUDOLF LEHMANN, Privatdozent im Geographischen Seminar der Universität Halle, zur Förderung und Sammlung landeskundlicher Forschung auf (LEHMANN 1882). Die daraus sich entwickelnden Aktivitä- ten reichen bis in die Gegenwart. Die "Forschungen zur deutschen Landeskunde" und "Berichte zur deutschen Landeskunde" als Grundlage und Ergebnis landeskundficher Forschung hat KIRCHHOFF dann über Jahrzehnte persönlich geleitet.

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125 Jahre geographische Forschung und Lehre an der Universität Halle-Witttenberg

Durch sein Engagement für die Position der Geographie als Schulfach, seinen Einfluß auf die Ent- wicklung der Länder- und Landeskunde, seinen Beitrag zur Entwicklung des Studiums der Geographie und die jahrzehntelange erfolgreiche Gewährleistung des Lehrstuhls für Geographie an der Universität Halle hat ALFRED KIRCHHOFF seinen Ruf als Pionier der Geographie gesichert.

KIRCHHOFFS Nachfolger wurden EDUARD BRÜCKNER und ALFRED PHILIPPSON. Beide sind typische Ver- treter einer jüngeren Entwicklungsstufe des Fachs, die vom Geographiestudium angeregt, durch theo- retisch orientierte und methodisch gesicherte Objektforschung Erkenntnisse suchten und verdichteten.

Beide kamen bereits als fachlich hoch ausgewiesene Hochschulgeographen nach Halle.

BRÜCKNER hatte von 1888 bis 1904 die Lehrkanzel für Geographie an der Universität Bern betreut.

Nach zwei Jahren - 1906 - folgte er einem Ruf an die Universität Wien, als Nachfolger von ALBRECHT PENCK. Er beherrschte geomorphologische und geologische Feldforschung ebenso wie klimatologi- sche und hydrographische, also vorwiegend statistische Arbeitsmethoden, und hatte sich Erfahrungen in der modernen Kartographie angeeignet. Er war durch eine große Zahl von Publikationen zu geo- morphologisch-geologischen Themen der aktuellen wie eiszeitlichen Vergletscherung der Alpen, zu erdgeschichtlichen wie auch postglazialen und aktuellen Klimaschwankungen, u.a. die BRüCKNERsche Periode von rezenten, 34 bis 35 Jahre währenden Klimaphasen, ausgewiesen (BRÜCKNER 1890 und 1891, PENCK 1928).

Seine Dissertation über den eiszeitlichen Salzach-Gletscher (BRüCKNER 1886) leitete eine jahrzehnte- lange Zusammenarbeit mit ALBRECHT PENCK ein, deren zusammen.fassendes Resultat die epochema- chende dreibändige Publikation über "Die Alpen im Eiszeitalter" (PENCK & BRÜCKNER 1909) war. Sie befand sich während seiner hallenschen Zeit gerade im Schlußstadium der Bearbeitung, so daß er auch in dieser Phase noch jede Gelegenheit nützte, in den Alpen zu arbeiten.

BRüCKNERs Lehrveranstaltungen, vorwiegend physisch-geographischen Themen gewidmet, mußten sich durch ihre Aktualität, methodische wie theoretische Durchdringung erheblich von denen seines Vorgängers unterscheiden. Er führte neben den kartographischen Übungen Seminare mit erheblicher Selbstbeteiligung der Studenten ein und setzte, sehr zur Überraschung der Studenten, auch Exkursio- nen durch.

Einen ganz anderen Stil als Geograph repräsentierte ALFRED PHILIPPSON. Er war wie sein Vorgänger in Halle geographischer Feldforscher und hatte bis 1904 bereits 17 Jahre lang, akribisch in seinen Tage- büchern nachgewiesen, in Griechenland und Kleinasien gearbeitet (KIRSTEN 1956, LEHMANN 1956).

Ergebnisse dieser später noch fluktuierend weitergeführten Studien sind eine Fülle von Monographien und Einzelpublikationen über den genannten Raum. Sie wiesen PHILIPPSON über Jahrzehnte als den besten Kenner der Räume des östlichen Mittelmeerraums aus. Er setzte, wie vor allem seine bekann- testen Werke bis zum ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts zeigen, die theoretischen und methodi- schen Vorstellungen von FERDINAND VON RICHTHOFEN in Gebieten um, die bis zu dieser Zeit weder kartographisch oder anderweitig thematisch aufgenommen waren. Die Feststellung, sie wären vor allem Landeskunden auf geologischer Grundlage, trifft jedoch nicht zu, auch wenn er der Erkundung des geologische Gebirgsbaus, für den einfach die meisten Grundlagen fehlten, viel Zeit und Darstel- lungsraum widmete. Wie stark solche zu Beginn unseres Jahrhunderts entstandenen Studien noch zum Verständnis aktueller Raumprobleme beitragen können, läßt sich überzeugend bei der Lektüre von PHILIPPSONs "Peloponnes" (1892), seiner Gesamtdarstellung des "Mittelmeergebiets" (1904) oder dem "Türkischen Reich" (1915) erkennen, die bis bzw. während seiner Tätigkeit in Halle entstanden.

Mit ALFRED PHILIPPSONs Lebenslauf werden wir an die rassische Diskrimierung im sog. Dritten Reich erinnert. PHILIPPSON wurde 1942 im Alter von 78 Jahren mit seiner Familie in das KZ Theresienstadt deportiert (LEHMANN 1956). Festzustellen bleibt, daß weder zu jener Zeit ein wirksamer oder später irgendein deutlicher Protest aus Fach- oder weiteren Universitätskreisen bekannt geworden ist. Aller- dings wäre in jener Zeit auch eine ganz andere Portion von Zivilcourage, von absoluter persönlicher Risikobereitschaft notwendig gewesen als beim Protest gegen politisch motivierte Mißgriffe früherer oder späterer Zeiten.

1911 wird OTTO SCHLÜTER nach Halle berufen. Er studierte als Schüler von KIRCHHOFF und arbeitete später bei FERDINAND VON RICHTHOFEN in Berlin. SCHLÜTERS wissenschaftliche Aktivitäten sind zeitlich deutlich gegliedert (LAUTENSACH 1952). Bis zu seiner Berufung nach Halle beteiligt er sich sehr lebhaft an der Theorie-Diskussion. Am Ende des 19. Jahrhunderts stand der wissenschaftliche Rahmen der Geographie, vor allem die Position der Anthropogeographie, immer wieder zur Disposition. Er erkennt die beiderseitigen Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft zwar wie FRIEDRICH RATZEL und

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FERDINAND VON RICHTHOFEN an, betont jedoch die primäre Unabhängigkeit der Kulturinhalte des Rau- mes vom Natureinfluß. In seiner Berliner Antrittsvorlesung weist SCHLÜTER als selbständige Objekte einer Geographie des Menschen auf "die große Gruppe der Spuren (hin), welche die menschliche Tätigkeit in der Landschaft hinterläßt" (SCHLÜTER 1906, S. 28). Er faßt darunter vor allem die Siedlun- gen, die Bodennutzung und die Verkehrswege zusammen. Die philosophisch fundierte Behandlung dieses Themas, die OTTO SCHLÜTER (1907) demonstrierte, könnte noch bei aktuellen fachtheoreti- schen Diskussionen als Beispiel dienen. In den Folgejahren, beinahe zeitgleich mit seiner Berufung nach Halle, orientiert sich SCHLÜTER auf die siedlungsgeographische Forschung und den historisch- geographischen Ansatz, die er mit der Dissertation (SCHLÜTER 1896) noch bei KIRCHHOFF und seiner Habilitationsschrift (SCHLÜTER 1903) in vielseitigen Formen aufgenommen hatte.

Zwei der in den fruchtbaren Arbeitsjahren in Halle entstandenen Publikationen begründeten seine wis-

senschaftlichen Langzeitwirkungen. Unter dem Thema der "Siedlungsräume Mitteleuropas in frühge- schichtlicher Zeit" faßt SCHLÜTER eine große Anzahl von Studien zusammen, die er in drei Jahrzehnten durchführte oder angeregt hatte. Sie sind in drei Abschnitten erschienen. Der erste (SCHLÜTER 1952b) enthält eine knappe Erläuterung des Ansatzes und der Methodik einer Karte, die im Maßstab 1 : 1,5 Mio. die für das 5./6. Jahrhundert abgeleiteten Siedlungsflächen und die in jener Phase noch naturnahen Flächen ausweist. In zwei weiteren Bänden (SCHLÜTER 1953 und 1958) folgen die umfas- senden regionalen Erläuterungen. Trotz mancher Kritik (z.B. KÄUBLER 1964), die den von SCHLÜTER angenommenen Zeitpunkt des Frühgeschichtlichen sowie einige der verwendeten Methoden betreffen, waren Ansatz und Ergebnis beispielhaft für die historisch-geographische Forschung insgesamt.

Daneben hat OTTO SCHLÜTER großen Anteil an der Konzeption und Durchführung eines umfassenden historisch-geographischen Atlas, des "Mitteldeutschen Heimatatlas". Das Vorhaben war von der Histo- rischen Kommission der Provinz Sachsen schon Jahrzehnte vordem als Geschichtsatlas dieser Pro- vinz bedacht worden. SCHLÜTER (1935 ff.) empfand dieses Mitteldeutschland als "eine der ausgepräg- testen und sehr geschlossenen Landschaftsindividuen". Das gilt vor allem für seine historische Ent- wicklung, bei der das Haus Wettin schon sehr zeitig kulturell-sprachliche zusammenhänge beeinfluß- te, vor allem aber dessen frühe wirtschaftliche Entwicklung förderte. Dieses Werk setzte die in den zwanziger Jahren in Mitteldeutschland wachsende Identifizierung von Wirtschaft, Bevölkerung und Politik mit dieser vor allem wirtschaftlich höchst aktiven Region um.

SCHLÜTER konzipierte diesen in einer beispielhaften Gemeinschaftsarbeit produzierten Atlas "im Sinne einer stärkeren Betonung der geographischen Landeskunde". Die 1. Auflage dieses Atlas ist wegen des Krieges nicht völlig fertiggestellt worden.

Die 2. Auflage, die nach 1945 rasch folgte und entsprechend den nach 1945 veränderten politischen Bedingungen unter dem Titel "Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes" (SCHLÜTER & AUGUST 1959) erschien, ist durch erhebliche thematische Erweiterung - drei umfangreiche Erläuterungsbände mit zusätzlichen Karten und Abbildungen - in hervorragender Form realisiert worden. Besonderen An- teil am Ausbau und der Fertigstellung dieses Werkes hatte OSKAR AUGUST, einer der profiliertesten Schüler und späteren Mitarbeiter SCHLÜTERs.

OTTO SCHLÜTER bildete viele Generationen von Geographie-Studenten aus. Obwohl seine Publikatio-

nen in der langen Arbeitsphase in Halle insbesondere der Siedlungs- und Historischen Geographie

gewidmet waren, hat er umfassend gelehrt und entsprechend weitgefächerte Interessen erweckt. Das kommt in dem breiten thematischen Spektrum der über 50 Dissertationen zum Ausdruck, die er an- regte und betreute (SCHLÜTER 1952a).

Daneben gelang es ihm, dem Geographisches Seminar Räumlichkeiten in der Gustav-Nachtigal- Straße 26 zu sichern, die bei weitem günstigere Arbeitsmöglichkeiten boten. Das Gebäude wird von einem Teil des Instituts noch in der Gegenwart genutzt.

Dieses Ergebnis ist umso bemerkenswerter, als in den zwanziger Jahren die hallesche Universität erheblich an Ansehen verlor. So stand 1935 ihre Auflösung oder Verlagerung zur Diskussion. Wenige Jahre später sollte sie als Universität des neue11 Reichsgaus Sudetenland nach Eger bzw. dann nach Posen in den sogenannten Warthegau verlegt werden (ZÖLLNER 1994).

1938 wurde OTTO SCHLÜTER emeritiert. Er war ein führender Vertreter der Anthropogeographie, insbe- sondere der Historischen und der Siedlungsgeographie. Auch gegenwärtig ist z.B. das von ihm ange- regte Atlaswerk hervorragendes Beispiel landeskundlicher Atlanten im umfassenden Sinn und uner- setzbares Quellenwerk mitteleuropäischer Kulturlandschaftsforschung. Die Umstände der folgenden

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125 Jahre geographische Forschung und Lehre an der Universität Halle-Witttenberg

Zeit - Zweiter Weltkrieg, Besatzungszeit und die Gründungsjahre der DDR - haben OTTO SCHLÜTER noch bis 1951 zur Wahrnehmung von Lehrveranstaltungen und Dienstgeschäften für das Geographi- sche Seminar veranlaßt.

Als Schlüters Nachfolger berief die Fakultät ADOLF WELTE, der wegen seiner besonderen Leistungen auf historisch-geographischem Gebiet das Interesse ScHLÜTERs auslöste. WELTEs im weitesten Sinne landeskundliche Arbeiten befaßten sich insbesondere mit Mainfranken (WELTE 1931 und 1937). WELTE war ein sehr stark national geprägte Persönlichkeit. Diese Position drückte er in zahlreichen freiwilligen Verpflichtungen zu militärischer Tätigkeit und Qualifikation, in der Forschung auch durch die Anwendung politisch-geographischer Ansätze bei zahlreichen länderkundlichen Studien (WELTE 1936 und 1941) aus (SCHREPFER 1943). Weites Lehrtätigkeit mußte bereits während des Frankreich- Feldzuges 1940, dann ab 1941 im Verlauf des Krieges gegen die Sowjetunion von OTTO SCHLÜTER übernommen werden. Im Januar 1943 fiel ADOLF WELTE im Kessel von Stalingrad, kurz vor dem Ende dieses Dramas.

Die folgende Mitarbeit am Lehrbetrieb des Geographischen Seminars durch KARL DIETZEL, dem Di- rektor des Kolonialgeographischen Instituts an der Leipziger Universität und die Berufung von OSKAR SCHMIEDER 1944 als Nachfolger WEL TES waren nur von kurzer Dauer. OSKAR SCHMIEDER gehört in den engsten Kreis hervorragender deutscher Länderkundler, dessen Werke vor allem durch seine stets kritische, bewertende Position auch aktuell noch lesenswert sind (BÄHR 1981). SCHMIEDER leitete seit 1941 die Deutsche Geographische Gesellschaft. Sie war ein Novum in der sonst leider von außeror- dentlichem Partikularismus geprägten Geographie-Organisation Deutschlands. SCHMIEDER verließ Halle Ende Juni 1945 - wie auch KARL DIETZEL und HEINRICH SCHMITTHENNER in Leipzig - mit den von den US-Truppen zusammengestellten Wissenschaftler-Transporten, als die alliierten Truppen, dem Jalta-Abkommen entsprechend, den westlichen Teil der erweiterten Sowjetischen Besatzungszone räumten.

2 Die Hallesche Geographie in der SBZ und der frühen DDR

In der Sowjetischen Besatzungszone und den ersten Jahren der DDR wurde OTTO SCHLÜTER durch eine höchst sensible Aufgabe beansprucht. Er war 1923 zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der ältesten naturwissenschaftlichen Akademie auf deutschem Boden sowie überhaupt in Europa, berufen worden. 1942 wurde er deren Vizepräsident.

In dieser Position stand SCHLÜTER seit 1945 vor einer unerwarteten, völlig neuartigen Situation. Da der damalige Präsident der Akademie, EMIL ABDERHALDEN, mit den Amerikanern ebenfalls Halle verlassen mußte, bestanden für OTTO SCHLÜTER als Vizepräsident zwei delikate Aufgaben: 1. Sicherung des weiteren organisatorischen Bestands der Akademie und 2. ihrer materiellen Werte. Letzteres ist nur zu einem Teil gelungen, da die wertvollen Buch- und Kunstbestände der Akademie während es Krieges ausgelagert wurden und nicht vor dem Abtransport in die Sowjetunion zu bewahren waren. Dort ruhen

sie, von wenigen Ausnahmenen abgesehen, leider auch jetzt noch.

Dagegen gelang es, die aktuelle und zukünftige wissenschaftliche und politische Bedeutung dieser Akademie, die Naturwissenschaftler und Mediziner aus Deutschland und dem Ausland verbindet, deut- lich zu machen. Damit konnten auch die restriktiven Maßnahmen der Sowjetischen Militäradministrati- on unterlaufen werden, die für die SBZ alle öffentlichen nichtstaatlichen Aktivitäten untersagt hatte (MOTHES 1978, PARTHIER 1994). So fand im Februar 1952 die 300-Jahr-Feier der Leopoldina in würdi- ger Weise in Halle statt. Da es gelungen war, den Bestand der Akademie auch gegen die Anweisun- gen der Sowjetischen Militäradministration zu sichern, war für die Akademie keine Wiedereinrichtung erforderlich. Die Feier stand unter der Leitung von OTTO SCHLÜTER, der jetzt noch zum XXI. Präsiden- ten der Akademie gewählt wurde.

Der Einfluß der SMA und der sowjetischen Geheimpolizei machte sich an der halleschen Universität noch lange, selbst durch krasse personelle Eingriffe bemerkbar. So wurde Anfang 1952 ADOLF KARGER, Geographiestudent im 3. Studienjahr, aus völlig haltlosen Gründen zu 25 Jahren Straflager verurteilt. Bis 1955 wurde er in verschiedenen sowjetischen Lagern, anfangs auch in dem besonders berüchtigten Workuta, festgesetzt. ADOLF KARGER, 1968 zum Professor für Geographie Osteuropas an der Universität Tübingen berufen, hat trotz dieser bitteren Erfahrungen wesentliche Beiträge zur Kul- turlandschaftsforschung in Ost- und Südeuropa, vor allem zur Erkenntnis der Beziehungen zwischen Ideologie, Politik und Raumentwicklung in der Sowjetunion, geleistet (GREES & KOHLHEPP 1989).

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Die integre Persönlichkeit OTTO SCHLÜTERs und seine hohen persönlichen Leistungen schufen zu- gleich wesentliche Bedingungen für die Weiterführung des Geographischen Seminars der Universität Halle. OTTO SCHLÜTER übernahm seit der Eröffnung des Lehrbetriebs an der Universität im Februar 1946 erneut dessen Leitung und bot Lehrveranstaltungen an. Zu den Hörern dieses schon im 8. Le- bensjahrzehnt stehenden Gelehrten zählten u.a. GERHARD MOHS, ERWIN MÜCKE und HELLMUT HARKE, die später Lehrstühle für Ökonomische, Physische bzw. Regionale Geographie an der Sektion Geo- graphie der Universität erhielten.

Nachdem zwischen 1947 und 1949 wiederholte Berufungsbemühungen der Naturwissenschaftlichen Fakultät für die Nachfolge von SCHLÜTER scheiterten (LINKE 1991 ), wurde 1951 ERNST NEEF als kom- misarischer Direktor des Instituts bestellt. 1951 wurde ebenfalls RUDOLF KÄUBLER eine Dozentur am Seminar übertragen, dessen Leitung er - nach seiner Berufung zum Professor - ein Jahr später von NEEF übernehmen konnte.

ERNST NEEF war 1949 nach Leipzig berufen worden, wo er als Direktor des Geographischen Instituts bis 1958 wirkte. In diesem Zeitraum wurden in einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen ERNST NEEF und GERHARD SCHMIDT, an der sich bald die Mitarbeiter beteiligten, die Grundlagen der später sogenannten NEEFschen oder Leipziger Schule der Landschaftsökologie gelegt. NEEF hat diese Phase gern als seinen produktivsten Zeitraum bezeichnet (RICHTER 1998).

Sein wissenschaftliches Hauptinteresse widmete ERNST NEEF in jenem Studienjahr 1951/52 mit dop- pelter Lehrbelastung noch den Erfahrungen, die er von 1945 bis 1949 in der Landesplanung Sachsen gesammelt hatte. Für Halle war er deshalb wohl der erste Geograph, der Theorie und Praxis ange- wandter Landschaftsforschung demonstrierte. Seine wichtigsten Publikationen aus dieser Zeit - Kau- salitätsprobleme in der Gestaltung der Kulturlandschaft, zum Standort, zur städtebaulichen Grundla- genforschung und zur Landesplanung (NEEF in: Barthel 1983) - werden von dem zentralen Ansatz bestimmt, die aktuellen kausalen, zum Teil auch historisch bedingten räumlich wirksamen Kräfte und ihre Überlagerung zu entschlüsseln und theoretisch zu durchdringen.

RUDOLF KÄUBLER studierte bei WILHELM VOLZ in Leipzig, wo er sich 1939 mit einer Arbeit über sied- lungsgeographische Probleme in Nordwestböhmen habilitierte (KÄUBLER 1958 und 1963a). Weitere Schwerpunkte von RUDOLF KÄUBLERs wissenschaftlicher Arbeit waren Historische Geographie (KÄUBLER 1938, 1961 und 1970) und Geschichte der Geographie (KÄUBLER 1963b und 1973). In der Feldarbeit verband RUDOLF KÄUBLER in ausgezeichneter Weise historische Arbeitsmethoden mit geo- morphologischer Forschung. Insbesondere untersuchte er Klein- und Kleinstformen des Reliefs als Zeugnisse bestimmter, meist historischer Feldbearbeitung sowie geomorphologischer Prozesse, die in der Feldflur durch Rodung oder Bodenbearbeitung beschleunigt werden. RUDOLF KÄUBLER setzte damit die kulturlandschaftliche Forschung OTTO SCHLÜTERs in sehr individueller Form fort.

In der Arbeitsphase RUDOLF KÄUBLERs nahm, neben der Bildung einer Abteilung für Ökonomische Geographie (Leitung HELLMUT HARKE) und der Überführung des Seminars in ein Institut, die Zahl der Mitarbeiter bereits deutlich zu. Dadurch wurde das Forschungsspektrum breiter, wie die von RUDOLF KÄUBLER eingerichteten "Mitteilungen des Geographischen Institutes der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg" deutlich erkennen lassen. Als Beispiel sei auf das Heft 10 (1968) verwiesen, in dem geomorphologische, siedlungs- und historisch-geographische und kartographische Arbeiten von RUDOLF KÄUBLER und seinen Mitarbeitern zusammengestellt wurden.

RUDOLF KÄUBLER war seit 1959 Mitglied der Leopoldina, Sekretar für Naturwissenschaften und wurde 1970 Ehrenmitglied ihres Präsidiums. Er führte Diskussionen z.B. in seinen Kolloquien und in manchen Publikationen betont kritisch, konnte im persönlichen Umgang jedoch sehr herzlich und offen sein. Er hat mit Nachdruck manche schwierige persönliche Situation geklärt und gelöst.

Als RUDOLF KÄUBLER 1952 die Leitung des Instituts übernahm, waren weitere wesentliche Verände- rungen im Hochschulwesen der SBZ und dann der DDR bereits eingeleitet oder schon vollzogen (LINKE 1991, RUPIEPER 1994, SCHMIDT & RICHTER 1995). Ihr Ergebnis war die wachsende Politisierung des Hochschulwesens auf einseitiger Basis des Marxismus-Leninismus. In der Geographie betrafen die Auswirkungen vor allem die Anthropogeographie und die Länderkunde.

Der Dogmatimus, der für die politisch-ökonomische Geographie zunächst charakteristisch war, ist nach wenigen Jahren gemildert bzw. weitestgehend abgebaut worden. Ähnlich verlief die Entwicklung für die Länderkunde, die sich trotz anfangs scharfer Kritik nach zwei Jahrzehnten als regionale For- schung revitalisierte. Anstöße für die regionale Forschung gab die Praxis der territorialen Planung, die

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125 Jahre geographische Forschung und Lehre an der Universität Halle-Witttenberg

von der Komplexität räumlicher Prozesse und Strukturen ausgehen muß. Sie war im Planungssystem der DDR stets hinter der bei weitem dominanten Volkswirtschaftsplanung angeordnet und dement- sprechend benachteiligt, wie es in einem kürzlich publizierten Überblick von KONRAD SCHERF (1998) nochmals ausführlich dargestellt wurde.

Daneben wuchs auch in sozialistischen Ländern der Bedarf an regionaler Information und nicht zuletzt für die Volksbildung. Maßgebend für die Pflege der Länderkunde als Regionale Geographie war schließlich die Erkenntnis, daß der sog. geographische Determinismus als wesentliche These für die Ablehnung der Länderkunde in der Geographie selbst schon längst überwunden war. Seine Bedeutung als Wurzel der Geopolitik konnte dann bestenfalls noch von denjenigen vertreten werden, die sich an dem Elaborat orientierten, das KARL HAUSHOFER (1940) unter dem Thema "Erdenmacht und Völker- schicksal" aus FRIEDRICH RATZELs Schriften für eine Feldpost-Ausgabe zusammengeschnitten hatte.

3 Die Sektion Geographie 1969 - 1991

Als mich mein Berufsweg wegen der Auflösung des Geographischen Instituts der Leipziger Universität im Zusammenhang mit der sog. 3. Hochschulreform nach Halle führte, eröffnete RUDOLF KÄUBLER das erste diesen Vorgang betreffende persönliche Gespräch mit der für ihn bezeichnenden Lebhaftigkeit:

"Ich habe an der Auflösung Ihres Leipziger Instituts keinen Anteil und bedaure diese Entwicklung sehr.

Froh bin ich darüber, daß jetzt meine Emeritierung bevorsteht und mir die weitere Entwicklung erspart bleibt. Ihnen wünsche ich, daß Sie sich schließlich hier doch wohler fühlen mögen. Halle war und ist immer besser als sein Ruf". Das war ein gutes Wort zur rechten Zeit, das sich in verschiedener Form bestätigte.

Ein wesentliches Merkmal der 3. Akademie- und Hochschulreform in der DDR war die Konzentration wissenschaftlicher Einrichtungen. Als vorrangig zitierte Ziele wurden die Erhöhung ihrer Leistungsfä- higkeit für die Forschung und Ausbildung durch mehr wissenschaftliche Spitzenleistungen sowie Bei- träge für die Produktion und Volkswirtschaft und Einführung des sog. wissenschaftlich-produktiven Studiums, ohne Erweiterung der Stellenpläne, genannt. Nicht zuletzt sollte wohl die führende Position der SED in der Leitung der Einrichtungen gewährleistet werden.

An den Universitäten Berlin, Greifswald und Halle sowie an den Pädagogischen Hochschulen in Pots- dam und Dresden wurden Geographie-Sektionen gebildet, weitere kleinere geographische Einrichtun- gen in Rostock, Halle und Dresden an Sektionen benachbarter Disziplinen angegliedert. Die Geogra- phischen Institute der Universitäten Rostock, Jena und Leipzig wurden aufgelöst. Für die freiwerden- den Planstellen in Jena und Leipzig wurden Äquivalente an der Universität Halle ausgewiesen, Umbe- rufungen und Übernahme der betreffenden Wissenschaftler zugesagt und, sofern Zustimmung vorlag, auch realisiert.

Für die Geographie in der DDR insgesamt von positiver Bedeutung war die gleichzeitige Überführung des Deutschen Instituts für Länderkunde zu Leipzig in die Akademie der Wissenschaften der DDR.

Dieses Institut wurde in kurzer Zeit zu einem, den Akademie-Instituten der sozialistischen Länder ver- gleichbaren Forschungsinstitut ausgebaut und später in das Institut für Geographie und Geoökologie der Akademie der Wissenschaften der DDR (IGG d. AdW d. DDR) umbenannt. Es war nicht nur ein isoliertes Zentralinstitut für geographische Forschung, sondern benötigte und förderte dementspre- chend die Zusammenarbeit mit Universitäts-Instituten bzw. nunmehr Sektionen (HöNSCH 1996).

Die zum Teil tiefwirkenden Entscheidungen zur Entwicklung der Hochschulgeographie und vieler ande- rer Wissenschaften wurden unter Ausschluß jeder Öffentlichkeit getroffen und trotz des massiven Ein- spruchs zahlreicher Betroffener durchgesetzt (RICHTER 1998). Diese Dunkelmänner-Politik war eine außerordentliche Belastung. Aber die SED fühlte sich zu dieser Zeit stark genug, wie sie auch mit an- deren Maßnahmen jener Zeit, u.a. der Sprengung der Universitätskirche in Leipzig, demonstrierte.

Die Bildung der Sektion Geographie in Halle bereitete wegen der in der Geschichte der Universität stets sehr begrenzten Raumsituation erhebliche Schwierigkeiten, um die aus Jena und vor allem Leip- zig zugeführten umfangreichen Sammlungen sowie den größeren Personalbestand unterzubringen.

Für die Zugänge aus Leipzig und Jena mußte in einer Blitzaktion ein Teil der Räumlichkeiten in der sog. Neuen Residenz des Kardinals Albrecht am Domplatz geräumt werden, darunter ein sehr wert- volles Museum der mitteldeutschen Geologie.

In die Sektion· Geographie wurden neben der Abteilung für die Methodik des Geographie-Unterrichts noch Reste des 1967 aufgelösten Geologisch-Paläontologischen Instituts eingegliedert (BosE 1969).

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Die ursprünglich anderen Sektionen unterstellten Institutsteile - die Paläontologie mit dem weltbe- rühmten Geiseltalmuseum und die Mineralogie - konnten mit nachhaltiger Unterstützung durch die Geographie nach kurzer Zeit ebenfalls in den Wissenschaftsbereich Geologie der Sektion Geographie zurückgeführt werden. Die Sektion gliederte sich schließlich neben dem WB Geologische Wissen- schaften mit Geiseltalmuseum in die Wissenschaftsbereiche Physische, Ökonomische sowie Regio- nale Geographie und Geographie-Methodik.

Die Leitung der Sektion lag von 1969 bis 1975 bei GERHARD MOHS (LüDEMANN 1988), der bereits in Leipzig eine Professur für Politische und Ökonomische Geographie erhalten hatte, wenige Jahre dann bei SIEGFRIED HERRMANN (KOHLMANN 1982), einem Vertreter der Geographie-Methodik, die längste Zeit, von 1978 bis 1988 und nochmals 1990/91, bei ERWIN MOCKE (OELKE 1989), einem Vertreter der Physischen Geographie sowie ECKHARD OELKE, Vertreter der Regionalen Geographie, von 1988 bis 1990.

Wegen des chaotischen Starts und des dadurch verständlichen Mißtrauens bestanden zwischen den Mitgliedern der drei zusammengeführten geographischen Institute anfangs starke mentale Belastun- gen. Trotzdem hat sich die Sektion Geographie nach einigen Übergangsjahren zu einer Hochschulein- richtung entwickelt, die mit der Ausbildung von Oberstufenlehrern und Diplomgeographen sowie ihrer Kreativität in der Forschung erhebliche Leistungen erbrachte. Das gilt sowohl für die Geographie als auch die Geologie.

Die Universitätsforschung sollte zu dieser Zeit durchweg als Vertragsforschung angelegt sein. Die Formen dieser vertraglichen Bindung veränderten sich allerdings in kurzer Zeit. Begründet mit der Forderung nach mehr Leistung mit volkswirtschaftlicher Wirkung hatte jede Einrichtung, mit 1970 be- ginnend, einen gewichtigen Teil ihrer Mittel durch Forschungsleistung für außeruniversitäre Partner zu erwirtschaften. Für die Sektion waren das z.B. 1971 etwa 250 TM, die durch Verträge mit der Staatli- chen Plankommission, dem Rat des Bezirkes Halle, der Wasserwirtschaft und kleineren Partnern ge- bunden waren.

Allerdings verschwand diese Form von Forschungsverträgen nach wenigen Jahren. Universitätsarbeit kann durch kurzfristige Bindungen in der Regel nicht sinnvoll realisiert werden, Industrie und Verwal- tung benötigen aber meist, solange sie selbst keine Erfahrung und Vorlauf haben, Ergebnisse in kur- zen Fristen. Trotzdem sind auch bei diesen umfangreichen Kollektivarbeiten nennenswerte Ergebnisse erzielt worden. Hier sei auf die Wertungen von MOCKE (1981) und LINKE (1991 )verwiesen.

Die Konzentration der Forschung wurde jedoch auch weiterhin durch umfassende Forschungsthemen stimuliert, die in den sog. Hauptforschungsrichtungen der Akademie der DDR zu verteidigen waren. Sie hatten eine allgemeine Zielstellung, konnten jedoch in zahlreiche Teilthemen aufgelöst werden. Eine Reihe dieser gleichfalls umfangreichen Forschungsberichte ist über die Bibliographie zu erschlie- ßen, die HöNSCH et al. (1995) für das IGG der AdW der DDR anlegte.

Wegen der mehrjährigen Anlage dieser Forschungsthemen war es möglich, die meisten akademi- schen Prüfungs- und Qualifizierungsarbeiten unter einem solchen Dach unterzubringen. Damit ist es zu erklären, daß ein wesentlicher Teil des wissenschaftlichen Ertrags dieser zwei Jahrzehnte in den Qualifikationsarbeiten lag. Ein Verzeichnis der zwischen 1970 und 1990 in der Sektion Geographie vorgelegten geographischen Dissertationen und Habilitationsschriften führt über 90 Titel an. Es er- scheint jedoch nicht vollständig. Dazu mögen verschiedene Ursachen beigetragen haben.

Kleinster gemeinsamer Nenner für den Gegenstand der Geographie, der häufig modifiziert in sehr zahlreichen Papieren ausgedruckt wurde, war eine kurze Definition, nach der ihr Gegenstand Struktu- ren und Dynamik von Natur- und Wirtschaftsräumen sind, die für sich als gesetzmäßig geordnete Sy- steme auftreten (u.a. MOHS 1967). Da sie sich räumlich überlagern und interferieren, entstehen jedoch kompliziertere Strukturen, die vor allem die physische, natürliche Ausstattung verändern.

Wesentlich für die Zielstellung der Forschung war neben der Strukturforschung die ausführlichere Be- rücksichtigung der Dynamik, d.h. der aktuellen Prozesse, deren räumlich gebundene und modifizierte Wirkungen den gegenwärtigen Zustand und Wandel der Raumstrukturen bestimmen. Damit wurde mit Hilfe der sich sehr differenziert entwickelnden Untersuchungsmethoden ein methodologisch wesentli-

cher Bereich erschlossen. Die deutsche Landschaftsforschung hat über Jahrzehnte die Wirkungsgefü-

ge als wesentliche Merkmale zum Verständnis der räumlichen Differenzierung hervorgehoben. Da- runter verstand man überwiegend die Vergesellschaftung der Komponenten, dagegen nur in enger Auswahl und meist in beschreibender Form die Prozesse. Das gilt für natürliche ebenso wie für wirt-

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schaftliche und soziale Prozesse. Mit der Orientierung auf Prozeßforschung wurde die Analyse der historischen Zustände in der Forschung zwar nicht vernachlässigt, wie es gelegentlich beklagt wurde (LINKE et al. 1986), aber auf die Größenordnung zurückgeführt, in der sie zur Erkenntnis aktueller Pro- zesse und Strukturen beiträgt.

Als Folge der auf politische Abgrenzung orientierten Wissenschafts- und Wirtschaftspolitik der DDR widmete sich die geographische Forschung überwiegend Problemen der DDR. Diese Konzentration hatte teilweise positiven Einfluß auf die Problemwahl der Forschung und die stärker auf Anwendung bezogene Ausbildung. Über längere Zeit bewirkte sie, schon durch den Verlust an regionalen Ver- gleichsgrundlagen, Einengung, die durch den Austausch mit den RGW-Staaten nur gemindert wurde.

Allerdings bestanden in vielen grundsätzlichen Themen der Physischen Geographie, aber auch der Ökonomischen Geographie trotzdem mehr Austausch und Vergleich zwischen den Geographen in der DDR und der BRD als wegen der politischen Abgrenzung zu erwarten war.

Für die Ökonomische Geographie boten die industriellen Ballungs- und Verdichtungsräume, deren weitere Entwicklung in der DDR aus ideologischen Widersprüchen umstritten war, ergiebige Ansätze.

Gerhard Mohs hatte in den sechziger Jahren eine zentrale Arbeitsgruppe von Planern und Hochschul- lehrern geleitet (LÜDEMANN 1988, SCHOLZ & SCHMIDT 1988), die im Kontrast zur marxistischen These von der ausgeglichenen Entwicklung von Stadt und Land die Disparitäten der industriellen Leistung zwischen den Hauptstrukturtypen nicht infrage stellte. Die hohe Dichte von Bevölkerung, Infrastruktur und Vielfalt der Produktion wurden als wesentliche Voraussetzungen für die höhere territoriale Effekti- vität der Ballungs- und Dichtegebiete nachgewiesen. Sie mußte erhalten, verstärkt, jedoch nicht durch Abzug zu Gunsten etwa der Agrargebiete reduziert werden. Nicht die gleichmäßige räumliche Vertei- lung der industriellen Produktion, sondern die Sicherung vergleichbarer Lebensverhältnisse sollte das Ziel territorialer Strukturpolitik sein (MOHS 1968 und 1972). Den zahlreichen Teilfragen dieser für die Gestaltung der Raumstruktur grundlegenden Thematik haben sich auch sehr viele Qualifizierungsar- beiten und spezielle Forschungsansätze gewidmet (u.a. GRUNDMANN & SCHMIDT 1971, SCHOLZ 1971, KROLL 1975, SCHMIDT 1977, 1980 und 1985, SCHOLZ 1977).

In der Physischen Geographie wurden die in Leipzig von ERNST NEEF und GERHARD SCHMIDT in den fünfziger Jahren begonnenen Arbeiten zur Landschaftsökologie fortgesetzt. Nach den Erfahrungen umfassender landschaftsökologischer Untersuchungen dominierten regional differenzierte, meist großmaßstäbige Studien zu den Teilkomplexen Substrat, Boden, Wasser und Relief, da im Boden und auf der Oberfläche wesentliche Naturprozesse, wie der Umsatz von Wärme, von Wasser, von festen und gelösten Substanzen, erfaßt und quantifiziert werden können (u.a. SPENGLER 1973, THOMAS 1983, FRÜHAUF 1986). Sie haben auch die Möglichkeit geboten, den theoretischen Rahmen der Land- schaftsökologie zu erweitern (u.a. NEUMEISTER 1978, RICHTER 1979, REUTER 1983, OPP 1985).

Unter den Ansätzen, die sich speziellen Themen der allgemeinen Physischen Geographie widmeten, hat die Habilitations-Schrift von KUGLER (1974) besonderes Gewicht bekommen. Durch einen theore- tisch wie analytisch bestechenden Ansatz für die Analyse der Hanggestalt entwickelte HANS KUGLER ein auch in der landschaftsökologischen Forschung einsetzbares Verfahren. Er eröffnete damit für die in schematischen Verfahren erstarrte, nicht mehr anwendungsfähige Morphographie eine Vielfalt von Anwendungen. Diese theoretisch fundierte und für die landschaftsökologische Forschung anwen- dungsreife Morphographie ist weit über die deutsche Geographie hinaus verbreitet und angewendet worden.

Zum Zeitpunkt der Sektionsbildung bot sich eine hervorragende Gelegenheit, die Ansätze der Land- schaftsökologie erheblich zu erweitern und zu weiteren anwendungsreifen Lösungen zu führen. Anlaß war die Diskussion um das Landeskulturgesetz der DDR. Durch dieses 1970 emittierte Gesetz zur Nutzung und zum Schutz der Natur wurde zwar die zunehmende Umweltbelastung in Ostdeutschland nicht verhindert. Aber das Gesetz verbesserte die Möglichkeiten, die Ausbildung vieler interessierter Studenten auf Fragen des Umweltschutzes und der Umweltgestaltung zu lenken und die Landeskultur- bzw. Umweltforschung zu fördern (RICHTER & KUGLER 1972).

Insbesondere wurde die Untersuchung der Veränderungen erweitert, denen die natürliche Ausstattung durch die Flächennutzung und ihre Prozesse unterworfen ist. Sie berücksichtigte über die Bodennut- zung durch Land- und Forstwirtschaft hinaus vor allem die technisch stärker veränderten Nutzungsty- pen, also Siedlungen, besonders die Städte, die Bergbaugebiete, Einwirkung der wasserwirtschaftli- chen Maßnahmen und anderer Bereiche der Infrastruktur. Die Flächennutzung bestimmt wegen ihrer verschiedenen Aspekte - räumlich-organisatorisch lenkend und beanspruchend, naturnutzend und verändernd, historisch wie auch aktuell umwidmend - den wesentlichsten Kontaktbereich der Gesell-

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schaft und ihrer Technik zur Naturausstattung und macht ihn für die räumliche Struktur- und Prozeß- forschung zugängig. Mit ihrer Untersuchung entwickelten sich viele Berührungsflächen zwischen der Physischen und der Ökonomischen Geographie, die den territorial-organisatorischen Aspekt der Flä- chennutzung bereits früher in ihre Forschungen einbezog.

Unter den zahlreichen, in diesem Rahmen entstandenen Forschungsarbeiten sei u.a. auf die Beiträge zu Problemen der Flächennutzung (MÜCKE et al. 1976, RICHTER 1976, KRAUSE et al. 1980, SCHÖN- FELDER 1980 und 1984, WALOSSEK 1982, KÜHN 1983, KRAUSE 1991), den Ausbau der Stadtökologie (BILLWITZ 1977, BREUSTE 1986), zu Landschaftsschutz und -pflege (REUTER 1983) und zu Land- schaftsveränderungen und Sanierungsaufgaben des Braunkohle-Tagebaus (BöRNER 1978, BERKNER 1989) verwiesen.

Sehr stark wurde die Leistung der Sektion Geographie durch ihren technischen Ausbau beeinflußt, der eine erheblich vertiefte Behandlung bereits aufgenommener Themen ermöglichte und deren Themen- spektrum beachtlich erweiterte. Neben dem ständigen Ausbau des physisch-geographischen Labors, zunächst durch die Überführung der Leipziger Einrichtung und durch Investition, wurden zunächst die Rechenzentren der Universitäten genutzt, dann Rechentechnik in der Sektion eingesetzt. Dazu kamen schließlich die Nutzung der Luft- und schließlich Satellitenbildtechnik. Damit wurde beispielhafte Arbeit geleistet, in der der Nutzen der Geofernerkundung sowohl großmaßstäblich - in der Bodenerosions-, Boden-und Flächennutzungsanalyse - als auch kleinmaßstäblich in der Stützung regionaler Forschung nachgewiesen wurde. MAGDA THOMAS und MANFRED FRÜHAUF für das Labor, HANS KUGLER, GERD VILLWOCK, CORNELIA GLÄSSER für die Geofernerkundung, JOACHIM LEYKAUF und MICHAEL FAL- KENHAGEN für die Rechentechnik haben neben der Bewältigung der in der DDR meist schwierigen Beschaffung der Technik beispielhafte Forschungsarbeiten durchgeführt sowie die Erfahrungen auch in die Ausbildung und Qualifizierung transponiert (GLÄSSER 1981,VILLWOCK 1983, LEYKAUF 1984, SCHRÖDER1987, FALKENHAGEN198~.

Erwähnt sei, daß mit der Umweltforschung und erweiterten Luft- und Satellitenbildarbeit sehr viel staat- lich verordnete Geheimniskrämerei und persönliche Verbindlichkeiten verbunden waren, die manche der damit befaßten Hochschullehrer und Mitarbeiter übermäßig - und z.T. mit negativen Nachwirkun- gen bis in die Gegenwart - belasteten. Natürlich war andererseits viel Begeisterung und Standvermö- gen nötig, wenn man - wie z.B. HANS NEUMEISTER (1973) - zur Nutzung des Rechenzentrums der TU Dresden wochenlang nur Mitternachtsstunden angeboten erhielt, um die Bewertung und Nutzung landschaftsökologischer Datenserien mit Hilfe der Faktorenanalyse zu erweitern.

Die Beschränkung der Reisemöglichkeiten auf die sozialistischen Länder hat die Vielseitigkeit regio- nalgeographischer Forschung begrenzt. Deshalb wurden, neben zahlreichen regionalgeographischen Untersuchungen über DDR-Gebiete beinahe nur Literaturarbeiten (z.B. ALBRECHT 1985) produziert.

Publikationen wie über den Südjemen (VILLWOCK 1991 ), die auch eigene Auslandserfahrung verarbei- teten, blieben selten (SCHIEFERDECKER 1991 ). Eine gewisse Bereicherung stellten die Dissertationen dar, die Auslandsstudenten in Halle anfertigten und vorlegten (z.B. MUCHANGOS 1983).

Allerdings muß die unverhältnismäßig hohe Lehrbelastung berücksichtigt werden. Die Zahl der Stu- denten, die im Geographie-Lehrer- und Diplomstudium ausgebildet wurden, erreichte in der Phase der Sektion trotz des in der DDR üblichen numerus clausus ihr Maximum. Trotzdem hat die Geographie- Unterrichtsmethodik umfassende systematische Forschungen zum Schwerpunkt Funktion, Gestaltung und Einsatz von Lehrmaterial durchgeführt, die auch in der Qualität der Ausbildung für die Methodik des Geographie-Unterrichts zum Ausdruck kamen (PROTZE 1976 und 1987, KISSNER 1983, KISSNER et al. 1989).

Fraglos konnten die zahlreichen, traditionell angelegten Forschungslinien der Geologen wie Varisci- denforschung, Vulkanismus des Molasse-Stockwerks, Paläontologie der Saurier und Geiseltal-Eozän wegen der engen Kapazität nur neben den bestimmenden Sektionsthemen mit Erfolg betrieben wer- den (SCHWAB 1976, EIGENFELD 1977, HAUBOLD 1982, GLÄSSER & SCHWAB 1989). Es war den langjähri- gen praktischen Erfahrungen von RUDOLF HOHL in der geologischen Erkundung zu verdanken, daß die Umweltgeologie trotz der bereits reichlichen r=ülle von Forschungsansätzen aufgenommen wurde (HOHL 1971 ). Sie brachte damit Erfahrung in den Bereich der Umweltforschung sinnvoll ein.

Erwähnenwert sind die Initiativen von MANFRED REICHSTEIN, der in der Sektion praktisch im Alleingang die Fortschritte der planetarischen Erkundung verfolgte und diese sowohl in Lehrveranstaltungen, in umfassenden Buchpublikationen ( (REICHSTEIN 1979 und 1985) und vielseitiger Zusammenarbeit mit den überregionalen Einrichtungen dokumentierte. Aber er gab auch ein Beispiel für eine positive Re-

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aktion auf Widrigkeiten in seiner beruflichen Entwicklung als bereits habilitierter und fachlich ausge- wiesener Geologe.

Unter den Beziehungen, die die Sektion Geographie mit der Universität und Einrichtungen in Halle verband, sei die Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Agrargeographie, vertreten von WALTER ROUBITSCHEK, der Sektion Biologie, vor allem vertreten durch HERMANN MEUSEL und RUDOLF SCHUBERT und dem Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz der Akademie für Landwirt- schaftswissenschaften der DDR unter Leitung von LUDWIG BAUER und später HUGO WEINITSCHKE her- vorgehoben. Diese Kontakte haben die Ausbildung und Forschung der Sektion Geographie wesentlich bereichert.

Hochschullehrer und Mitarbeiter der Sektion Geographie waren in zahlreichen wissenschaftlichen Ko- operationen willkommen oder haben diese verantwortlich mitbestimmt, etwa die Entwicklung einer Lehrbriefserie für die Ausbildung der Diplomlehrer (HARKE), bei der Entwicklung des Atlas der DDR (KUGLER, RICHTER, SCHOLZ), für die Gestaltung wesentlicher Tagungen, u.a. auch für die Geschichte der Geographie (für den Australienforscher WILHELM LEICHHARDT, für CARL RITTER), für internationale wissenschaftliche Verbände (RICHTER & SCHÖNFELDER 1986) sowie bei zahlreichen Buchpublikationen, z.B. der Ökonomischen und Sozialen Geographie der DDR (SCHERF, SCHOLZ et al. 1990).

Die in der Forschungskooperation produktivsten Kontakte bestanden zum Institut für Geographie und Geoökologie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Leipzig, ferner zu Instituten der Moskauer Staatsuniversität und der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion in Moskau und lrkutsk sowie zu den ebenfalls langjährigen Forschungspartnern im RGW und bei der Studentenausbildung vor al- lem zu den Geographischen Instituten der Universitäten in Poznan, Thorun, Wroclaw, Warschau, Brno und Bratislava. Zum Teil haben sich daraus langzeitlich tragfähige fachlichen Beziehungen entwickelt.

Trotz organisierter und ständig kontrollierter Behinderung, die sich zeitweise zur massiven Bedrohung erweiterte, ging der fachliche und persönliche Kontakt mit der Geographie-Entwicklung in der Bundes- republik und anderweitig nicht verloren. Das hat sich, wenn auch im fachlichen Umfang unterschied- lich, u.a. sehr deutlich in der bundesdeutschen Literatur widergespiegelt. Die Unterstützung, die wir in diesen zwei Jahrzehnten wissenschaftlich und persönlich erhielten, war vielseitig und nützlich. Man muß sie auch heute dankbar anerkennen.

Wie fügt sich dieses nach Dokumenten und der Erinnerung entworfene, im Ergebnis viele positive Momente zeichnende Bild in die allgemeine Vorstellung vom Hochschulwesen der DDR oder selbst der Martin-Luther-Universität ( LUCKNER 1994)? Ganz sicher unterschied sich die Sektion nicht durch den von der SED gegebenen Rahmen des Kommando- und Überwachungs-Systems der DDR, der sich jeden Tag und bei jeder Gelegenheit, also auch völlig unerwartet bemerkbar machen konnte. Ob- wohl die Sektionsdirektoren selbstverständlich der Parteigruppe der SED verpflichtet waren, haben sie auch Wege selbständiger Entscheidung nicht gescheut. Andererseits hat es grobe Ungerechtigkeiten gegeben, die erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands egalisiert wurden, allerdings um z.T. wie- der neue auszulösen.

Selbstverständlich wußte man, welche Nachteile die in der DDR übliche Berufungs-Inzucht für eine wissenschaftliche Einrichtung mit sich brachte. Wären andere Gelegenheiten geboten gewesen, hätte sich die Mehrzahl der Mitarbeiter und Hochschullehrer mit besten Erfolgschancen einer beliebigen Berufungs-Konkurrenz in Deutschland gestellt. Sie hätten auch die dringend notwendige Erfahrung in der Auslandsforschung außerhalb der RGW-Staaten erworben oder erweitert.

Selbstverständlich kann man nach dem Ende der DDR und des größten Teils des internationalen so- zialistischen Systems die Frage nach dem Bestand der unter den Farben der DDR erzielten wissen- schaftlichen Leistungen stellen. Reduzieren sich diese Ergebnisse acht Jahre nach der Wiedervereini- gung auf ein Glasperlenspiel, das bestenfalls und wenn überhaupt zur Selbsterkenntnis von Nutzlosig- keit führt? Sicher ist das für denjenigen nicht der Fall, der die historische Gebundenheit insbesondere gesellschaftswissenschaftlicher Erkenntnis akzeptiert und andererseits die Regeln der Halbwertzeit wissenschaftlicher Erkenntnisse kennt. Wie nicht anders zu erwarten, hat die wissenschaftliche Lite- ratur, sofern sie sich um solche Begleiterscheinungen der deutschen Wiedervereinigung überhaupt bemühte, sehr differenzierte Antworten gegeben.

Im April 1991, so kann man dem Studienführer entnehmen, wurde die Sektion Geographie aufgelöst und ein Fachbereich Geowissenschaften mit den Instituten für Geographie und Geologie mit Geisel-

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talmuseum gegründet, d.h. den Bedingungen der Martin-Luther-Universität Halle im wiedervereinigten Deutschland angepaßt.

4 Das Institut für Geographie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Daß Ereignisse größter historischer Wichtung für das Individuum oft in alltäglichen Vorgängen, selte- ner in solchen exzentrischen Inhalts ablaufen, hat Boris Pasternak mit den Erlebnissen seines Dr. Schiwago eindrücklich dargestellt. Manches Fragment ähnlicher Ereignisse bleibt auch ohne ro- manhafte Verdichtung lebendig. So hat es immer, seit dem Bekanntwerden der Perestroika Gorba- tschows, in kleinem Kreis zunehmend öfter Diskussionen über die Chancen und Wege einer deut- schen Wiedervereinigung gegeben, obwohl Gorbatschow in diesem Zusammenhang eine Wiederver- einigung mit Rücksicht auf seinen Verbündeten noch ablehnte. Sie waren aber genauso nebulös wie jene Gespräche, die im Winter 1944/45 geführt wurden, als sich das Ende des Krieges abzuzeichnen begann.

Obwohl man als Tagespendler Leipzig - Halle seit dem 9. Oktober 1989 über zwei Monate an den im- mer mächtiger werdenden Montags-Demonstrationen auf dem Leipziger Augustus-, damals noch Karl- Marx-Platz, teilnehmen konnte, veränderte sich in der Sektion, am Arbeitsplatz, außer den Diskus- sionsthemen in der Frühstückspause, kaum etwas. Nach Beginn meines Ruhestands im Dezember 1989 habe ich bis zum Ende des Frühjahrssemesters 1990 Betreuungen abgeschlossen und neben zwei Lehrveranstaltungen die schon traditionelle Frühjahrsexkursion geleitet, die meist vom Erzgebir- ge, mit einer Stippvisite auf die böhmische Seite des Gebirges, bis an die Ostsee führte. Die Exkursion unterschied sich in zwei Dingen von den früheren. Drei Studenten aus München hatten, durch halle- sche Kommilitonen vermittelt, um eine Teilnahme gebeten. Es war für die Teilnehmer beider Studen- tengruppen sicher ein Erlebnis. Dann wurde die Exkursionsroute im Norden durch einen Abstecher über Ratzeburg nach Lübeck und Travemünde abgewandelt, um Vergleiche zu den anschließend be- suchten ostdeutschen Ostseebädern anzuregen.

Die politischen, sachlichen und - zumindest anklingend - auch die menschlichen Probleme dieser Übergangsphase haben in allgemeiner Sicht für die Hallesche Universität HANS-HERMANN HARTWICH (1994) und für das ostdeutsche Hochschulwesen BENNO PARTHIER (1994) zusammenfassend darge- stellt. Sicher waren die Vorgänge des Übergangs, darunter die Prüfung der persönlichen Integrität und fachlichen Eignung, so heikle Angelegenheiten, daß sie wohl in beiderseitigem Interesse -von einigen unrühmlichen Ausnahmen abgesehen - in Verschwiegenheit erledigt wurden. Ähnliches galt für die Bedariskündigungen, die sich über einen noch längeren Zeitraum hinzogen.

Da nach 1990 mehrere Hochschullehrer und Mitarbeiter die Einrichtung verließen, bestanden über Jahre beträchtliche Schwierigkeiten für die Ausbildung, die trotzdem nicht unterbrochen wurde. Die damals tätigen Hochschullehrer -DIETER SCHOLZ, MANFRED FRÜHAUF, HELGA SCHMIDT - und Mitarbeiter wie CORNELIA GLÄSSER, GEORGIA KROLL, KARL-HEINZ KRAUSE u.a. - leisteten in der Übergangszeit eine außerordentlich umfangreiche und vielseitige Arbeit. Inzwischen entspricht das Institut für Geographie nach Struktur und Leistungen weitestgehend vielen anderen Geographischen Instituten der Bundesre- publik, die seit der Nachkriegszeit keinen echten Strukturbruch zu bewältigen hatten.

Drei Rahmenbedingungen dieses Eriolgs sind hervorzuheben:

Entscheidend sind die Neuberufungen für die Lehrstühle und weitereri Professuren. Damit wurde der über Jahrzehnte gepflegte, zwar meist ungewollte, durch die spezifischen Umstände jedoch dominante wissenschaftliche Eigenbau aufgehoben, der alle Hochschuleinrichtungen in der DDR mehr oder min- der beeinträchtigt hat. Den Gesprächen kann man entnehmen, daß beide Gruppen - die Alt- und die Neuberufenen - Ebenen der Übereinstimmung und der produktiven Zusammenarbeit gefunden haben.

Wesentlich scheint ferner, daß es in kurzer Zeit gelang, den im Vergleich zur Sektion Geographie stark reduzierten, aber hochmotivierten Mitarbeiterstamm durch Drittmittel-Werbung deutlich zu vergrößern. In wenigen Jahren ist das Institut durch außerordentliche finanzielle Unterstützung in beachtlicher Grö- ßenordnung ausgebaut worden. Das macht sich in den komfortabel ausgebauten technischen Ein- richtungen, dem physisch-geographischen/geoökologischen Labor, dem digitalen Bildbearbeitungsla- bor, anspruchsvoller Software, technischem Komfort in der Verwaltung - aber auch am Zuwachs an Räumlichkeiten und ihrem äußeren Habitus bemerkbar (GLÄSSER 1998, ZIERDT 1998). Das Institut ist - neben den bisherigen Räumlichkeiten in der Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße und in der Domstra-

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125 Jahre geographische Forschung und Lehre an der Universität Halle-Witttenberg

ße - jetzt durch zwei Neuerwerbungen in der Mansfelder Straße für die Labor- und Fernerkundungs- technik sowie in der August-Bebel-Straße für die Sozialgeographie, die Raumplanung und die Didaktik der Geographie auf vier Gebäude verteilt. Keines dieser Gebäude ist mehr mit der villa malaise zu vergleichen, die gegenüber dem Hauptgebäude in der Heinrich-und-Thomas-Mann-Straße 26 einmal die Studienabteilung der Sektion aufnahm. Neben dem finanziellen Aufwand stehen hinter diesen au- ßerordentlichen Verbesserungen außerordentliche Bemühungen der Leitungen des Fachbereichs, Instituts und der Lehrstühle.

Die finanzielle Erweiterung in konvertierbarer Währung ermöglichte es, daß neben notwendiger ln- landforschung auch ein sehr breites Programm der Auslandsforschung verfolgt werden kann, daß Wissenschaftler in sehr großem Umfang an den notwendigen Veranstaltungen ihrer Spezialgebiete teilnehmen können und daß die für die Ausbildung notwendigen Exkursionen neben denen, die sich landeskundlichen Unterweisungen und der Einführung in Forschungsansätze widmen, die Auslands- exkursionen eine nahezu unbegrenzte, globale Reichweite bekommen haben.

Diesen günstigen Bedingungen entsprechend haben sich die Ausbildung für Lehramt und Diplom und die Forschung profiliert. Die Lehramtsstudiengänge berücksichtigen die Erfahrungen, die durch die Verknüpfung von fachwissenschaftlichen mit didaktischen und erziehungswissenschaftlichen Erkennt- nissen zumal in Halle entwickelt wurden. Die Diplomausbildung orientiert, von der breiten fachwissen- schaftlichen Grundlage ausgehend, auf Berufsbilder in der Landschafts- sowie der Raumplanung, für die die Kopplung technischer und methodischer Fertigkeiten mit dem Verständnis für wirtschaftlich- soziale und Umweltprobleme als Ausbildungsziel charakteristisch ist (SCHMIDT & PROTZE 1998).

Forschungsarbeiten widmen sich den Vorgängen der Transformation der Länder des ehemals soziali- stischen Systems in die Marktwirtschaft, mit Untersuchungen in mittelosteuropäischen Ländern wie auch denen Rußlands. Sie widmen sich den Ursachen, Methoden und Folgen der Globalisierung der Wirtschaft, der Rolle der high tec-lndustrien, aber auch den überbordenden Wirkungen der globalen Finanzsysteme.

Die Forschungsansätze der Physischen Geographie, sowohl in der Geomorphologie als auch der Geoökologie, haben Berührungen in der Prozeßforschung. Nach wie vor bietet die Erfassung von Na- turprozessen, seien sie allein von Naturbedingungen bestimmt oder durch die Nutzung bedingt, erheb- liche Schwierigkeiten; denn für die meisten ist wegen der Größen-, Substanz- und Zeitprobleme keine experimentelle Simulation möglich (SCHMIDT & BLEY 1994, FRÜHAUF & HARDENBICKER 1998).

Im Bereich der physisch-geographischen und speziell geoökologischen Forschung sind Kontakte zur Nutzung und damit zu sozialen und wirtschaftlichen Analysen und Bewertungen erkennbar. Sie könn- ten mit ihrer Brückenfunktion zwischen dem naturwissenschaftlichen und ökonomisch-sozialen Bereich in Zukunft besondere Bedeutung für die Profilierung der geographischen Forschung bekommen. Gemeinsam ist den meisten dieser Forschungsarbeiten mit ökonomisch-sozialem oder naturwissen- schaftlichem Aspekt der selbstverständlich gewordene Einsatz der spezifischen Rechentechnik, wo es möglich oder nötig ist, der Geofernerkundung und der laborativen Ermittlung oder Bestätigung von Befunden. Auch diese Konvergenz im Einsatz von Untersuchungstechnik könnte auf ihren Anteil un- tersucht werden, mit dem sie zur inhaltlichen Profilierung der Geographie beiträgt (GLÄSSER et al.

1997, GLÄSSER 1998, ZIERDT 1998).

Eine der ersten Außenberufungen für das Institut sicherte die Vertretung für Raum- und Umweltpla- nung, die auch nach dem überraschenden Ableben von PETER KNAUER durch WILFRIED KüHLING wie- derbesetzt wurde. Die Gegenstände des Lehrstuhls, die auf die wesentlichen Tätigkeitsmerkmale des Diplomgeographen in der Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren Disziplinen der Raumentwicklung gerichtet sind, könnten als Rahmendominanten für die Bestimmung der Lehr- und vor allem der For- schungsinhalte des Diplomstudiums gesetzt werden.

Selbstverständlich müssen sie durch die Inhalte flankiert werden, die zur Beherrschung der Regionalen Geographie erforderlich sind. Wenn diese auch ihren Anwendungsbereich in der Ausbildung der Geo- graphielehrer sieht, so entwickelt eine spezielle Regionale Geographie zugleich wesentliche Rahmen- und Vergleichsvorstellungen für die Anwendung in der Raum- und Umweltplanung.

überschaut man die 125 Jahre Tätigkeit der Geographie in Halle, lassen sich mehrere Inhalte hervor- heben, die trotz der in anderem Zusammenhang angesprochenen Halbwertszeit von Forschungser- gebnissen auch gegenwärtig bemerkenswert erscheinen.

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Das gilt für ALFRED KIRCHHOFFS Bemühung um die Selbständigkeit der Geographie an der Universi- tät und in der Schule, die aktuell unter völlig anderen Prämissen weitergetragen wird, für die auch ge- genwärtig besondere Bedeutung der Berichte und der Forschungen zur deutschen Landeskunde, die von ALFRED KIRCHHOFF initiiert wurden, für die eindeutige Objektbindung und damit inhaltliche Selbständigkeit der Anthropogeographie, die OTTO SCHLÜTER noch gegen eine Beziehungsbindung abzuheben hatte, für die Struktur- und Prozeßforschung in der Anthropo- wie Physiogeographie, für die die sich beschleunigt entwickelnde Beobachtungs-, Meß- und Bearbeitungs-Technik eine we- sentliche Voraussetzung war, die in der für Geoforschung erforderlichen Breite seit der Tätigkeit der Sektion Geographie zur Verfügung stand und seither genützt und erheblich ausgebaut wurde, für die Ausbildung von Lehrkräften für Geographie für das gesamte Schulsystem, die bereits KIRCHHOFF förderte, und von Diplomgeographen für die Tätigkeit vor allem in umwelt- und raumplanerischen Bereichen eines sehr breiten, sich auch jetzt noch erweiternden Aufgabenspektrums.

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