Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf 1 Rahmenbedingungen

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Kunstwettbewerb der Vivantes Mitarbeiter

I. Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf 1 Rahmenbedingungen

Mit einer Steigerung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um

3,6 Prozent – nach dem Rückgang im Jahr 2009 um 4,7 Prozent (lt. Angaben des Statistischen Bundesamtes) – hat sich die deutsche Wirtschaft in 2010 wieder kräftig erholt und den Weg aus der Wirtschaftskrise gemeistert. Trotz der unerwartet raschen Erholung ist das Vorkrisenniveau jedoch noch nicht erreicht. Laut Meldungen der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Erwerbs-tätigkeit im Jahresdurchschnitt 2010 erhöht und die Arbeitslosigkeit konnte weiter gesenkt werden.

Für 2011 erwartet die Bundesregierung laut Jahreswirtschaftsbericht einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung mit einer Zuwachsrate des preisberei-nigten Bruttoinlandsprodukts um 2,3 Prozent und eine weitere Verbesserung der Arbeitsmarktsituation mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahlen.

Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanz-rechtsmodernisierungsgesetz – BilMoG) am 29. Mai 2009 haben sich wesent-liche Änderungen ab 2009 bzw. 2010 für die Bilanzierung der Unternehmen und Erleichterungen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen erge-ben. Mit einer Annäherung an die International Financial Reporting Standards (IFRS) sollen die handelsrechtlichen Abschlüsse zukünftig transparenter und mit größerem Informationsgehalt aufgestellt werden.

Mit Verabschiedung des Gesetzes zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-FinG) in 2010 sollen ab 2011 im Wesentlichen die Stabilisierung der Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sowie die Durchsetzung eines gerechten Sozialausgleiches realisiert werden. Neben der Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes auf 15,5 Prozent, der Festschreibung des Arbeitgeberbeitrages auf 7,3 Prozent sind u. a. auch wesentliche Regelungen zu den einkommens-unabhängigen Zusatzbeiträgen, zur Einführung des Sozialausgleichs und zur Ausgabenbegrenzung enthalten.

Mit rund 4,6 Millionen Beschäftigten im Gesundheitsbereich und damit einem Anteil von rund 11,5 Prozent aller Erwerbstätigen (lt. Bundesministerium für Gesundheit für 2008) ist das Gesundheitswesen eine der wesentlichen Beschäftigungsbranchen in Deutschland mit steigender Tendenz.

Aufgrund des demografischen Wandels kann sich lt. Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes, durch die deutlich steigende Zahl älterer

Men-Lagebericht und

Konzernlagebericht für

das Geschäftsjahr 2010

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2009 auf 19,3 Millionen im Jahr 2030 erhöhen; gleichzeitig wird dies zu einem Personalmangel, insbesondere bei Pflegekräften führen, um diese steigende Anzahl von Patienten und Patientinnen zu versorgen.

Laut Krankenhausstatistik 2009 hat sich die Zahl der Krankenhäuser und Krankenhausbetten in Deutschland nur geringfügig verändert. Die Zahl der vollstationären Fälle hat sich um ca. 1,7 Prozent erhöht. In 2009 wurden in den Krankenhäusern 17,8 Millionen Patienten (im Vorjahr 17,5 Millionen) behandelt. Die durchschnittliche Verweildauer konnte in Allgemeinen Kran-kenhäusern auf 7,5 (im Vorjahr 7,6) Tage gesenkt werden. Nach Trägern ergibt sich weiterhin eine Verschiebung zu den privaten Einrichtungen (+30 Krankenhäuser).

Für den Berliner Krankenhausmarkt zeigt sich folgende Entwicklung:

Im Jahr 2009 standen in 79 Krankenhäusern (im Vorjahr 74) durchschnittlich 19.668 vollstationäre Betten (im Vorjahr 19.407) zur Verfügung. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Zunahme von 261 Betten (1,3 Prozent).

In Berlin hat sich der Versorgungsgrad mit Krankenhausbetten gegenüber 2008 um 1,1 Prozent auf 57,3 Betten je 10.000 Einwohner erhöht. Damit liegt Berlin seit 2001 unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik (2009 mit 61,5 Betten je 10.000 Einwohner).

Das von der Deutschen-Krankenhaus-Gesellschaft veröffentlichte „Kranken-haus Barometer 2010“ führt u. a. an, dass in 2009 jede fünfte Klinik in Deutschland „rote Zahlen“ auswies. Für die Folgejahre wird mit einer weite-ren deutlichen Verschlechterung der Situation gerechnet. Ursächlich hierfür sind im Wesentlichen die Tarifabschlüsse für die Beschäftigten in den Kran-kenhäusern, die insbesondere durch eine beschlossene Deckelung der Tarif-steigerungen im Landesbasisfallwert wahrscheinlich nicht vollumfänglich über das Erlösbudget refinanziert werden können. Darüber hinaus führen die seit Jahren fehlenden Investitionsmittel für notwendige Investitionsmaßnahmen zu weiteren Kostensteigerungen.

Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland – Krankenhäuser vollstationäre Fälle

(tausend Fälle)

aufgestellte Betten (tausend Betten) Anzahl Krankenhäser

2006 2007 2008 2009

510,8 2.104

507,0 2.087

503,4 2.083

503,3 2.084 17.817 17.520

17.179 16.842

I.2 Geschäftsverlauf

Die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH sowie die Tochtergesellschaf-ten haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 einen Jahresüberschuss im Konzern in Höhe von 6,3 Millionen Euro (im Vorjahr 2,6 Millionen Euro) erwirtschaftet.

Die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH (Vivantes) konnte im Jahr 2010 einen Jahresüberschuss in Höhe von 6,0 Millionen Euro erzielen (im Vorjahr 2,5 Millionen Euro).

Der Vivantes Konzern besteht aus der Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH und den damit verbundenen Unternehmen Vivantes Rehabilitation GmbH, Vivantes – Forum für Senioren GmbH, Vivantes Textilversorgung GmbH, SVL Speiseversorgung und -logistik GmbH, VivaClean Nord GmbH, VivaClean Süd GmbH, Vivantes Service GmbH (ehemals VIVAflex Agentur für Zeitarbeit und Personaleinsatz GmbH (VIVAflex GmbH)), Vivantes MVZ GmbH, Vivantes Ambulante Krankenpflege GmbH, Vivantes Komfortklinik GmbH, Vivantes personal GmbH und die Vivantes International GmbH.

Mit Beschluss der Gesellschafterversammlung der VIVAflex GmbH vom 2. März 2010 wurde die Gesellschaft in Vivantes Service GmbH umbenannt und der Gesellschaftsvertrag neu gefasst. Vivantes ist weiterhin alleiniger Gesellschafter. Die Gesellschaft hat die operative Tätigkeit mit dem geänder-ten Unternehmensgegenstand am 1. Juli 2010 aufgenommen.

Die Vivantes International GmbH wurde mit Datum 29. September 2010 gegründet und am 9. November 2010 im Handelsregister eingetragen.

Alleiniger Gesellschafter ist die Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH.

Die Vivantes personal GmbH hat das operative Geschäft am 1. April 2010 aufgenommen. Mit Vertrag vom 29. Juli 2010 haben die Vivantes personal GmbH und die jobs in time medical GmbH eine atypisch stille Gesellschaft errichtet.

Vivantes ist seit Ende des Jahres zu je 50 Prozent an den neu gegründeten Gesellschaften Labor Berlin – Charité Vivantes GmbH und Labor Berlin – Charité Vivantes Service GmbH beteiligt. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin, Körperschaft des öffentlichen Rechts ist ebenfalls an beiden Gesell-schaften mit 50 Prozent der Anteile beteiligt. Die Eintragungen im Handels-register erfolgten am 27. Dezember 2010.

Geschäftsverlauf und Lage sowie Chancen und Risiken der Vivantes – Netz-werk für Gesundheit GmbH prägen im Wesentlichen die Entwicklung des Konzerns. Deshalb wird im Folgenden vorwiegend über den Konzern berichtet.

Der Konzern konnte im Berichtsjahr trotz schwieriger Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen das Jahresergebnis gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Millio-nen Euro auf 6,3 MillioMillio-nen Euro steigern. Wesentlich dazu beigetragen hat die Erhöhung der Umsatzerlöse auf 836,5 Millionen Euro (im Vorjahr 785,2

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zurückliegenden Geschäftsjahr deutlich mehr Patienten auf einem hohen medizinischen Qualitätsniveau behandelt werden. In den Umsatzerlösen sind periodenfremde Effekte in Höhe von 14,1 Millionen Euro aus im Berichtsjahr abgeschlossenen Budgetvereinbarungen für Vorjahre enthalten. Demgegen-über stehen Erhöhungen im Personal- und Materialaufwand von insgesamt 26,4 Millionen Euro (im Vorjahr 34,3 Millionen Euro). Die Erhöhung des Personalaufwands aufgrund von Tarifsteigerungen, die zum 1. Januar 2009 in Kraft traten, konnte vollständig durch die Umsatzsteigerungen kompensiert werden. Die Personaleinsatzquote in Bezug zum Umsatz inklusive Leasing-personal liegt im Geschäftsjahr 2010 ohne Berücksichtigung von neutralen Effekten bei 68,7 Prozent (im Vorjahr 71,0 Prozent) und hat sich somit leicht verbessert. Durch die Verrechnung von Erlösausgleichen für Vorjahre mit den Erlösen aus Krankenhausleistungen in 2011 ergeben sich in 2011 weitere Liquiditätsabflüsse.

Auch im Jahr 2010 konnte Vivantes seine Position als kommunales Kranken-hausunternehmen im Wettbewerb behaupten. An allen Klinikstandorten wurde ein umfassendes Spektrum an medizinischen Leistungen angeboten.

Im Berichtsjahr wurden weitere medizinische Zentren und Ambulanzen ge-gründet und zertifiziert. Im Vivantes Klinikum Neukölln wurde die unterneh-mensweit erste Spezialambulanz zur Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose eröffnet. Die Klinik für Innere Medizin – Hämatologie, Onkologie und Gastroenterologie – Palliativmedizin des Vivantes Klinikum Spandau wurde von der European Society for Oncology (ESMO) als „Designated Center of Integrated Oncology and Palliative Care“ akkreditiert. Weiterhin wurden an den Standorten Humboldt-Klinikum und Klinikum Neukölln Inkontinenz- und Beckenbodenzentren sowie am Klinikum Hellersdorf die Innere Klinik für Diabetes-Behandlung Typ 1 und 2 zertifiziert. Mit der Eröffnung des neuen Endoscopic Training Center (ETC) des Klinikum Spandau wird Ausbildung und Training in und mit der Telemedizin ermöglicht. Für Patienten mit akuten see-lischen Problemen wurde am Standort Neukölln eine neue psychiatrische Ta-gesklinik mit 22 Behandlungsplätzen eröffnet. Mit der Eröffnung einer neuen Klinik und Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Standort Klinikum im Friedrichshain sind u. a. die Früher-kennungen seelischer Störungen, die stationäre Langzeitpsychotherapie und die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen für insgesamt 70 Patienten möglich. Damit konnte ein Teil des neuen Versorgungskonzeptes in der Kinder- und Jugendpsychiatrie umgesetzt werden. Mit der Gründung der Vivantes Akademie sollen alle Aktivitäten im Bereich der Informations- und Wissensweitergabe an die Bevölkerung, Veranstaltungen, Kongresse sowie Fort- und Weiterbildung zusammengefasst werden.

Im Berichtsjahr konnte Vivantes als erstes deutsches Klinikunternehmen eine offizielle Kooperation mit dem Gesundheitsministerium in Riad in Saudi-Arabien abschließen.

Mit der Eröffnung der Komfortklinik am Standort Humboldt-Klinikum Mitte des Jahres kann Patienten auf einer neuen Komfortstation mit 48 Betten in Ein- und Zweibett-Zimmern eine Unterbringung im Hotelstandard angeboten werden.

Die Forum für Senioren GmbH hat Anfang des Jahres die Kurzzeitpflege im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum von einem externen Pflegedienst über-nommen und damit ihr Leistungsspektrum erweitert. Im September 2010 konnte das Forum für Senioren sein neues „Haus John F. Kennedy“ mit ins-gesamt 180 Pflegeplätzen eröffnen.

Vivantes ist auf dem Gebiet der Ausbildung in Gesundheitsfachberufen bun-desweit der zweitgrößte Ausbildungsträger. Das konzerneigene Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen als zentrale Ausbildungsstätte hat rund 765 Ausbildungsplätze geschaffen. Dem Berliner Markt stehen dadurch jährlich rund 200 neue Pflegefachkräfte zur Verfügung.

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