169 Eivil-Gouverneur, mittags nnd abends sehr

Im Dokument Inländische Blätter. (Seite 186-196)

glänzend gefeierten hohen Reichsfeste Theil.

Beim Abschiede folgenden Tages übergab ihm die Kaufmannschaft 2500 Rubel, sie gefal­

ligst unter die Krieger zu vertheilen, welche Pleskow hatten vertheidigen helfen.

Einem Schreiben aus Iamburg in der Nord. Post zufolge, find durch den letzten Eturm iz Kauffahrtei-Schiffe und Galio­

ten, worunter auch ein englisches Schaff in der Gegend von Narva zu Grunde gin­

gen. Durch die Betriebsamkeit des Narva-fchen Herrn Commandanten und eines dasi­

tzen Kaufmanns, Herrn Bolton, sind nach Möglichkeit Waaren, durch den englischen Schiffer Horst aber insbesondre 21-Personen gerettet worden.

Archangel. Hier hatten sie, könnte man sagen, denselben Sturm, der anderwärts vom 19. Septbr. an wüthete, aber nur in seinem ersten Entstehen, am 14. September. Er hielt bloß 5 Stunden an; wüthete aber mit einer solchen Heftigkeit, wie dort auch niemand sich zu erinnern weiß. Er hat da gleichfalls viele Fahrzeuge mit Bau- und Brennholz und andern Waaren versenkt oder zertrüm­

mert^ Fenster zerschlagen, und Zaune, Schorn­

steine und Dacher ab- und umgeworfen.

Aus Livland hat der Herausg. df. Bl.

Nachrichten von . mehrern Orten, und zwar

»en solchen, die nicht einmahl für unser Si­

birien gelten (denn dort mögen den Leuten zum Schreiben gar die Finger abgefroren seyn), daß es in den Sturm-Tagen gröblichst gescdneiet hat. Aus dem Lösernschen Kirch­

spiele wird geschrieben, vom 19. Sept., man habe dort einen Fuß hoch Schnee, und man werde am 20. Sept. mit Schlitten zur Kir­

che fahren; und aus dem Sissegallischen gar, daß im Iürgensburgischen so tief der . . v S c h n e e g e f a l l e n ( m a n s c h ä t z t e i h n a u f 4 — 5

Fuß), daß die Schlitten-Pferde au einem vierspännigen Wagen bis an den Hals ein­

gesunken. Von jener Gegend scheint über­

haupt der Winter schon feierlich Besitz ge­

nommen zu haben, indem bis zun, 27. Sept.

noch Spuren seines ersten Einzugs nachge­

blieben waren, und am 29. Sept. im Sisse-gallischen -wieder Alles wuß war,, so daß man allenfalls mit einer Ragge fahren konnte.

Kurl. Gouv. Daß unsre kleinen Städte in immer tiefern Verfall gerathen, ist wohl

kein Wunder, bei der Belastung, die ihnen nur allein durch die vielen dort angeschrie­

benen und verschollenen Kopssteuer-Zahlenden zuwächst, deren Abgaben nun von den Übri­

gen mit übertragen werden müssen. So hat jetzt die Gouv« Regierung unter dem Astert August ein namentliches Verzeichniß der in Jakobstadt angeschriebenen und verschollenen freien Leute bekannt gemacht, welches nicht weniger als Loo Bürger und Ackerbautrei­

bende und 1290 Seelen beträgt. Den Na­

men nach zu schließen, sind es fast alles Rus­

sen und Polen; Hebräer nur zo,

Li bau. Am 26. Septbr. rückte hier ein Bataillon des Kaporifden Infanterie-Regi­

ments ein, welches aus 7? Staads-Osficie-ren, 94 Unter-OfficieStaads-Osficie-ren, 669 Gemeinen, 99 Handwerkern und 59 Trommelschlägern be­

stand. Da es das erste Militair war, wel­

ches nach dem fo glorreich beendigten Feld­

zuge in unsrer Stadt erschien, so nahmen es die Orts-Obrigkeiten und die Angesehen­

sten der Bürgerschaft auf der Stadts-Gränze feierlich entgegen, und die Kaufmannschaft erster Gilde bewirthete es dort mit einem Frühstücke. Bei dem Einmärsche in die Stadl wurden die Kanonen gelöset, die Schiffe flaggten, und abends war die Stadt erleuch­

tet. Die Herren Osficiere wurden am Mit-tage auf dem Rathhause, die Unter-Officiere au andern Orten, und die Gemeinen in den Bürgerhäufern, wo sie einquartirt waren, mit dankbarer Gastfreiheit entgegengenom­

men. (A. e. Ber.)

Riga. Se. Kaiserl. Majestät haben Mer-hulbreichst geruhet, durch den stellvertreten­

den Herrn Kriegsminister, General von der Infanterie, Fürsten Gortschakoss, unser::: ver­

ehrungswürdigen Hrn. Kriegs-Gouverneur:c.

Marquis Paulucci, eröffnen zu lassen, daß demselben in Erwägung der, von Ihm mit ausgezeichnetem Eifer geleisteten Dienste, das nn knriand. Gouvernement belehne Kronsgut Tadaicken, Ragaten und Wilheiminenbof auf 12 Jahre, mit Zahlung des Arrende-Geldes, verliehen worden sei. (Rig.Ztg. Nr« 41.)

Literarische Nachrichten.

Der gerechte Ruhm des Monarchen ist eine Quelle des Segens und dcs Heils für sein Volk. Eine Preigt üdber Ps. 21. v. 6.

7. 8. d. Av. Aug. — von Karl Wilh.

Ciuft, reformkrtem Prediger zu Mitau.

(Zinn Besten der^nva^ioen mKurla^d zun»

Druck befördert). Mitau 1814. 22 S. 8»

Nachdem der Hr. Verf. aus einander ge-fttz5 hat/ worin der gerechte Rukm eines Monarchen bestehet, zeigt er, wie derselbe Quelle des Segcns für dessen Volk werde, dadurch, daß er überall Gott die Ehre giebt, daß er auf dem allein richtigen Wege ge­

fugt und erworben wird, und daß denn die­

ses Beispiel der Gerechtigkeit, Weisheit und Gottseligkeit auf dem Throne als solches auf das Volk wirkt. Alles mit mannlicher Rei­

fe und Bestimmtheit, Ruhe und Würde, ge­

dacht und gesprochen.

Zum Andenken an einen würdigen Greis, Theodor Siegfried Gerich. Einige Worte der Erinnerung von I. B. (Bubrig, Leh­

rer an der Kreis- und Töchter-Schule in Dorpat). Dorpat, bei Schünmann. 24

Seit, in 8.

Solcher Art sollten wir der Familien-Blatter mehrere haben. Ajlch aus einfachen Lebens-Geschichten und Charakter-Schilde­

runge,! zöge dann selbst ein weiterer Lese­

kreis Vergnügen und Nutzen. Vorausgefetzt nämlich dieselbe richtige Beobachtung, das zarte Gefühl und die gefallige Darstellung, wie sie bei dem Hrn. Verf. dieser Schrift sich finden.

Russisch sind erschienen: Anekdoten und Charakter-Züge von Fürst Golenischtschew Ku, Verstorben am 22. Septbr. m Dorpat, wo­

hin er. sich, schon krank/ zur Kur begeben hatte, Friedr. Adolph von Stackelberg, Erbherr auf Abbia im Hallistischen Kirchspiele (Pernauischen Kreises) und mehrerer Güter. Eine völlige Entkraftung in Folge eineö schleichenden Nervenftebers endigte sein Leben im öosten Jahre. Er hinterläßt eine Witwe, geb. Baronesse Posse, mit welcher er 38 Jahre m der Ehe gelebt hat, und zwei Söhne. — In Libau den 20. Sept. der Commerzien-Rath Gott-lieb Stobbe an gänzlicher Entkraftung, seines Al­

ters 71 Iahh 10 Monat.

Unfälle. Den 4. Octbr- fuhr ein zum Gute Groß-Buschhof gehöriger Wirth mit seiner kranken Tochter zum Arzt. Er hatte ein seither sehr zu­

verlässiges Pferd- Plötzlich springt aus einem Ge­

büsch ein Hund hervor, das Pferd wird scheu, geht durch, und schleudert, beim Abkehren vom großen Wege, Vater und Tochter heraus. Die Letztere bleibt betäubt, jedoch unbeschädigt, liegen, der

Er-tusow-Smolensky. St. Petersburg 1814.

sThle. 8. ——

Bei den literarischen Nachrichten m die­

sen Blättern kann es den Lasern derselben natürlich nicht sowohl darum zu thun seyn, zu wissen, iv^is der Herausgeber von dieser oder jener Schrift meint, (und dieß um so weniger, je entfernter der Inhalt mancher von dem Kreise seiner Kenntnisse und Ver­

hältnisse liegt), als view ehr nur zu erfah­

ren, daß ein solchem und solches Vroducr er­

schienen ist; wo man denn nicht ftltcn so­

gleich aus dein Titel schon auch was es ungefähr enthalten t.-.nn. Der Heraus­

geber hat also sehr unrecht gehabt, wenn er seither manche Anzeige ausschob, weil er der Schrift selbst nicht gleich halhafl werden konnte; und er hätte selbst manche Zeilen, die er an Urtheile verschwci dete, fruchtbarer mit bloßen Titeln ausfüllen können. Er ge­

denkt deun hinführo jeden Titel irqend eines neueu inländischen Products, so wie er ihn nur selbst zu Gesicht bekommt, sei es auch bloß in andern öffentlichen Blattern, seinen Lesern sogleich mitzutheilen. Erhält er d.nn weiterhin die Schrift sel'cst auch^ (was bei den in Petersburg gedruckten z. B^ schwerer ist, länger wenigstens dauert, als man wohl glauben sollte), nun so lassen sich dann im­

mer noch einige Worte darüber nachtragen, wenn sie nöthig oder rachsam erscheine.'.

Nächstens jetzt fürs erste die Rückstände.

stere aber zerschmettert sich Arm und Kopf auf die gräßlichste Art. Am folgenden Tage starb er.

e. Nr ) — Ein von der Station Rujen nach Moi-seküll zurückfahrender Posiknecht hat/ indem er mit seinem Fahrzeuge in den Graben gefallen/ den Hals gebrochen. — In Windau sind/ in der Nacht vom 18.Sept., auf derSee vor demHafen beim Fischen mehrere Böte verunglückt, und fünf Personen da­

bei ertrunken. — In Libau ist ein Fischer, bei ei­

nem Anfalle von Epilepsie/ beim Fischen aus sei­

nem Bote gefallen und ertrunken. — Unter Lin­

den in Kurland ist das anderthalbjährige Kind ei­

nes Bauers in einen Brunnen ohne Umzäunung gefallen und ertrunken. — Unter"Testama (Pern.

Distr.) sind den 21-Sept. Wohnhaus und Ställe eines Bauers abgebrannt/ dadurch, daß die Leute nach dem Dreschen das Licht in der Vorriege hat­

ten brennen lassen.

Ist zu drucken erlaubt worden.

Riga, den iz.Octbr. 18,4. A. Albanus, Livl.Gouv.-Sclml-Dir. u. Ritter.

In de;' vorigen Numer muß S. »6Z. statt: steinerne Brücken gelesen werden Buden.

?7»

Inlandische Blatter.

42. Den

20.

October. 1 6 1

Verordnungen. Friedens-Feier für die Invaliden, dargebracht Livl. Gouv. Reg. Pat. XXXII. 8. Oct. worden 6000 Rubel von dem dasigen Adel:

Nr. 6?io. Bußtag auf den 27. Novbr. von dem Flecken Berditschew 4275 Rubel;

Texte: Ies. 57. v. 19 —21., und Ephes. 1. und von verfchiednen andern Städten

klei-v. ? — 5. uere Summen. — In Nowgrad - Wolynsk

XXXIII. Nr. 6z8?. (Sen. Uk. 21. wird eine steinerne Kirche, allen Heiligen ge-Sept.) Für den aus den Ostsee-Provinzen widmet, erbaut, und in derselben jahrlich ein über die Reichs-Gränze geführt werdenden Todten-Amt für die in dem geendigten Krie-Branntwein, soll der Zoll (statt, wie der ge gefallenen Russischen Krieger gehalten.

Reichsrach vorgeschlagen hatte, mit 1 Rub. Von den dortigen Gütern des Herrn

Gene-— nach Sr. Majestät eigenhändiger Bei- rals Uwarow Exc. sind dazu bereits eine Men-schrift:) mit 5c) Kopeken erhoben werden. ge Materialien, so wie ein Geldbeitrag, dar-Kurl. Gouv. Reg. Pat. Xl^,. 25. Jim. gebracht worden. Indem der Hr.Herausgeber Nr. ^649. (Sen.Uk. v. Zi. Jan. d. I.) Bei des Invaliden jenen in der Nord. Post er­

den Kuriandischen Landes-Behörden sollen wähnten Beitrag aus Bsrditschew, als bei die Accidenzien für gerichtliche Ausfertign»- ihm eingegangen, anzeigt, führt er zugleich gen in Privat - Sachen nur nach der Taxe an, daß die an ihn übersendete größere von 1717 <^in rufsifcher Münze bestimmt den Summe zum Theil durch eine theatralische 25. April 1812) erHoden werden, für die ruft Vorstellung, welche man zu diesem Zwecke fischen und deutschen Kanzelleien der Kur- in Shitomir gegeben, zusammengekommen ländischen Gouvernements-Regierung aber sei. Außerdem Hut er erhalteu izao Rub., nach dem Ukas vom 29. Sept. 1798; beide welche bei der Nachricht der Besitznahme von Taxen sind beigelegt. Paris, zu Orlow im Wiatkischen

Gouver-Pat. XH.I. 17. Sept. Nr. 510?. (Sen. nement, unter der dasigen Geistlichkeit und Uk. v. Aug. d. I. Der seitherige Civil- Kaufmannschaft gesammelt worden; ^ooRub.

Gouverneur, Hr. Geh. R. u R. von Sivers von den Bauern des Kirchdorfes Konobejew Exc., zum Senateur ernannt, und die stell- iin Tambowischen Gouvernement, für die bei vertretende Verwaltung des Gouvernements PariS Verwundeten; für denselben Zweck dem Vice-Gouverueur, Hrn. wirkl. Etats-R. aus den Kolywanischen Eisen-Fabriken 50c»

von Stauecke Exc., übertragen. Rubel; und aus dem Iekatharinoslawischen Pat. XZ^II. 17. Seot. Nr. 5090. (Sen. Gouvernement 1070 Rub., die von den dor-Uk. 15. Iun. d. I.) Vergehen bis 5 Rub. tigen Beamteten, Geistlichen und Kaufleuten, au Betrag werden (nach Uk. 16. Mai 1812) bei der Friedens - Feier, für die Invaliden mit häuslicher oder leichter polizeilicher Züch- dargebracht worden.

tigunq abgestraft; über Vergehen von 5 bis In Kamtschatka find jetzt viele Euro-20 l^ubei an Betrag spricht das Unter-Ge- päische Artikel wohlfeiler, als im Innern des

richt gleich in der ersten Instanz das Urtheil Reiches. Hollandische Schiffe haben

näm-seibst. In Betreff der Läuflinge und Her- lich von manchen einen so bedeutenden Vor-unttreiber, welche bloß Entweichung sich ha- rath dahin gebracht, daß, aus Mangel au ben zu Schulden kommen lassen, ist zu ver- Abnehmern, die Preise wohl fallen mußten, fahren nach den Ukasen vom 9. Nov. 1765, Nach der Versicherung der, in der vorigen vom 11. Febr. 1798, und vom 29. Aug. 1807. Numer erwähnten, aus Japan Zurückgekehr-sollen die Hollander die, seit einigen Vermischte Nachrichten. Iahren statt findende, Unterbrechung ihres Im Wolhynischen Gouvernement find, zur Handels mit Japan dadurch sich zugezogen

172

haben, daß sic, statt ihrer eignen, englische Waaren dorthin brachten; wo denn die Re­

gierung fürchtete, daß das Volk an diese sich gewöhnen, und die inländische Industrie da­

durch gelahmt werden möchte.

St.Petersburg. Mit der S. 160. er­

wähnten Persischen Uebersetzung des Neuen Testaments hat es eigentlich diese Bewandt-niß. Ein gelehrter englischer Prediger Mar-tyu, war, in Auftrag der Großbrittannischen.

Bibel-Gesellschaft, aus Ostindien nach Schi­

ras in Persien gegangen, um dort die Ueber-setzung der Bibel ins Persische um so besser besorgen zu können. Bald nach der Vollen­

dung des Ncuen Testaments starb er; hatte aber vorher noch zwei schöne Abschriften fei­

ner Ueberfetzung d^m dastgen englischen Ge­

sandten übergeben. Die eine erhielt der Schach; die andre braute jener mit nach Petersburg, wo sie jetzt (da feit dem letzten Friedens-Schlüsse mehrere persische Provin­

zen an Rußland gekommen sind) auf Kosten der Reichs-Bibel-Gesetlschaft in 5000 Exem­

plaren gedruckt wird. Se. Cxcell. der Herr Gesandte Gore Ouöln, welcher das Persische gründlich versteht, wird, wahrend dein Fa­

milien--Angelegenheiten ihn jetzt einige Mo­

nate in Petersburg verweilen heißen, sich edelmüthig der Mühe unterziehen, die Cor-rectur des Druckes selbst zu übernehmen.

(A. e. Br.)

In Nr. 81. der russischen Petersburgi­

schen Zeitung.nimmt den ersten Platz unter den Intelligenz^Notizen eine Warnungs-An­

zeige ein, des Inhaltes: E>n dasiger Satt­

ler. Meister (Vor- und Zu - nähme ist genannt) habe für Se. Majestät eine Kalesche gemacht, mit der nicht hundert Werst gefahren wor­

den, als sie zerbrochen sei. Es werde dieß, auf Befehl Sr. Majestät, vom HofstalbConis toir, dem Publicum, um auf seiner Hut zu seyn, bekannt gemacht. — Es ist in der That sonderbar genug, daß, wahrend in den letztern Iahrzehnden, Journale und Zeitun­

gen es so oft sich erlaubten, obrigkeitliche Personen, Minister und Regenten, begangner Ungerechtigkeiten und Ungel'ührlichkeiten we­

gen, vor den Richterstuhl des Publicums zu ziehen, mon gleichwohl von der Publici­

ty diesen Gebrauch, welchen unser Mon­

arch jetzt einweiht, so wenig oder gar nicht gemacht hat. Was kann einfacher seyn, als

seinen Mitbürgern zu erzählen: "Die v^n mir bestellte oder gekaufte Arbeit ist so und so gerathen; so und so lang habe ich darauf warten müssen; das und das hat sie mich gekostet." Gereicht das dann den Herren, die es gilt, zur Schande, vermindert es ihre Kundschaft — wessen ist die Schuld? Nun freilich aber müßte den Handwerkern und Künstlern dann auch erlaubt seyn, ihrer Seits, unter Umstanden, auch in öffentliche Blatter einrücken zu lassen: "So und so lange habe ich auf die Bezahlung meiner Rechnung bei dem und dem warten müssen."

Leal. In den NevaUschen Anzeigen macht ein hiesiger Elementar-Schullehrer, Hr. Pfau, bekannt, ev l ütten Personen von Ädel seit­

her schon Wirths-Schne bei ihm in Ur-ter-terricht und Peasion gegeben. Er sei jetzt darauf eingerichtet, auch mehrere aufnehmen zu können, und erbietet sich, außer dem Un­

terrichte iu den übrigen Elemeutar-Kenntnis-fen, auch vom Rechnungsführer! ihnen so viel beizu. ringen, daß sie die monatlichen Verschlage und Hauptbücher auf den Höfen führen können. — So lauge nicht auf oem Land? felbst überall solche Schulen eingerich­

tet sind, wie die Kannapähifche, die Ronne-burgifche, dieDrostenhofische, und noch manche andre bei uns in Livland, gewiß ein sehr ge-meinnütziges Unternehmen!

Aus Dorpat, vom 7. Oct. Unsere Ho­

beren Lehr? Anstalten haben einen würdigen Zuwachs des Lehrer - Personals erhalten an dem Herrn Professor Moyer, der in Stelle des abgegangenen Professors Kauzmann, und an Herrn Oberlehrer Girgensohn, der in die Stelle des abgegangenen Oberlehrers Doct.

Struve berufen worden ist, welche beide vor wenigen Tagen Hieselbst angekommen sind, und unverzüglich ihre neuen Berufsgeschäfte beginnen werden. (A. e. Br.)

Unter dem Gute Kawast im Dorpati-fchen Kirchspiele ist jetzt eine, im vorigen Jahre bereits begangene, Mordthat bekannt geworden, die ein trauriger Beweis mehr ist, wie das Unrechte so leicht selbst das Ab­

scheuliche in fein Gefolge bekommt. Eine Witwe, welche als Badstüberin in dem Stren-Gesinde ihres Bruders-Sohnes wohnte, bat-te, zu Wochen, einen Laisholnu'schen Lauflmg bei sich gehehlt; der Wirth und fein Knecht wußten darum. Im Sommer vorigen

Iah-res brachte obgedachter kaufling noch einen andern, den Schuldigen, wie sie versichern, nach allen seinen Verhältnissen gänzlich un­

bekannten, Laufling, mit sich dorthin, und blieb mit ihm acht Tage daselbst. Die drei eigentlichen Bewohner des Gesindes befürcht teten, durch die mögliche Ergreifung des Fremden, als Hehler auch des Laisholniischen entdeckt zu werden, und beschlossen, jenen zu ermorden. Während der Wirth dni älteren Bekannten auf eine gute Art von Hause zn ent­

fernen wußte, begab der Knecht sich zu desien Ka­

meraden in den nahe gelegenen Wald, machte ihn betrunken und schlug ihn mit einem Steine todt. Der Wirth und die Badstübe-nn begrnben ihn, und theilten 8 Silber-Ru-bel, die sie bei ihm fanden, unter sich, ohne demjenigen, der sich zum Morde hergegeben, auch nur eine Kleinigkeit davon zukommen zu lassen. Da der früher gehehlte Laufling vvn der Zeit an dort nie wieder gesehen worden, so hat er vermuthlich Argwohn we­

gen der begangnen That geschöpft. (Viel­

leicht ist durch Ihn auch das Gerücht da­

von, welches jetzt die gerichtliche Unter­

suchung und Entdeckung veranlaßt hat, zu­

erst verbreitet worden)«. (A. e. Bcr.)

Pernau. In unsrer Vorstadt erhieng sich den 8. Oclbr. ein hiesiger Handwerker.

Oergleichen ist leider in unsern Tagen nichts eben so Seltenes. Möchte nur aber die hier statt gefundn?, und leider auch oft vorkom­

mende, Veranlassung dazu— häuslicher Un­

friede und Trunk — als W'.rnung benützt wer­

den, wo sie nöthig, und so lange es noch Zeit damit ist. Und der Eine Umstand bei seinem Selbstmorde— nein! nicht in dem Glauben an die Kraft des Göttlichen darf er irre machen, sondern er bestärkt nur in dem tiefen demüthigenden Gefühle menschli­

cher Schwache und Verkehrtheit, die das Heiligste selbst für das Gottloseste zu miß­

brauchen fähig ist. Erlutner Mißhandlun­

gen wrgen hatte feine Frau mit vier un­

mündigen Kindern seit sechs Wochen sich von ihm entfernt, (und ihre Beschwerden beim dortigen Consistorium anaedrachc?) Am Tage der That war er ganz nüchtern, ranrte sich, zog r.ine Wäsche an, schickte ein Weib, das ihn bediente, mit einem Auftrage ans dein Haufe, verschloß den Fenster Laden und bei­

de Hausthüren, und erhieng sich an einem

kalken mitten km Zimmer — auf einem Stuhle neben sich eine aufgeschlagene,Bibel liegend (wenigstens hätte Micha

2,

11. auf­

geschlagen seyn sollen). — A. e.Ber.

Auf dem Gute Versöhn ward, vor ei­

nigen Tagen, ein Bauer-Mädchen ein Opfer ihrer Unvorsichtigkeit (oder eigentlich der Na-twnal-Erbfunde — der Trägheit, derBequem-lichkeits - Liebe). Bei der d.isigen Dresch--Mühle zur Arbeit angestellt, ist sie so unbe­

dachtem, daß sie der Walze, die das Stroh in die Maschine zieht, zu nahe kömmt. Diese k'greift ihre Hand, zieht sie, beinahe bis zum Oberarme, mit hinein, und zermalmt sie. Ei­

nige Tage darauf starb sie unter den heftig­

sten Schmerzen. Zur Rettung der Ehre der Drefch-Mühle und ihres Verferligers muß ich noch anmerken, daß nur die größte Un­

besonnenheit ein solches Unglück zu veran­

besonnenheit ein solches Unglück zu veran­

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