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Psychische Gesundheit von Erwachsenen

Im Dokument Folgen der Covid-19-Pandemie (Seite 39-42)

6. Gesundheit von Erwachsenen

6.1 Psychische Gesundheit von Erwachsenen

In einer Schweizer Studie während des ersten Lockdowns (Mitte März bis Ende April 2020) zeigte sich, dass junge Erwachsene (19-24 Jahre) besonders durch die Störung des gesell- schaftlichen Lebens oder wichtiger Aktivitäten sowie durch die Unsicherheit über die Dauer des Lockdowns und die Pandemie selbst, gestresst waren. Das führte dazu, dass die Häufig- keit von psychischen Symptomen anstieg. Weibliche Teenager waren hierbei stärker betroffen als männliche. 54% der weiblichen und 38% der männlichen jungen Erwachsenen berichteten über leichte bis schwere depressive Symptome. Zudem erlebten etwa die Hälfte der jungen Frauen (47%) und ein Drittel (33%) der jungen Männer leichte bis schwere Angstzustände.

Riskanter Alkoholkonsum ist während des Lockdowns zurückgegangen. 21,3% der jungen Er- wachsenen erfüllten aber die Kriterien für eine problematische Internetnutzung (Mohler-Kuo et al., 2021).

In Deutschland haben hauptsächlich depressive Symptome und Angststörungen zugenom- men. Psychiater_innen und Psychotherapeut_innen berichteten, dass sich von Oktober bis November 2020 bereits eine deutliche Zunahme bei psychisch bedingten Störungen zeigte.

Patient_innen klagten vor allem über Ängste (vor Ansteckung/Krankheit, einem möglichen Ar- beitsplatzverlust, Isolation im Lockdown, fehlende Tagsstruktur), Überforderungen (Home- Office und Homeschooling) und familiäre Probleme. 79% der Therapeut_innen gaben an, De- pressionen häufiger zu behandeln (Pronova BBK, 2020).

Ergebnisse der Untersuchung „Generation Corona“ der Pronova BKK mit 1.000 jungen Men- schen im Alter von 16 bis 29 Jahren, ergaben, dass sich mehr als die Hälfte der unter 30- Jährigen im Vergleich zum Vorjahr häufiger traurig oder depressiv fühlten. Häufig genannte Symptome waren innere Unruhe, depressive Stimmung und Angststörungen. Hierbei waren junge Frauen öfter von Traurigkeitsgefühlen betroffen oder fühlten sich einsam. 64% der 16- 29-jährigen gaben an, dass sich ihr Leben stark verschlechtert habe. Die am häufigsten ge- nannten Ängste waren, sich selbst oder (vor allem) Andere mit SARS-CoV-2 anzustecken und die Angst vor Einsamkeit durch Kontaktbeschränkungen (Pronova BBK, 2021).

Das Level an Einsamkeit stieg insbesondere bei jüngeren Menschen im ersten Lockdown im Vergleich zum Vor-Pandemie Niveau stark an. Frauen waren in allen Altersgruppen einsamer als Männer. Mit steigendem Alter sank die Zahl der einsamen Personen jedoch bei beiden Geschlechtern. Die Rate einsamer Männer lag im Alter von 20-29 Jahren bei etwas mehr als 30% und im Alter von 70+ Jahren nur noch bei etwas mehr als 20%. Bei den Frauen fühlten sich etwas mehr als 45% im Alter von 20-29 Jahren und etwa 35% im Alter von 70+ Jahren einsam. Ähnlich sieht es bei der Gruppe aus, die sich vermehrt seit Beginn der Pandemie einsam fühlten. Knapp 60% der Männer im Alter von 20-29 Jahren und etwas mehr als 30%

der Männer im Alter von 70+ Jahren fühlten sich einsam. Bei den Frauen waren es knapp 65%

bei der jüngsten Altersgruppe und etwa 40% bei der ältesten Altersgruppe (Berger et al., 2021).

Der zweite Lockdown belastete Menschen deutlich stärker als der Erste. Das emotionale Wohlbefinden und die allgemeine Lebenszufriedenheit waren während des zweiten Lock- downs gesunken. Die Situation wurde von mehr Menschen als bedrückender empfunden. 46%

erlebten Menschen als rücksichtloser und 25% waren familiär stark belastet. Besonders Frauen, Jüngere und Menschen mit direktem Migrationshintergrund litten unter dem zweiten Lockdown. Sie waren einsamer, berichteten von einer höhere Depressions- und Angstsymp- tomatik (bzw. einen geringeren Rückgang der Symptomatik im Vergleich zum ersten Lock- down) und hatten ein geringeres emotionales Wohlbefinden und eine geringere Lebenszufrie- denheit (Entringer & Gosling, 2021). Ein deutlicher Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Depressivität, bzw. Angst konnte gesehen werden. Menschen mit einer besseren Bildung und

Menschen, die sich in einer Partnerschaft befinden waren hierbei weniger einsam als Men- schen mit einer niedrigeren Bildung und ohne Partner_in (Berger et al., 2021). Ähnliches zeigte auch die Corona Health App Studie, in der ältere Menschen und Menschen mit höherer Bil- dung von einer höheren globalen und umweltbezogenen Lebensqualität berichteten, als jün- gere Menschen und Menschen mit niedrigerer Bildung.

Einige potenzielle Risikogruppen ließen sich in vereinzelten Studien identifizieren. So fühlten sich im Oktober 2021 40% der Studierenden bzw. Auszubildenden durch die Corona Krise stark gestresst. Vielen bereitete die fehlende Planbarkeit Zukunftsängste (IKK Südwest, 2021).

Laut der Deutschen Depressionsstiftung traf die Pandemie Menschen, die bereits durch eine psychische Erkrankung oder Störung vorerkrankt gewesen waren, besonders stark. Im Feb- ruar 2021 berichteten 44% der vorerkrankten Menschen von einem verschlechterten Krank- heitsverlauf in den letzten sechs Monaten. Fehlende Therapiemöglichkeiten, Kontaktbe- schränkungen und Verlust der Tagesstruktur führten zu einer Verschlechterung der bereits vorbestehenden Symptomatik.

Auch Mitarbeitende im Gesundheitswesen wurden durch die Pandemie stark belastet und wa- ren eher gefährdet, depressive Episoden, Angststörungen oder Posttraumatische Belastungs- störungen zu entwickeln (Petzold et al., 2020). Hierbei zeigte sich ein Unterschied zur Frühphase der Pandemien (Kunzler et al., 2021). Ärzt_innen und Pflegekräfte, die Covid-19- Patient_innen behandelten und pflegten, fühlten sich im Verlauf deutlich stärker belastet als andere. Insbesondere bei den Pflegekräften waren laut einer Augsburger Studie das Gefühl emotionaler Belastung und Stress deutlich ausgeprägt (Kramer et al., 2021).

Impulse für den ÖGD:

Die Coronapandemie hat dazu beigetragen, die Situation der sozialen Ungleichheit und den damit verbundenen ungleichen Zugang zu therapeutischen Möglichkeiten in der psychischen Gesundheitsversorgung zu verschärfen. Der Bedarf an psychotherapeutischer Beratung, Be- treuung und Therapie ist gestiegen, woraus sich ein deutlicher Handlungsbedarf in diesem Bereich ableiten lässt. Da insbesondere Frauen, jüngere Menschen, psychisch Vorerkrankte, Mitarbeitende im Gesundheitswesen, Menschen mit direktem Migrationshintergrund und Men- schen mit niedrigerem Bildungsniveau unter den pandemiebedingten Einschränkungen gelit- ten haben, sind diese als Risikogruppen zu identifizieren und präventive oder therapeutische Angebote für diese Zielgruppen entsprechend zuzuschneiden.

Über die nächsten Jahre wird es zudem wesentlich sein, die Entwicklungen der psychischen Erkrankungen zu beobachten, auf mittelfristige Folgen zu achten und die Unterstützungsbe- darfe festzustellen und Unterstützungsangebote anzupassen.

Wichtig wird sein, über langfristige Auswirkungen der Pandemie auf die Gesundheit aufzuklä- ren, besonders betroffene Gruppen zu identifizieren und niedrigschwellige Zugänge zu ziel- gruppenspezifischen Hilfsangeboten, Informationen und Beratungen zu ermöglichen. Hierzu wäre eine Vernetzung von bestehenden Strukturen, wie beispielweise den sozialpsychiatri- schen Diensten (SPDi), ambulanten und stationären Therapiemöglichkeiten oder psychoso- matischen Beratungsstellen sowie die Verbreitung von Informationen über bestehende Hilfs- angebote sinnvoll.

Im Dokument Folgen der Covid-19-Pandemie (Seite 39-42)